Gottesdienst

M. von Kralik

Die gnadenlos des Friedens Weihe stören,

verbanne alle Wünsche aus der Brust,

willst du das Göttliche, das unbewusst

in deiner Tiefe ruht, heraufbeschwören.

Geheimnisvolle Stimmen wirst du hören,

die leis' erheben mystischen Gesang;

sie tönen, schwellen, steigen, bis ihr Klang

dein Herz erfüllt mit vollen Jubelchören.

So trittst du aus der Straße lautem Treiben

benommen in die Kirche ein. Da quillt

ein gold'nes Dämmerlicht aus Purpurscheiben,

die Wölbung schwebt auf Orgelfeiertönen,

und, aus dem Borne der Musik gestillt,

bringst du dich dar zu himmlischem Versöhnen.