Der Vampyr

Marschner, Heinrich

Responsief blok lib/tran/syn

Der Vampyr Libretto

SYSTEMErster Akt.

Chor der Hexen und Geister, abenteuerliche Gestalten, flackernde, heller Mondschein, usw.

SYSTEMChor

Ihr Hexen und Geister

Schlingt frölich den Reih'n

Bald wird unser Meister hier unter uns sein.

Wegen grauser Freveltaten

Drum wird er von uns gesucht,

Dass wir uns auf ihm beraten.

Lichtscheu in der Mitternacht

Wenn nur Angst und Bosheit wacht

Schleichen wir beim Mondenschein

In die finstre Kluft hinein.

Schlange, Natter hör ich zischen,

Irrlicht flackert froh dazwischen.

Molche, Kröten, scharze Katzen,

Kobold, Hexen, Teufelsfratzen

Kommt und schlingt den mintern Reih'n.

Eul' und Uhu, ihr sollt schrei'n.

Joho, hoho ...

Dort nahet der Meister

In fahlem Feuerschein.

Melodram.

SYSTEMDER MEISTER

(

spricht

Dieser hier, der schon verfallen

Unsrem Dienste ist,

Wunscht noch eine kurze Frist

Unter den freien Menschen zu wallen.

Sein Begehren sei bewilligt,

Wenn er seinen Schwur erfullt,

Wenn er bis Mitternacht

Drei Opfer fur uns gebracht:

Fur drei Braute, zart und rein

Soll dem Vampyr ein Jahr bewilligt sein.

LORD RUTHVENBei der Urkraft alles Bosen

LORD RUTHVENSchwor'ich euch, mein Wort zu losen.

LORD RUTHVENDoch fliehet diesen Aufenthalt

LORD RUTHVENDenn eins der Opfer naht sich bald.

LORD RUTHVEN(

Der Meister verschwindet, der Mond scheint

wieder.

SYSTEMCHOR DER HEXEN UND GEISTER

LORD RUTHVENLeise, leis' beim Mondenschein

LORD RUTHVENHusch in die Erde, husch hinein.

LORD RUTHVENTausend Spalten, tausend Ritzen

LORD RUTHVENDienen uns zum Aufenthalt.

LORD RUTHVENLasst uns brutend unten sitzen

LORD RUTHVENBis die Mitternacht erschallt.

LORD RUTHVEN(

Sie verstieben. Es schlagt eine Uhr.

SYSTEMNo. 2

LORD RUTHVENHa, noch einen ganzen Tag,

LORD RUTHVENUberlang ist diese Zeit.

LORD RUTHVENZwei Opfer sind mit schon geweiht

LORD RUTHVENUnd das dritte ist leicht gefunden.

LORD RUTHVENHa, welche Lust aus schonen Augen

LORD RUTHVENAn bluhender Brust neues Leben

LORD RUTHVENIn wonnigem Beben

LORD RUTHVENMit einem Kusse in sich zu saugen.

LORD RUTHVENHa, welche Lust, in liebendem Kosen

LORD RUTHVENMit lusternem Mut

LORD RUTHVENDas susseste Blut

LORD RUTHVENWie Saft der Rosen

LORD RUTHVENVon purpurnen Lippen

LORD RUTHVENSchmeichelnd zu nippen!

LORD RUTHVENUnd wenn der brennende Dutst sich stillt,

LORD RUTHVENUnd wenn das Blut dem Herzen entquillt,

LORD RUTHVENUnd wenn sie stohnen, voll Entsetzen,,

LORD RUTHVENHa, ha, welch'Ergotzen,

LORD RUTHVENWelche Lust!

LORD RUTHVENMit neuem Mut

LORD RUTHVENDurchgluht mich ihr Blut,

LORD RUTHVENIhr Todesbeben

LORD RUTHVENIst frisches Leben.

LORD RUTHVENArmes Liebchen, bleich wie Schnee,

LORD RUTHVENTat dir wohl im Herzen weh.

LORD RUTHVENAch, einst fuhlt' ich selbst die Schmerzen

LORD RUTHVENIhrer Angst im warmen Herzen,

LORD RUTHVENDie den Himmel frech verhohnen.

LORD RUTHVENIch verstehe euerh Ruf!

LORD RUTHVENHa, welche Lust.

SYSTEMNo. 3 Duett

JANTHE(

tritt auf

JANTHETeurer Eltern einz'ge Freude

JANTHELohn'ich sie mit herbem Leide,

JANTHEDie zu ehren susse Pflicht.

JANTHEAch, ich muss sie ja betruben,

JANTHEDenn es zwingt mich, dich zu lieben,

JANTHEWas Vernunft dagegen spricht.

RUTHVENFuhl an meines Herzens Schlagen

RUTHVENMehr als ich vermag zu sagen,

RUTHVENDass ich dein auf ewig bin.

RUTHVENNimmer werd'ich dich betruben

RUTHVENEwig, ewig dich zu lieben

RUTHVENSchwor ich dir mit treuem Sinn.

SYSTEMBEIDE

RUTHVENSo bist du, Teurer, mein auf ewig,

RUTHVENSo bist du, Teure, mein auf ewig,

RUTHVENUnd ewig, Teurer, bin ich dein

RUTHVENMein Leben weih'ich dir allein.

RUTHVEN(

Sie stu, zen einander in die Arme. Auf den

ersten Hornruf aber fliehen sie in die Hohlel

SYSTEMNo. 4

SYSTEMCHOR

RUTHVENund Soli.

RUTHVEN(

Lord Berkley, Jager treten auf.

SYSTEMCHOR

RUTHVENWo kann sie sein?

RUTHVENJanthe! Janthe!

BERKLEYWeh, mein Kind!

BERKLEYIn welcher Wildnis mag es irren?

BERKLEYIn spater Nacht vermisst ich sie im Hause,

BERKLEYSicher haben Rauber sie entfuhrt.

