Mein Falke

L. Héritte-Viardot

O Sehnsucht, wilder Falke mein,

Willst du auch müde werden?

Dess' Heimath hoch im Blauen war,

Behagt's dir nun auf Erden?

Wie oft hast du den jungen Sinn

Aus diesen grauen Tagen

Hoch über Sorge, Noth und Leid

Getragen.

Bis mir das dunkle Thal entschwand

In märchenweiter Ferne

Und um mein glühend Haupt sich bog

Das Diadem der Sterne.

Nun beugst auch du die stolze Stirn

Und läßt die Flügel hangen,

Nun hat auch dich die Sorgenfrau

Gefangen.

Brich deine Fesseln, Wanderfalk,

Und hebe dein Gefieder --

Siehst du die Sterne droben glüh'n,

Hörst du die süßen Lieder?

Es ist die Heimath, die uns ruft,

Sie lockt in Lust und Wonne,

Steig auf mit hellem Jubelschrei

Zur Sonne!