Der Schelm

K. Reinecke

Es geht ein Schelm durch alle Land',

Der ist bei Alt und Jung bekannt,

Ein Knabe ist's mit Äuglein klar,

Mit Schelmengrübchen und Lockenhaar,

Er schaut so fromm unschuldig drein,

Jungfräulein,

Hüt' dich fein,

Sonst wird dein Herz verloren sein!

'Ne Maid am Fenster sass und spann,

Da ritt des Wegs ein Reitersmann,

Er sah sie an so wonniglich,

Das fuhr in's Herz ihr, dass sie erblich.

"Um Gott! Was war dir, Tochter mein?"

Mütterlein,

Schick dich drein!

Nun wird sie verloren sein.

Wer stehet dort in der Thür und lacht?

Das ist der Schelm, der das vollbracht.

Er traf die Maid, er traf den Mann,

Hat seine Herzensfreude dran.

So treibt er seine Schelmerei'n,

Klug und fein

Jahr aus, Jahr ein,

Kein Mensch mag vor ihm sicher sein.