Bei des Abendsternes Brennen

L. Ehlert

An des Abendsternes Brennen

Ach erkennen

Kann ich nun,

Daß die Liebste läßt mit Grüßen

Drauf die süßen

Augen ruhn.

Denn wo wär' ein Licht entglommen,

Das, nicht ihrem Blick entnommen,

Wohl mir könnt' im Auge thun?

An des Mondes stillem Leuchten

Aus dem feuchten

Thränenduft,

Soll sie sehn, wie meine bangen

Wünsche langen

In die Luft.

Denn was blieb in Höh' und Tiefe,

Das ihr, "Mein Gedenke!" riefe,

Wenn es nicht der Mond ihr ruft?

Als ich aus der Liebsten Armen

Aus zum warmen

Himmel sah,

Als des Mondes Spielgeselle

Stand der helle

Stern auch da.

Nun bin ich von ihr geschieden,

Und die beiden stehn in Frieden

Sich noch dort am Himmel nah.

Damals hat sie mir versprochen

An dem Pochen

Meiner Brust,

Und ich hab' ihr schwören müssen

Unter Küssen

Unsrer Lust,

Daß ob einst die hellen beiden

Sich aus ewig würden scheiden,

Scheiden sollt uns kein Verlust.

Ihr zwei lichten Blüthentriebe

An der Liebe

Himmelsbaum!

Weiter hält, als uns hienieden,

Euch geschieden

Sphärenraum;

Doch vor unserm Angesichte

Seid ihr still euch nah im Lichte,

Und wir uns im Liebestraum.