Sehnsucht

C. Loewe

Die stille Nacht umdunkelt

Erquickend Tal und Höh',

Der Stern der Liebe funkelt

Sanft wallend in dem See.

Verstummt sind in den Zweigen

Die Sänger der Natur;

Geheimnisvolles Schweigen

Ruht auf der Blumenflur.

Ach, mir nur schließt kein Schlummer

Die müden Augen zu:

Komm, lindre meinen Kummer,

Du stiller Gott der Ruh!

Sanft trockne mir die Tränen

Gib süßer Freude Raum,

Komm, täusche hold mein Sehnen

Mit einem Wonnetraum!

O zaubre meinen Blicken

Die Holde, die mich flieht,

Laß mich ans Herz sie drücken,

Daß edle Lieb' entglüht!

Du Holde, die ich meine,

Wie sehn' ich mich nach dir;

Erscheine, ach, erscheine

Und läche Hoffnung mir!