BERKLEYWer ihre Spur entdeckt,

BERKLEYIch schwor'es euch,

BERKLEYDem wird des Vaters heisser Dank

BERKLEYUnd grosser Lohn.

BERKLEY(

um sich blickend

BERKLEYDoch wehe, welchen Ort betraten wir!

BERKLEYHier hausen bose Geister seit Jahrhun

BERKLEYderten,

BERKLEYDie Vampyrhohle nennt ihn das Volk.

SYSTEMCHOR

BERKLEYWeh, die Vampyrhole!

BERKLEYSchnell hinweg mit leisem Tritt.

BERKLEYArmer Vater!

JANTHE(

hinter der Scene

JANTHEWeh'mir!

RUTHVEN(

hinter der Scene

RUTHVENHa, ha!

RUTHVEN(

Der

SYSTEMCHOR

sturzt zuruck.

SYSTEMCHOR

RUTHVENWelch' Geschrei!

RUTHVENDort kam es herl

JANTHEWehl

BERKLEYDas war meines Kindes Stimme,

BERKLEYRettet mir ihr teures Leben.

BERKLEY(

Einige eilen in die Hohle.

BERKLEYWehI mir, meine Krafte schwinden.

BERKLEYAngst und Freude macht mich beben.

BERKLEYWie werd' ich sie wiederfinden?

BERKLEY(

Er ermannt sich und will in die Hohle; da

kommen ihm einige Diener und Ruthven entgegen.

BERKLEY(

zu Ruthven

BERKLEYFrecher Rauber meines Kindes

BERKLEYHier nimm deiner Taten Lohn!

BERKLEY(

Er stosst Ruthven das Schwert in die Brust. Ruthven sturzt zu Boden.

SYSTEMCHOR

BERKLEY(

in der Höhle

BERKLEYSie ist tot!

BERKLEYWie, mein' Kind ermordet?

BERKLEY(

Er will in die Hohle, besturzt kommen die

Diener ihm entgegen.

SYSTEMDIENER

BERKLEY(

allein

BERKLEYArmer Vater, weh, Entsetzen!

BERKLEYBrust und Nacken deiner Tochter

BERKLEYSind voll Blut.

BERKLEYGift'ger Zahne Spuren

BERKLEYVerraten das Entsetzliche:

BERKLEYSie ward zum Opfer dem Vampyr!

SYSTEMCHOR

BERKLEYEin Vampyr! Weh!

BERKLEY(

Alle sturzen fort.

RUTHVEN(

allein

RUTHVENWeh mir, meine Krafte weichen,

RUTHVENMussig wird die Zeit verstreichen,

RUTHVENKann ich nicht die Hoh' erreichen,

RUTHVENUm dort sterbend mit den Augen

RUTHVENMondesstrahlen einzusaugen,

RUTHVENDie mir neue Krafte geben

RUTHVENZum Leben.

RUTHVENSchrecklich, Allgerechter!

RUTHVENAlles tot und leer,

RUTHVENGrause Stille rings umher;

RUTHVENNur der Holle Hohngelachter

RUTHVENMuss ich horen.

SYSTEMNo. 5. Begleitendes Musikstuck.

SYSTEMSPRECHER

RUTHVENIn der Dunkelheit hat sich Sir Aubry, ein

RUTHVENFreund Ruthvens in die einsame Gegend

RUTHVENverirrt. Er findet den verletzen Freund, der

RUTHVENihm vorgibt von Raubern überfallen worden

RUTHVENzu sein. Der Verwundete bittet darum, man

RUTHVENmochte ihn auf einen Felsen so legen, dass

RUTHVENdie Strahlen des Mondes ihn voll ins Antlitz

RUTHVENtreffen. So schleppt Sir Aubry den Verwun

RUTHVENdeten auf eine Felsenhoh~ und bettet ihn so,

RUTHVENdass das Mondlicht voll in sein Antlitz trifft.

RUTHVENDann fliehter entsetzt die schauerliche

RUTHVENSchene.

RUTHVEN(

Ruthven belebt sich unter dem heilenden

Einfluss der Mondstrahlen, erhebt sich und

geht fort.

SYSTEM2. SCENE.

SYSTEMNo. 6.

Im Schlosse des Lord Davenaut erwartet am

Morgen ihre 18. Geburtstages Malwina, die

Tochter des Hauses ihren heimlichen Geliebten, Sir Aubry.

Heiter lacht die goldne Fruhlingssonne

MALWINAAuf die buntgeschmuckte, neubelebte Flur.

MALWINAAlles was ich sehe

MALWINAIst der Abglanz nur

MALWINAVon meines Herzens niegefuhlter

MALWINAWenne.

MALWINA(

Durchaus in freudiger Bewegung, aber oh

ne Leidenschaft.

MALWINADie Flur im bunten Festgeschmeide,

MALWINADer Baum ihm duftgen Blutenkleide,

MALWINADer Vogel chor, der mich umklingt

MALWINAUnd jubelnd auf zum Himmel dringt,

MALWINAAch, alles jauchzt und teilt mein Gluck.

MALWINA"Heute", wogt es in mir auf und nieder,

MALWINA"Heute", schallt's von aussen wieder,

MALWINAJa, heute kehrt der Teure mir zuruck.

MALWINAOh, schwing' auch du mein hebend Herz

MALWINADich dankergluhend himmelwarts

MALWINAUnd in dem Lust- und Freudenklang

MALWINALall' deines Schöpfers Lobgesang.

MALWINAStill, wer naht sich dort der Pforte?

MALWINAEr sieht herauf, es ist sein Blick.

MALWINAEr ist es, Edgar ist's!

MALWINA(

Sie eilt Aubry entgegen.

SYSTEMNo. 7. Duett.

SYSTEMMALWINA, AUBRY

MALWINADu bist's, es ist kein Traum.

MALWINADieses Gluck, ich fass' es kaum.

