König Gambrinus
J. Stuckenschmidt
Herrscht' einst ein edler König
zu Flandern und Brabant,
war vor und nach kein and'rer
mit besser'm Ruhm benannt.
Gewandt in zarter Minne,
bei Ritterspiel und Tanz;
der stärkste Gegner wankte
vor seines Schwertes Glanz.
Doch lieber preist ihn jeder
und weiß ihm hohen Dank,
weil er zuerst ersonnen
den kühlen Gerstentrank.
Wenn er nach heißen Kämpfen
in seinem Schlosshof stand,
rief er: Wohlauf, ihr Knappen,
seid rüstig mir zur Hand!
Ihr habt mir gut gestritten
voll Ruhms und alter Kraft;
so lasst uns nun bereiten
den edlen Gerstensaft!
Und Knapp' und Knechte schickten
sich zu dem Werke dann;
der königliche Meister
ging ihnen frisch voran.
Dann zecht' der alte König,
der weitgepries'ne Held;
dem räumten sie beim Becher
wie in der Schlacht das Feld.
Sitzt nun beim kühlen Kruge
noch eine lust'ge Schar,
denkt sie: Kommt doch kein König,
wie der Ganbrinus war!
Und meint auch wohl noch jeder,
leert er den Humpen aus:
Wär' jedes Königsschloss doch
ein tüchtig Brauerhaus!
Und wär' doch jeder König
ein Brauherr, jenem gleich,
die Königin die flott'ste
Frau Wirtin in dem Reich!