Der König von Thule

K. Seckendorff

Es war ein König in Thule

Ein' goldnen Becher er hätt

Empfangen von seiner Buhle

Auf ihrem Todes-Bett.

Den Becher hätt' er lieber,

Trank draus bey jedem Schmauß

Die Augen giengen ihm über

So oft er trank daraus.

Und als er kam zu sterben

Zählt' er seine Stätt' und Reich'

Gönnt alles seinen Erben

Den Becher nicht zugleich.

Am hohen Königs Maale

Die Ritter um ihn her

Im alten Väter Saale

Auf seinen Schloß am Meer.

Da saß der alte Zecher

Trank lezte Lebens Glut

Und warf den heiligen Becher

Hinunter in die Fluth.

Er sah ihn sinken und trinken

Und stürzen tief ins Meer;

Die Augen thäten ihm sinken

Trank keinen Tropfen mehr!