MALWINABist Du's wirklich,

MALWINASeh'ich dich wieder?

SYSTEMNo.8. Terzett.

Lord Davenaut tritt auf, teilt Maiwina mit,

MALWINAdass er den Earl von Marsden fur sie als

MALWINABrautigam gewahlt hat.

MALWINA(

ausser sich

MALWINAWie, mein Vater!

AUBRYWeh', verloren!

DAVENAUTJa, es ist der Earl von Marsden

DAVENAUTDen ich mir zum Sohn erkoren.

SYSTEMMALWINA, AUBRY

DAVENAUTWie, wer ist es?

DAVENAUTDer Earl von Marsden?

DAVENAUTJa, es ist der Earl von Marsden.

MALWINAOh, mein Vater.

DAVENAUTDie Wahl scheint sie zu freuen.

AUBRYAch, mein Gluck war nur ein Traum,

AUBRYMusst' er mich so schnell verlassen?

AUBRYWeh', dies Unglück ganz zu fassen

AUBRYHat mein armes Herz nicht Raum.

MALWINA(

zum Vater

MALWINA)'

MALWINASieh mich hier zu deinen Fußen,

MALWINAVater, kannst du mir verzeihn,

MALWINAVater, ach dem EarI von Marsden

MALWINAKann ich nimmer Gattin sein.

DAVENAUTWie, was hor'ich,

DAVENAUTHa, ist's moglich?

MALWINADieses Herz hat schon gewahlt.

MALWINAAch, ich fuhl's ich habe gefehlt

MALWINADaß ich dir's bis jetzt verhehlt.

DAVENAUTWer ist der. Verweg'ne, spricht!

AUBRYDer Verweg'ne, der bin ich!

DAVENAUTHa, vor Zorn kaum halt'ich mich!

DAVENAUTWie, Verworfne durft ihr's wagen

DAVENAUTDies ins Antlitz mir zu sagen?

AUBRYAch, siet meiner Kindheit Tagen

AUBRYHat dies Herz fur ihn (

sie

AUBRY) geschlagen.

DAVENAUTIhr fleht vergebens, fort!

MALWINADeine Tochter kann mit ihm nur glücklich

MALWINAsein.

AUBRYEure Tochter zu beglücken

AUBRYSoll mein einzig Streben sein.

DAVENAUTFort, Ihr fleht vergebens!

DAVENAUTNimmer, nimmer ward gebrochen

DAVENAUTWas ein Vaterwort versprochen.

MALWINAAch, Vater, habe Mitleid!

MALWINA(

Georg tritt auf und meldet.

SYSTEMGEORG

MALWINAGnad'ger Herr, der EarI von Marsden

MALWINARitt soeben durch das Tor,

MALWINAUnd des Dorfes muntre Jugend

MALWINANaht vereint in heitrem

SYSTEMCHOR

MALWINAEure Tochter zu begrußen

MALWINAFuhre denn die muntern Gaste

MALWINAIn den Saal zu meiner Tochter.

MALWINA(

Der EarI von Marsden ist kein andrer als

, der Vampyr, der glaubt in

Malwina sein zweites Opfer gefunden zu

haben.

SYSTEMNo. 9. Finale.

RUTHVENFestlich wird er auf dem Schloße empfan

RUTHVENgen, nur von Aubn,, erkannt, der aber, ge

RUTHVENbunden durch seinen Schwur, Stillschwei

RUTHVENgen bewahren muß.

SYSTEMCHOR

RUTHVENSinget laut und jubelt froh,

RUTHVENDaß es tont durch's ganze Land:

RUTHVENHeil dem Hause Davenaut

RUTHVENHeil jedem, der mit ihm verwandt!

DAVENAUTHier, Malwina, ist der Mann,

DAVENAUTDen ich deiner wert erachte,

DAVENAUTWert des Hauses Davenaut.

RUTHVENEure Wahl zwar macht mich froh,

RUTHVENDoch beglückt war'ich nur dann

RUTHVENWenn Mylady's Aug'mir freundlich lachte.

MALWINA(

schuchtern, ohne ihn an

zusehen

MALWINAWerter Sir!

MALWINA(

sieht ihn an

MALWINAHa, wehe mir!

AUBRY(

/etzt erst

ansehend

RUTHVENHa, entsetzlich, seh'ich recht?

RUTHVENDu bist

RUTHVEN!

DAVENAUTUnbegreiflich!

RUTHVEN(

ruhig

RUTHVENNein, Sir,

RUTHVENist mein Bruder,

RUTHVENDer auf Reisen schon seit Jahren

RUTHVENAuf dem festen Lande ist.

RUTHVENLieb ist mir, es zu erfahren

RUTHVENWas ihr etwa von ihm wißt.

AUBRYWas ich weiß? Es war ja heut'...

RUTHVENNun?

AUBRY(

ganz verwirrt

AUBRYWehe!

AUBRYNein, Sir, ich weiß nichts.

AUBRYTauschend ist die Ahnlichkeit

AUBRYSeines, eures Angesichts.

DAVENAUT(

zu Malwina

DAVENAUTNun, Malwina, ist das Sitte?

DAVENAUTWeißt du deinen Brautigam

DAVENAUTFreundlicher nicht zu empfangen?

RUTHVENLaßt sie, wetter Sir, ich bitte.

MALWINA(

beklommen

MALWINASir, ich weiß nicht wie es kam,

MALWINADaß ein grausend seltsam Bangen...

RUTHVEN(

unterbricht

RUTHVENSchöne Lady, o verzeiht.

Wie die junge Rose lacht,

RUTHVENDie am Wege einsam bluht,

RUTHVENHat im innersten Gemut

RUTHVENEuer Anblick mich erfreut

RUTHVENHoffen will ich, daß die Zeit

RUTHVENEuch mein armes Angesicht

RUTHVENWenigstens ertraglich macht.

