Vor Tau und Tag

J. Schelb

Vor Tau und Tag

Bin ich erwacht.

Auf Erden lag

Noch Mitternacht.

Vor Tag und Tau

Gedacht ich dein.--

Das Morgengrau

Gab noch nicht Schein.

Wohl kennt mein Sinn

Der Sonne Lauf;

Die Nacht geht hin,

Sie kommt herauf.

Doch unbewußt

Bleibt, weil sie klagt,

Wann meiner Brust

Ihr Morgen tagt;

Weil ohne Trost

Mein Auge weint,

Wann ihm von Ost

Dein Tag erscheint.

Ich such umsonst,

Und wär's auf Knien,

Dich, wo Du thronst,

Herabzuziehn.

Dein ist die Huld

Und mein die Pflicht:

Die Ungeduld

Bewegt Dich nicht.

Drum bleib es Dir

Anheimgestellt:

Erscheine mir,

Wann dir's gefällt.

Du kennst die Frist,

Nur Du allein:

Wenn's zeitig ist,

Wird Morgen sein.