Liebe und Treue
J. Sterkel
Auf dürrem, blumenlosem Land
zur Weihe heiliger Gefühle
schuf Florens schöpferische Hand
der Blumen sanfte Farbenspiele.
Der Unschuld und Bescheidenheit,
die selbst in ihrem Busen glühten,
gab sie in holder Lieblichkeit
der Lilie und des Veilchens Blüten.
Da lief Cupido bittend hin:
„Soll denn bei allgemeiner Weihe
nicht auch ein kleines Blümchen blüh'n
für Liebe und für heil'ge Treue?“
Nun keimte stolz im hohen Licht
für Liebe die erhab'ne Rose,
für Treue das Vergissmeinnicht
am Wiesenquell versteckt im Moose.
Wisst ihr, warum so stolz und hell
und rings um euch die Rose glühet,
und nur im Tal am Wiesenquell
der Treue Blümchen einsam blühet?
Weil leicht mit raschem Feuerstrahl
die Liebe jedes Herz entzündet,
und weil man, ach, nicht überall
und selten nur die Treue findet.