AUBRY(

beiseite

AUBRYNein, mein Auge tauscht mich nicht.

Wie er lacht und wie er spricht,

Alles zeigt es deutlich mir,

RUTHVENist es, der Vampyr!

RUTHVEN(

au

RUTHVENSir, zwei Worte nur, ich bitte.

RUTHVENEntsetzlicher, ich hane dich erkannt,

RUTHVENHier auch die Narb' an deiner Hand.

RUTHVENUnglücksel'ger darfst du's wagen

RUTHVENZu ihr die Augen autzuschlagen,

RUTHVENGrauses Scheusal der Natur!

RUTHVENStill, gedenk an deinen Schwur!

DAVENAUTDer Priester ist bestellt,

DAVENAUTGeladen sind die Gaste,

DAVENAUTBereitet alles nun

DAVENAUTZum frohen Hochzeitsfeste,

DAVENAUTDenn ehe noch die Mitternacht ent

DAVENAUTschwunden,

DAVENAUTBist du auf ewig mit ihm verbunden.

MALWINA(

außer sich

MALWINAAch, mein Vater!

AUBRYIch beschwore euch!

MALWINAAch, diese Eile,

MALWINAGonnt mir Frist,

MALWINAWen'ge Tage bitte ich.

DAVENAUTSchweig

AUBRYSir, verschiebt's bis morgen nur!

DAVENAUTNein, unmoglich.

MALWINAAch, mein Vater!

entschloßen

AU BRY (Nun, so wißt...

RUTHVENStill! Gedenk' an deinen Schwur!

DAVENAUTZum Feste lad'ich euch alle ein,

DAVENAUTJubeln soll alles und frolich sein.

DAVENAUTDenn heute noch, ich schwor' es laut

DAVENAUTFuhrt Marsden zum Altar die Braut.

DAVENAUTDer ganzen Herrschaft mogt ihr verkunden

DAVENAUTDaß Marsden sich und Davenaut ver

DAVENAUTbinden.

SYSTEMCHOR

DAVENAUTSinget laut und jubelt froh, etc.

DAVENAUTFurchtbar eilend eilt die Zeit

DAVENAUTUnd vom Ziel bin ich noch weit,

DAVENAUTDoch ich will nicht zittern.

DAVENAUTWer der eignen Kraft vertraut

DAVENAUTUnd auf Gottes Hilfe baut,

DAVENAUTDen kann nichts erschuttern.

RUTHVENFurchtbar eilend drangt die Zeit, usw.

RUTHVENWer der Holle Macht geschaut

RUTHVENIst mit Grausen schon vertraut.

DAVENAUTMogen sich die Wolken turmen

DAVENAUTMag es brausen, mas es sturmen,

DAVENAUTWenn es blitzt und wenn es kracht,

DAVENAUTSieht er nur des Himmels Macht.

RUTHVENWenn es blitzt und wenn es kracht

RUTHVENSieht er nur der Holle Macht.

DAVENAUTBei des Unheils grauser Nahe

DAVENAUTSchwillt sein Mut zu Riesenhohe.

DAVENAUTIn der Elemente Toben

DAVENAUTHebt er seinen Blick nach oben.

RUTHVENGrinsend blicket er nach oben,

RUTHVENFreut er sich des Bosen Macht.

SYSTEMEnde des Erster Akt.

SYSTEMAKT II

Bauernfest vor dem Schloß Marsden. Emmy's bevorstehende Hochzeit wird gefeiert.

Emmy, spater Georg und der Earl von Marsden.

SYSTEMCHOR

RUTHVENHort ihr die Geigen,

RUTHVENSeht ihr den Reigen

RUTHVENFrohlich ertonen und munter ergeh'n?

RUTHVENEilet zum Tanze

RUTHVENFroh in dem Kranze

RUTHVENMunterer Geigen euch rascher zu dreh'n.

RUTHVENBannet die Sorgen,

RUTHVENHeute und morgen

RUTHVENLachelt die Freude

RUTHVENUnd droht nicht Gefahr.

RUTHVENNutzet die Stunden

RUTHVENEh' sie entschwunden,

RUTHVENDaß eure Jugend nicht freudlos war.

RUTHVENSeid ihr erst alter

RUTHVENSteifer und kalter

RUTHVENDrucket das Leben euch

RUTHVENSorgvoll und schwer,

RUTHVENDann, ach ihr Leute

RUTHVENSchickt sich's wie heute

RUTHVENLeider nicht mehr.

RUTHVENImmer behende,

RUTHVENNimmer ans Ende

RUTHVENDrehe der Kreis sich

RUTHVENBald hin und bald her,

RUTHVENMunter, nur munter

RUTHVENKrauser und bunter,

RUTHVEN'Rüber und hinuber

RUTHVENDer Kreuz und die Quer.

SYSTEMNo. 11. Lied.

EMMYDort an jenem Felsenhang

EMMYLauschte ich den Weg entlang

EMMYGeorgen zu erspahen.

EMMYIn der Abendsonne Strahl

EMMYGluht und zittert Berg und Tal,

EMMYEr laßt sich nicht sehen;

EMMYWenn beim frohen Hochzeitsfest

EMMYMich der Braut'gam warten laßt,

EMMYSoll mich das nicht traurig machen?

EMMYDort im Strauch mit sußem Schall

EMMYLockt und girrt die Nachtigall,

EMMYUnd er is noch ferne.

EMMYDurch der Braume grunes Reis

EMMYLauscht der Vollmond still und leis'

EMMYFlimmern schon die Sterne.

Alles zeigt, der Abend kam

EMMYUnd noch fehlt der Brautigam.

EMMYSoll mich das nicht traurig machen?

SYSTEMNo. 12. Romanze.

EMMYSieh, Mutter, dort den bleichen Mann

EMMYMit seelenlosem Blick!

EMMYKind, sieh den bleichen Mann nicht an,

EMMYSonst ist es bald um dich getan,

EMMYWeich schnell von ihm zuruck!

