Weide, silbern Angesicht

J. Schelb

Weide, silbern Angesicht,

Weil ich dich von weitem sehe,

Leidet mich's und hält mich nicht,

Bis ich grüßend vor dir stehe.

Heut! -- Und oh, wie manches Jahr

Kam ich, Weide, dich befragen!

Denn ich wußte: Frühling war,

Wenn du wieder ausgeschlagen.

Jahr um Jahr dieselbe Tracht.

Eh die andern sich bemühen,

Weidenbaum bist aufgewacht

Und beginnst alsbald zu blühen.

Ich verspür die Wandlung kaum,

Und sie hat dich schon durchdrungen;

Gülden überm Silberflaum

Künden mir die tausend Zungen.

Botschaft, Jahr um Jahr erneut:

Frühling kam, die Welt geht offen!--

Weide, die mein Herz erfreut:

Wer ums Wunder weiss, lernt hoffen.