Lebensgenuß

J. Sterkel

Uns winket im Lenze des Lebens

der Freude süß duftender Kranz;

die Kreise des fröhlichen Strebens

umstrahlet der Hoffnungen Glanz!

D'rum auf, und bei freundlichen Scherzen

die Pfade mit Blumen bestreut!

Es lebe auf ewig im Herzen,

was mild uns der Augenblick beut.

Im Tanze der flüchtigen Stunden

entfliehen zwar Jugend und Lust,

doch wenn sie auch lange entschwunden,

hebt sanft noch Erinn'rung die Brust.

Bald winken uns blumige Reihen,

doch fesselt die Rose den Blick;

sie lasset zum Sinnbild uns weihen

der Jugend entfliehendes Glück!

Vom Hauche des Frühlings geboren

sinkt schnell sie entblättert ins Grab;

so pflückt auch die nächste der Horen

die Blumen der Jugend uns ab!

Wenn einstens im Winter des Lebens

nicht Tänze, nicht Spiel uns erfreu'n,

dann möge am Ziele des Lebens

Erinn'rung noch Rosen uns streu'n!