EMMYSchön manches Magdlein jung und schon

EMMYTat ihm zu tief ins Auge sehn,

EMMYMußt' es mit bittern Qualen

EMMYUnd seinem Blut bezahlen,

EMMYDenn still und heimlich sag ich dir:

EMMYDer bleiche Mann ist ein Vampyr!

EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,

EMMYIhm jemals gleich zu werden.

SYSTEMCHOR

EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,

EMMYIhm jemals gleich zu werden!

EMMYDas Magdlein folgt dem bleichen Mann,

EMMYEs lockte sie sein Blick!

EMMYHort nicht der Mutter Warnen an

EMMYUnd bald war es um sie getan,

EMMYNie kehrte sie zuruck!

EMMYEin Opfer ward sie seiner Lust.

EMMYMit blut'ger Spur an Hals und Brust

EMMYFand man den Leichnam wieder.

EMMYSie fuhr zur Holle nieder.

EMMYNun geht sie selber, glaubt es mir,

EMMYHerum als grausiger Vampyr.

EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,

EMMYIhr jemals gleich zu werden.

EMMY(

Lord Ruthven, als Earl von Marsden tritt auf;

gewinnt das Vertrauen der Landleute durch

Geschenke und Versprechungen.

SYSTEMNo. 13. Terzett.

EMMYIhr wollt mich nur beschamen,

EMMYSo eitel bin ich nicht

EMMYUm fur Ernst es anzunehmen,

EMMYWas euer Mund nur spricht.

RUTHVENNein, liebe, suße Kleine,

RUTHVENGlaub' mir, ich scherze nicht.

RUTHVENDeine Schönheit ist's alleine,

RUTHVENDie so mein Herz besticht.

SYSTEMGEORG

RUTHVEN(

im Hintergrunde

RUTHVENOh, oh, was muß ich schauen,

RUTHVENDie sind ja sehr vertraut.

RUTHVENDarf ich meinen Augen trauen,

RUTHVENIst denn das nicht meine Braut?

RUTHVENWelche Wonne sondergleichen,

RUTHVENSanft die Wange dir zu streichen,

RUTHVENDir die weiche Hand zu drucken,

RUTHVENLiebend dir ins aug' zu blicken,

RUTHVENSo den Arm um dich zu schlingen,

RUTHVENDich zu drucken an die Brust,

RUTHVENAch, welchem Opfer wollt' ich bringen,

RUTHVENGonntest du mir diese Lust.

EMMY(

ihn sanft abwehrend

EMMYIhr wollt mich nur beschamen, usw.

SYSTEMGEORG

EMMYOh, Weh! was muß ich sehen

EMMYJetzt druckt er ihr die Hand

EMMYUnd sie laßt es auch geschehen

EMMYDas ist ja ganz charmant.

RUTHVEN(

zu Emmy

RUTHVENIch sollte dich fast schelten

RUTHVENIch tat so viel fur dich

RUTHVENUnd du willst mir's nicht vergelten.

RUTHVENIst das nicht grausam, sprich!

EMMYIhr sucht mein Gluck zu grunden

EMMYDas sehe ich wohl ein,

EMMYAch, ich kann nicht Worte finden

EMMYEuch meinen Dank zu weih'n.

RUTHVENDu kannst fur mein Bestreben

RUTHVENDen schonsten Lohn mir geben.

RUTHVENEin einz'ger Kuß von dir

RUTHVENGilt mehr als Kronen mir.

SYSTEMGEORG

RUTHVENEinen Kuß, was muß ich horen!

RUTHVENEr will sie kußen, was?

EMMY(

beschamt

EMMYWie, ein Kuß?

EMMYIhr wollt mich nur beschamen, usw.

RUTHVENNein, liebe, suße Kleine,

RUTHVENGlaubt mir, ich scherze nicht.

RUTHVENDeine Schönheit ist's alleine,

RUTHVENDie so mein Herz besticht.

RUTHVEN(

kußt Emmy; beiseite

RUTHVENSo, jetzt ist sie mir verfallen

RUTHVENUnd das Ziel ist nicht mehr weit.

RUTHVENHa, ha!

EMMY(

beiseite

EMMYSolchem Herren zu gefallen

EMMYIst doch keine Kleinigkeit!

EMMYSoll mich das nicht eitel machen?

SYSTEMGEORG

EMMY(

beiseite

EMMYWie, sie laßt sich das gefallen!

EMMYHa, bei Gott, das geht zu weit.

EMMYSoll mich das nicht rasend machen?

RUTHVEN(

beiseite

RUTHVENHa, jetzt ist sie mir verfallen.

RUTHVENDie Holle hor'ich lachen.

SYSTEMGEORG

RUTHVEN(

tritt vor, zu Emmy

RUTHVENGuten Abend, meine Beste.

RUTHVENSieh, da ist der Brautigam.

EMMYKommst du endlich auch zum Feste?

SYSTEMGEORG

EMMYJa, Zeit war's, daß ich kam.

EMMYUnser neuer Herr will dich

EMMYHier zum Gutsverwalter machen.

SYSTEMGEORG

EMMYJa, das merk'ich, schone Sachen,

EMMYUnd zum Eigentumer sich.

RUTHVEN(

beiseite

RUTHVENEifersucht, das ist zum Lachen,

RUTHVENArmer Tropf, du dauerst mich.

EMMYEifersucht am erster Tage!

EMMYNun fur wahr, das kommt zu fruh.

SYSTEMGEORG

EMMYJa, sie hat recht, die alte Sage:

EMMYWeibern trau' und Katzen nie!

RUTHVENNun, ich gehe, Liebesleute

RUTHVENSind am liebsten doch allein,

RUTHVENNur vergiß nicht, daß du heute

RUTHVENMeine Tanzerin sollst sein.

