Gretchen an Veit

K. Seckendorff

Ich weiss mir meines Leid kein End,

so bang ist mir's zu Mute;

ach, Veit! Ach, sieh, wie's kocht und brennt,

im Herzen und im Blute;

hab' nirgends Ruh, hab' nirgends Rast;

die Welt wird mir zu enge!

Hilf Veit! Mir von der schweren Last,

ich trag's nicht in die Länge --

Nein Gretchen, nein, dein Hans will fort,

will in die Fremde gehen,

und sagt, in dem verwünschten Ort

hier wär's um ihn geschehen:

Du wärst so wunderlich im Sinn,

er könnt mir's gar nicht sagen;

du hudeltest, du necktest ihn --

er könnt's nicht mehr ertragen.

Nein, Veit, mein Liebchen darf nicht fort,

darf keine Fremde sehen;

sonst ist's in dem verwünschten Ort,

sonst ist's um mich geschehen.

Geh', sag' ihm, ach! ich hätt ihn gern --

gern, wenn er bei uns bliebe --

Ich teiltete mit ihm Glück und Stern --

und gäb' ihm Lieb' um Liebe.