Der Sänger

J. Reichardt

Ein Mägdelein hab' ich gesehn,

Das nennt' ich gern mein Liebchen!

Gar freundlich blickt es, und so schön,

Daß mir die Sinne fast vergehn,

Beim Lächeln ihrer Grübchen!

O wäre das mein Liebchen!

Sie lächelte, da ich ihr sang,

Und pries den blöden Sänger.

Da bebte mir's im Busen bang,

Und weder Laut noch Saite klang.

Sie merkt', und pries nicht länger

Mich allzu blöden Sänger.

Doch heller nun im Käfig bot

Das Vöglein seine Grüße.

Zum Lohne reicht' ihm Zuckerbrot

Ihr kleines Mündlein zart und roth;

Auch lohnten manche Küsse

Dem Vöglein seine Grüße.

Erschmeichelt' ich so süßen Lohn,

Ein Vöglein ihr im Käfig;

Auch heller säng' ich meinen Ton;

Und, bebte mir's im Busen schon,

Den rechten Ton wohl träf' ich,

Als Vöglein ihr im Käfig!