RUTHVEN(

beiseite

RUTHVENHa, wie mein Herz vor Freude bebet,

RUTHVENNun ist das zweite Opfer mein!

RUTHVENDie ihr mich unsichtbar umschwebet

RUTHVENJubelt! Jubelt! bald wird sie Euer sein.

EMMYMein Herz schwankt zwischen Furcht und

EMMYLiebe

EMMYUnd mir wird wohl und weh zu Sinn.

EMMYMit suß geheimnisvollem Triebe

EMMYZieht es mich zu dem Fremdling hin.

SYSTEMGEORG

EMMYWie bei boser Geister Hausen

EMMYSo unheimlich wird mir zu Mut,

EMMYMich uberlauft's mit kaltem Grausen

EMMYWeh mir, das endet nimmer gut.

RUTHVENHa, wie mein Herz vor Freude bebet,

RUTHVENNun ist das dritte Opfer mein, usw.

RUTHVEN(

Georg und Emmy gehen in den Tanzsaal.

SYSTEM2. SCENE.

SYSTEMNo. 14.

Große Scene. Aubry und Ruthven.

AUBRYWohl, du zwingst mich zum Verbrechen,

AUBRYMeinen Schwur geh'ich, zu brechen,

AUBRYGott im Himmel wird verzeih'n,

AUBRYKann ich es dadurch erreichen,

AUBRYDaß du von ihr mußt entweichen,

AUBRYIst die Sunde ja nur klein.

RUTHVENStrauchle auf der Bahn des Rechten,

RUTHVENDu verfallst den finstern Machten,

RUTHVENScheint der Fehltritt auch nicht groß,

RUTHVENBist du einmal erst gewonnen,

RUTHVENEnger stets wirst du umsponnen,

RUTHVENUnd die Holle laßt nicht los.

AUBRYGern wil! ich fur mein Verschulden

AUBRYMartervolle Strafen dulden.

AUBRYWas kann Argeres gescheh'n?

AUBRYGibt es großeres Verderben,

AUBRYAls die Heißgeliebte sterben,

AUBRYUnd so graßlich sterben seh'n?

RUTHVENMeinst du? Ha, versuch’ es nur,

RUTHVENUnd mit Schauder wirst du sehn

RUTHVENWas noch Argres kann geschehn.

RUTHVENGlaubst du, daß mich die Natur

RUTHVENZu dem schrecklichen Beruf

RUTHVENSchön bei der Geburt erschuf?

RUTHVENGeh denn hin, verrate mich!

RUTHVENSchuld des Meineids lad' auf dich,

RUTHVENUm mit sußem Triumphieren

RUTHVENDie Geliebte heimzufuhren.

RUTHVENWerde Gatte, Vater dann

RUTHVENUnd ein hochbeglückter Mann!

RUTHVENDoch es naht die Zeit heran,

RUTHVENWo bei tausend Schlangenbißen

RUTHVENDir die Seele wird entrißen.

RUTHVENVor den Richter, bang und schwer

RUTHVENTritt sie, und der Strenge spricht:

RUTHVEN“Reue suhnet Meineid nicht.

RUTHVENKehre du zuruck mit Graus

RUTHVENIn das kaum verlaßne Haus.“

RUTHVENNun gehst du, ein grausiger Leichnam

RUTHVENumher,

RUTHVENBestimmt, dich vom Blute derer zu nahren,

RUTHVENDie dich am meisten lieben und ehren.

RUTHVENIm Innern tragst du verzehrende Glut,

RUTHVENBei deinem Leben has du's geschworen:

RUTHVENWas durch dich lebt, ist durch dich verloren.

RUTHVENDer Gattin, der Sohne, der Tochter Blut,

RUTHVENEs stillet zuerst deine scheußliche Wut,

RUTHVENUnd vor ihrem Ende erkennen sie dich

RUTHVENUnd fluchen dir und verfluchen sich!

RUTHVENDoch was dir auf Erden das Teuerste war,

RUTHVENEin liebliches Madchen-mit lockigem Haar,

RUTHVENSchmiegt bittend die kleinen Handchen um

RUTHVENdich

RUTHVENDie Tranen ins helle Auglein ihr treten.

RUTHVENSie lallet: “Vater, verschone mich,

RUTHVENIch will auf Erden fur dich beten!“

RUTHVENDu siehst ihr ins unschuldig fromme Gesicht,

RUTHVENDu möchtest gern schönen

RUTHVENUnd kannst es doch nicht.

RUTHVENEs reizt dich der Teufel,

RUTHVENEs treibt dich die Wut!

RUTHVENDu mußt es saugen,

RUTHVENDas teure Blut!

RUTHVENSo lebst du, bis du zur Holle fahrst,

RUTHVENDer du auf ewig nun angehorst.

RUTHVENSelbst dort noch

RUTHVENWeichet vor deinem Blick

RUTHVENDie Schar der Verworf'nen

RUTHVENMit Schaudern zuruck,

RUTHVENDenn gegen dich sind sie engelsrein,

RUTHVENUnd der Verdammte bist du allein!

RUTHVENDu starrst, du stehst entsetzt vor mir.

RUTHVENHa, ha! ich zeichnete nach der Natur,

RUTHVENMeine eigne Geschichte erzahlt ich dir.

RUTHVENJetzt geh' hin und brich deinen Schwur!

RUTHVEN(

ab

SYSTEM3. SCENE

AUBRY(

allein

AUBRYHa, wie das grauenvolle Bild

AUBRYMich mit Entsetzen ganz erfullt.

Kein Trost, kein Ausweg zeigt sich hier.

AUBRYSie ist verloren, wehe mir!

SYSTEMNo. 15. Arie.

AUBRYWie ein schöner Frühlingsmorgen

AUBRYLag das Leben sonst vor mir.

AUBRYAll mein Wunsohen, all mein Sorgen

AUBRYWar ein heitrer Blick von ihr.

