An die Musik

J. Sterkel

Holde Muse, schwebe nieder,

Mische deine Laute wieder

In den feiernden Gesang.

Athme Leben in die Saiten

Meiner Leier, zu begleiten

Deiner Harmonien Klang.

In den Tiefen, wie auf Höhen

Schwebest du mit leisem Wehen

Durch die fühlende Natur.

Rings in ihrem weiten Kreise

Fühlt der Rohe, wie der Weise,

Deines Zaubers süße Spur.

Du vermählet Harmonien,

Jedes Herz an dich zu ziehen,

Stimmt zu Schwermuth Ernst und Scherz.

Freundin bist du dem Entzückten,

Trösterin dem Unbeglückten,

Theilt mit jedem Lust und Schmerz.

Will der Mensch mit frommem Beben

Auf zum Himmel sich erheben,

So erhebt ihn dein Gesang,

Und in solcher Andacht Feuer

Fühlt er seine Seele freier,

Weil dein Jubel sie durchdrang.

Wünscht sein Herz sich zu vergnügen,

Athmet es in vollen Zügen

Deine Melodien ein.

Du erzeugt bei Tanz und Festen

Frölichkeit in heitern Gästen

Lehrst sie, sich der Freude weihn.

Öfters rollt von muntern Wangen

Eine Thräne voll Verlangen,

Die sich willig dir ergab.

Öfters zwingt mit frohen Scherzen

Deine Kunst dem bängsten Herzen

Ein vergnügtes Lächeln ab.

Sehnt der Jüngling sich nach Liebe,

Fühlt das Mädchen Gegenliebe,

So vertraut es dir ein Lied.

Oft durch dich verstehn und wählen

Sich zwei gleichgeschaffne Seelen,

Die dein Zauberton durchglüht.

Lieblich singst du aus dem Schäfer,

Schwirrt aus dem berauschten Käfer,

Murmeltin des Baches Fall;

Lispelt in des Hains Gefiedern,

Weht in meines Bürgers Liedern,

Lebt und wirkest überall.

Schöpferin der reinsten Freuden,

Trösterin geheimer Leiden,

Du beglückt von Pol zu Pol.

O laß nie dem Gram den Zügel;

Doch der Hoffnung leihe Flügel,

Ihre Täuschung thut so wohl.