Beruhigung
J. Reichardt
Wo des Mondes bleicher Schimmer
Durch der Kiefern Dunkel blickt;
Wo um wildes Felsgetrümmer
Sich die Efeuranke strickt;
Wo des Nebels Todtenschleier
Sich um Herbstgesträuche dehnt;
Wo am trüben Erlenweiher
Dürres Rohr im Winde tönt;
Wo in schwarzen Alpenschlünden
Dumpf der Bergstrom wiederhallt;
Wo, ein Spiel den Abendwinden,
Welkes Laub auf Gräber wallt.
Da, da wandelt, von der Thoren
Eitler Schimmerbühne fern,
Schwermuth! der, den du erkohren,
Unter Ahndungsträumen, gern.
Da erfüllt ein stilles Sehnen
Nach des Grabes Ruh' sein Herz;
Da ergießt in heissen Thränen
Sich der Seele banger Schmerz,
Und sein Blick durchschaut die trübe
Zukunft ruhig bis ans Grab,
Und es ruft: Gott ist die Liebe!
Jeder Stern auf ihn herab.