Frau Schwalbe

M. Kremer

Frau Schwalbe gieb mir Kunde!

Wo mag mein Liebster sein? --

Er liegt im Thurm gefangen

Bei Ottern und bei Schlangen

Und leidet grosse Pein.

Wie mag ich zu ihm kommen?

Frau Schwalbe, gieb Bescheid! --

Du kannst nicht zu ihm wandern,

Es trennen Eins vom Andern

Drei Wasser, wild und breit.

Drei wilde, breite Wasser,

Die brechen mir nicht den Muth.

Einen Engel wird Gott mir senden,

Der trägt mich auf den Händen

Wohl über die wilde Fluth.

Lass alles Hoffen fahren!

Der Weg ist lang und weit,

Ein Jahr und sieben Wochen.

Dann ist sein Herz gebrochen

Vor übergrossem Leid.

Und ist mein Schatz gestorben,

So find' ich doch sein Grab.

Dort will ich beten und singen;

Das Herz wird mir zerspringen,

Weil ich so lieb ihn hab'.