Im Mai

J. Müller-Hermann

O wonniglicher, wohlgezierter Mai!

Dein süß Geschrei

bringt Freuden mancherlei,

besonderlich, wo zwei

in einem schönen Reih'

sich mutiglich verhändelt han.

Dein' weibliche Güt'

tut mich strafen, zaffen dich,

mit Gehren

verkehren.

Des mehren

ich erschrick.

Lass fahren,

nicht sparen

für mich dein lieblich Blick!

Dein Quälen,

dein Hellen

bald mir tröstlichen schick!

Ach, traut Gesell,

ich muss, was dein Gnad' wöll.

Dein Fromden groß

mich ant der Sinne bloß

O zartlichstes Weib,

den Jammer hie vertreib',

erquick den Mann in Freudenschall!

Seit mir die liebe Zeit

wend't Ungemach,

so wacht Lieb', ach.

Es ist mir gar so gach,

zu denken derer nach,

die ich so lang' nicht sach

und ihrer Ärmlein weiß Umfah'n.