Zweites Müllerlied
J. Raff
Ein Mühlrad hör' ich gehen
In einsam stiller Nacht,
Wenn Frühlingslüfte wehen,
Im Sturm die Eiche kracht.
Ich hör' es klappern, sausen,
Mit ewig gleichem Schall,
Ich hör' es donnern, brausen.
Im wildbewegten Fall.
Mir ist, als zürn' die Welle
In ihrem raschen Gang,
Daß ich noch nicht zur Stelle
Wie sonst am Felsenhang.
Daß nicht mein Lied begleitet,
Wie vormals, ihr Gebraus,
Und nur der Müller schreitet
Gleichgiltig ein und aus.
O Mühle, liebe Mühle,
Bei dir wohl wär' ich gern,
Bei deinem Bächlein kühle,
Das mir nun fließt so fern.
Doch ach, wer weiß, o Mühle,
Ob wir uns jemals seh'n:
Im regsten Fluthgewühle
Bleibt oft ein Mühlrad steh'n.