AUBRYFlur und Wald schien nur zu leben

AUBRYUm ihr Bild zuruckzugeben,

AUBRYUm mit sußem Zauberklingen

AUBRYNur von ihr, von ihr zu singen.

AUBRYDoch, jetzt umgibt mich dunkle Nacht,

AUBRYIch verzweifle an Gottes Macht.

AUBRYUnheilbringende Damonen

AUBRYScheinen die Schopfung nur zu bewohnen.

AUBRYHohnend hor ich sie triumphieren.

AUBRYZum Verderben muß es fuhren.

AUBRYWas ich auch beginnen wollte,

AUBRYUnd von allem was mir droht

AUBRYIst das minder Schreckensvolle

AUBRYWahnsinn oder Tod.

SYSTEMNo. 16. Duett.

Ruthven hat Emmy aus dem Tanzsaal gelockt.

RUTHVENLeise dort zur fernen Laube,

RUTHVENWo wir ungestörter sind.

EMMYGnad'ger Herr, man kommt, ich glaube.

RUTHVENNicht doch, liebes, sußes Kind.

EMMYJa, ja, man kommt.

RUTHVENFolge mir nur wen'ge Schritte.

EMMYGnad'ger Herr, ach nein, ich bitte.

EMMYGeorg wird im Saale mich vermißen.

RUTHVENFurchtsam Narrchen, laß dich kußen.

EMMYNein, ach laßt zuruck mich gehen,

EMMYGnad'ger Herr, ach schonet mein.

EMMYWurd' Georg bei euch mich sehen,

EMMYNimmer konnt'er mir verzeih'n.

RUTHVENSoll ich, ach noch langer klagen,

RUTHVENRuhrt dich meine Bitte nicht?

RUTHVENWird mir nie dein Auge sagen,

RUTHVENDaß fur mich dein Herzchen spricht?

EMMY(

beiseite

EMMYAch, ich fuhl's, mit tausend Banden

EMMYHangt mein ganzes Herz an ihm!

RUTHVENLange hat sie widerstanden,

RUTHVENDoch sie weicht dem Ungestum.

RUTHVENSo komme doch, mein sußes Liebchen,

RUTHVENMeiner Augen holdes Licht.

EMMYSeinen Bitten widerstreben

EMMYIch vermag es langer nicht.

RUTHVENNun so komm, noch wen'ge Schritte.

EMMYNein, ach gnad'ger Herr, ich bitte.

RUTHVENSußes Madchen, folge mir.

EMMYGnad'ger Herr, ach, ich zittre.

RUTHVENFolge mir!

EMMYWohlan, es sei! Ich folge dir!

EMMY(

Sie sinkt ihm an die Brust.

SYSTEMBEIDE

EMMYLeise, leis' im Mondenschimmer,

EMMYStill und heimlich ziehn wir fort,

EMMYNach dem suß verschwieg'nen Ort.

EMMYDu bist mein, ich dein fur immer.

EMMYMond und Sterne konnen lauschen,

EMMYWie wir Seel' um Seele taUschen

EMMYUnd in Liebe uns berauschen.

EMMY(

zusammen ab

SYSTEM4. SCENE.

SYSTEMNo. 18.

Chor der Landleute, Emmy's Leiche zur Gruft tragend.

SYSTEMCHOR

EMMYFreuden und Leiden

EMMYIm irdischen Leben

EMMYWechseln so rasch

EMMYWie die Stunden entschweben.

EMMYWir zogen so frolich

EMMYUnd munter daher

EMMYZu vereinen die Braut

EMMYMit dem Gatten,

EMMYAch, und jetzt gehen wir'

EMMYBange und schwer,

EMMYIhre Leiche

EMMYZur Gruft zu bestatten.

SYSTEM5. SCENE.

SYSTEMNo. 19. Duett.

AUBRY(

zu Malwina

AUBRYHaltet ein! Ich kann es nicht ertragen,

AUBRYDu bist verloren,

AUBRYWehe mir und wehe dir!

AUBRYIch muß verzagen,

AUBRYNur Wahnsinn bleibt,

AUBRYVerzweiflung mir!

AUBRYOh, dürft ich rasch mit eignen Handen

AUBRYDies martervolle Dasein enden!'

MALWINAOh, laß, Geliebter dich beschworen,

MALWINAErsticke nicht den frohen Mut,

MALWINANoch lebt ein Gott,

MALWINAEr wird uns horen.

MALWINAWill er, so endet alles gut.

MALWINALaß uns mit kindlichem vertrauen

MALWINAAuf seine Vaterhilfe bauen.

AUBRYEs drängt die Zeit, Malwina, laß dich warnen,

AUBRYOh, zögre nur bis der Tag erwacht.

AUBRYArglistig ist und groß der Holle Madht.

AUBRYMit bosem Zauber weiß sie zu umgarnen.

MALWINAWas redest du, was hatt ich zu befahren?

MALWINAIch furchte nur des Vaters streng Gebot!

MALWINAVor allem, was mir sonst Verderben droht

MALWINAWird mich mein Herz, mein reiner

MALWINASinn bewahren.

MALWINAWer Gottesfurcht im frommen Herzen tragt

MALWINAIm treuen Busen reine Liebe hegt,

MALWINADem muß der Holle dunkle Macht ent

MALWINAweichen

MALWINAKein boser Zauber kann ihn je erreichen.

AUBRYSei mir gegrußt, du schönes Himmelslicht,

AUBRYDas prangend durch die Nacht des Zwei

AUBRYfels bricht.

AUBRYMit lautem Jubel, wie aus lichten Sphären,

AUBRYJauchzt es mir zu, mit Engels Choren.

SYSTEMBEIDE

AUBRYWer Gottesfurcht im frommen Horzen tragt,

AUBRYusw.

SYSTEMNo. 20. Finale.

SYSTEMCHOR

AUBRYBlumen und Blüten im Zephyrgekose

AUBRYLieblich entfaltet der schmeichelnde West.

