Das Herbstgelag

J. Sterkel

Brüder, hört, wie Eurus brauset,

Wie der Schnee am Fenster schwirrt,

Wie der Baum im Hofe sauset,

Und der Pforten Angel klirrt!

Laßt den Herbst in schwarzem Wetter

Hoch ob unserm Haupte ziehn;

Übertönt des Sturms Geschmetter

Ihr mit Wonnemelodien!

Gebt uns Wein von Medoks Hügel,

Wein, mit Singen eingetonnt;

Oder löset dem die Siegel,

Der am Rheine sich gesonnt!

Frühes Weisethun ist Laster,

Vor dem dritten Stufenjahr!

Kränzt mit Laub und spätem Aster,

Kränzt das jugendliche Haar!

Walt' im Obersiz, о König,

Den die Efeuranke krönt!

Nippt ein Unterthan zu wenig,

Werd' er laut im Chor gehöhnt!

Auch zu viel verbeut die Regel,

Denn zu viel ist ungesund!

Um die Tonne lenkt das Segel,

Und ihr segelt auf den Grund!

Angeklingt! Es leb', es lebe,

Wer nur Freude giebt und nimt!

Wer, ob Sonn', ob Sturm sich hebe,

Immer fortgeht, gleichgestimmt!

Lebe froh das Kind des Balles,

Froh des Pfennigs Mann und Greis!

Leb' in Ruh und Frieden alles,

Alles, was zu leben weiss!

Heller noch um helle Römer

Töne jezt der Chorgesang!

Klingt, und leert die Wonneströmer,

Eh verhallt ihr Silberklang!

Seiner Freundin Angedenken

Schwebe jedem vor dem Geist;

Oder, welche, Huld zu schenken,

Durch ihr Lächeln ihm verheißt!