Die Fahnenweihe

J. Stuckenschmidt

Du hehres Banner, hochgeschwungen

von deutscher Sänger kräft'ger Hand,

bezeichne, dass wir, fest umschlungen,

mit allen Brüdern in dem Land

der Deutschen uns dem Kampfe weih'n,

wenn Licht und Recht gefährdet sein.

Fehlt auch der blanke Schmuck der Waffen,

ist uns're Hand nicht kampfgeübt,

so ist uns eine Kunst geschaffen,

die über Geister Herrschaft übt.

Wie Orpheus einst die Felsen zwang,

so sieget heut' noch deutscher Sang.

Vor allem dröhnt ihr Freiheitslieder

in jedes deutsche Herz hinein,

und tönt in allen Gauen wieder

vom Memelstrom bis an den Rhein,

vom meerumschlung'nen Ostseestrand

zum wolkenhohen Alpenland.

Wir singen Liebe unser'n Schönen,

die Treue unser'm Vaterland.

Wir wecken Geister mit den Tönen,

wir einen hoh'n und nieder'n Stand.

Wir singen Freude, Mut und Lust

in des bedrängten Bruders Brust.

Und wie der Schwan im Tode singet,

so gelt' es auch in unser'm Bund!

Getreu Brüder, singet, singet,

bis euch geschlossen ist der Mund!

Dann meldet euch beim Meister dort,

wir bleiben hier und singen fort.