An die Weisheit
J. Sterkel
Glück, auf eitlen Wahn gegründet
und von Sorgen unterstützt,
Schätze, die man mühsam findet
und mit Angst und Furcht besitzt,
Ehre, die nur Toren blendet,
Macht, die die Gesetze bricht,
Würde, die die Menschheit schändet -
wünscht des Dichters Seele nicht.
Holde Weisheit, ich erwähle
mir zur Göttin dich allein.
Edel lass mich an der Seele,
reich an Witz und Geiste sein,
frei zu denken mich erkühnen,
tun und reden mit Bedacht,
für kein Gold dem Sklaven dienen,
den Geburt zum Fürsten macht.
Lass mich die Natur genießen,
welche keinen Ekel kennt,
oft die Zunft der Weisen grüßen,
die kein Eigendünkel trennt,
oft mit Freunden und Freundinnen
mich durch Wein und Scherz erfreu'n
und den keuschen Charitinnen
siegenswerte Lieder weih'n.