Mit grünem Gewand

L. Schnorr von Carolsfeld

Mit grünem Gewand schmückt sich froh die Natur,

Und lauschet dem Lämmchen, das blöckt auf der Flur,

Es zwitschern die Vög'lein den Willkomm erfreut,

Mich kann nichts entzücken — mein Annchen ist weit.

Schneeglöckchen, Maßliebchen, sie schmücken die Au,

Es baden die Veilchen sich Morgens im Thau;

So süß sie auch duften, mir schaffen sie Leid,

Sie mahnen an Annchen — mein Annchen ist weit.

Du Lerch', die von thauiger Wiese Dich schwingst,

Dem Schäfer den Gruß von dem Morgenroth bringst,

Du Drossel, die sanft jetzt ein Morgenlied weiht,

Aus Mitleid laßt ab — denn mein Annchen ist weit.

Komm', Herbst, komm' auf grauer, auf düsterer Spur,

Und sag' mir, daß sterbend erblaßt die Natur;

Der schreckliche Winter, wenn's stürmet und schnei't,

Erfreut mich allein — denn mein Annchen ist weit.