Der Einsame

J. Reichardt

Schon sinds drei Tag' und länger,

seit er nicht wiederkam!

O Hain, du kennst den Sänger;

antworte meinem Gram.

Wie öd' ach! und wie graulich

du jetzo mir erscheinst,

du Hain, so hold und traulich

mir und dem Sänger einst!

Hier war's, wo seit dem Lenze

wir oft im Klee geruht.

Er sang, ich wand ihm Kränze

für seinen Schäferhut.

Oft auch, dass eins der Lieder

ich Blöde mit begann.

Vom Haine tönt' es wieder;

wir sah'n uns lächelnd an.

Jüngst sang er, trüb' und dunkel,

nur halbe Melodien,

so schön auch mit Gefunkel

der Abend uns beschien.

Fehlt dir was? wollt' ich fragen;

Da drückt' er mir die Hand.

Nicht Wort' und Töne sagen,

Was meine Seel' empfand.

Weg ging er nun erblödet;

ich Arme blieb allein!

Nun stehst du so verödet,

du anmutvoller Hain!

Nun wird mein Auge trübe

bei schönem Abendglanz!

Wenn ich hier länger bliebe,

wehmütig würd' ich ganz!

Fürwahr, beim Abendsterne!

tönt, Jüngling, dein Gesang;

fürwahr, dann bleib' ich gerne

den ganzen Abend lang!

Und wenn mir freundlich glänzet

im roten Glanz dein Blick,

dann wirst du neu gekränzet!

Komm, Jüngling, komm zurück!