Er kommt
L. Rée
Mein Liebster ist ein heißes Blut,
Ein Held von jungen Jahren,
Sein Sinn ist treu, und fest sein Muth;
Keck sitzt der schwarze Federhut
Auf seinen blonden Haaren.
Da sieht hervor ein Auge, blau,
Das kennt nicht Noth noch Leiden,
Es blitzt so hell, es winkt so schlau!
Wohl muß ihn jede schöne Frau
Um solche Zier beneiden!
Sein Gang ist gar von edler Art;
Zu Füßen soll ihm liegen
Die Welt, wenn er sich streicht den Bart,
Da denkt er mancher lust'gen Fahrt
Und träumt von neuen Siegen.
Ach, Freundin, dir vertrau' ich's an,
Wie leicht er mich bezwungen:
Um allen Stolz war's gleich gethan,
Als er zu Nacht mir am Altan
Sein schönstes Lied gesungen.
Beim Versperkirchgang kommt er heut'
Die Straße uns entgegen,
Schon ist verhallt das Spätgeläut, --
Nun weißt du, was ich mich gefreut
Auf diesen Abendsegen!
Siehst du im Dämmer die Gestalt?
Ich fühle seine Nähe!
Mich überläuft es heiß und kalt,
Er kommt! er kommt! sein Tritt erschallt, --
O hilf mir, ich vergehe!