AUBRYBlume des Hochlands du, Davenaut's Rose

AUBRYWinden wir dir zu dem heutigen Fest.

DAVENAUTIhr Freunde kommt, beginnt die Hochzeit sfeier

DAVENAUTMit frohem Sinn und heitrer Frohlichkeit.

DAVENAUTMein einzig Kind, dem Vaterherzen teuer

DAVENAUTVermahlt ich dem edlen Gatten heut.

MALWINADein Wille, Herr im Himmel mag geschehen,

MALWINAIn glaub'ger Demut unterwerf ich mich.

MALWINAOh, laß ein Zeichen deiner Huld mich sehen,

MALWINAIch bin ja dein Geschopf, erbarme dich.

AUBRYSchön senkte sich ein Enge! trostend nieder

AUBRYMit schoner Hoffnung ros'gem Dammerlicht,

AUBRYDoch rasch durchbebt mich kaltes Grausen wieder

AUBRYHohnlachend sturzt die Holle auf mich ein.

SYSTEMCHOR

AUBRYAuf,. Freunde, beginnt die Hoch~eitsfeier,

AUBRYMit frohem Sinn und heitrer Frohlichkeit.

AUBRYDas einz'ge Kind, dem VaterherZen teuer,

AUBRYVermahlte er dem edlen Gatten heut.

AUBRYSinget laut und jubelt froh,

AUBRYDaß es tont durch's ganze Land

AUBRYHeil dem Hause Davenaut.

AUBRYHeil jedem der mit verwandt!

AUBRYHeil! Heil!

MALWINAAllgerechter!

AUBRYWeh, Entsetzen!

SYSTEMDAVENAUT, CHOR

AUBRYHa, Willkommen!

RUTHVENSir, entschuldigen kann ich nicht,

RUTHVENDaß ich saumte in meiner Pflicht.

RUTHVENHab' ich doch mein Gluck verschoben,

RUTHVENMeinen Fehler wollt'ich loben

RUTHVENPreisen noch mein Mißegeschick

RUTHVENZurnte auch Mylady's Blick

RUTHVENAuf den laßigen Brautigam

RUTHVENDer so spat zur Hochzeit kam.

DAVENAUTSpart die Worte, lieber Sohn,

DAVENAUTAlles ist bereitet schon.

DAVENAUTAuf, denn, fort, hin zur Kapelle

DAVENAUTDort will ich an heil'ger Stelle

DAVENAUTBei des Priesters frommem Segen

DAVENAUTIhre Hand in eure legen.

MALWINAAch, mein. Vater, hab Erbarmen,

MALWINAWehe mir, ach, weh mir Armen!.

DAVENAUT(

zum Chor

DAVENAUTAuf, Freunde, auf mit heiterm Sang

DAVENAUTBegleitet unsern Hochzeitsgang.

AUBRYStarr und leblos steh ich da,

AUBRYBei Gott, wie wird das enden?

RUTHVENHa, Triumph, das Ziel ist nah,

RUTHVENSie ist in meinen Handen.

SYSTEMCHOR

RUTHVENMochte die Zukunft die heitersten Loose

RUTHVENRosengleich dir auf den Lebenspfad streu'n.

RUTHVENBlume des Hochlands du,

RUTHVENDavenaut's Rose... u.s.w..

AUBRYHaltet ein, nein, nimmermehr

AUBRYSoll sie dein Opfer sein.

SYSTEMCHOR

AUBRYHa, was ist das, Welch seltsames Beginnen!

DAVENAUTTorichter Knabe, weiche schnell von hinnen,

DAVENAUTUnsinniger, hinweg mit dir,

DAVENAUTZu weit treibt dich strafbare Leidenschaft.

AUBRYHa, nimmermehr! Es drangt der Augenblick!

AUBRYIch fuhle Mut in mir und Kraft,

AUBRYIch will und muß die Heißgeliebte retten.

DAVENAUTHa, werft den Rasenden in Ketten.

SYSTEMCHOR

DAVENAUTHa, was ist das! Welch seltsames Beginnen!

AUBRYFest will ich sie umklammern und umfaßen

AUBRYUnd nur mit meinem Leben laßen.

DAVENAUTHinweg mit ihm, trennt sie,

DAVENAUTEr ist von Sinnen.

SYSTEMCHOR

DAVENAUTHa, was ist das?

AUBRYHa, nimmermehr, ach, habt Erbarmen,

AUBRYBetrog'ner Vater, ach,

AUBRYIhr wißt nicht, was ihr tut.

AUBRYVerloren euer Kind,

AUBRYNoch eh' der Morgen graut,

AUBRYBestimmt ihr sie

AUBRYZu dieses Scheusals Brant.

DAVENAUTWie, Rasender,

DAVENAUTDu wagst den Mann zu schmahen,

DAVENAUTDen sich dein Laird

DAVENAUTZum Eidam ausersehen?

DAVENAUTHa, furchte meines Zornes Wut!

RUTHVENDie Zeit vergeht, es wird zu spat

RUTHVENGrausen bebt durch meine Glieder.

MALWINAMut und Vertrauen, verließen mich,

MALWINAVater im Himmel, erbarme dich!

SYSTEMCHOR

MALWINAWie die Sache sich auch wende,

Weh, das nimmt kein gutes Ende.

AUBRYHa, traut dem Verruchten nicht,

AUBRYSeht des Verworf'nen Angesicht,

AUBRYSein Auge flammt vor Wut

AUBRYEr lechzet schon nach ihrem Blut.

AUBRYIhr seht sie niemals wieder!

SYSTEMCHOR

AUBRYWas war das?

AUBRYWelch' seltsames Beginnen!

RUTHVENDer hoffnungslosen Liebe Glut,

RUTHVENSie tobt in ihm mit wilder Wut.

RUTHVENHa, feßelt seinen Ungestum.

RUTHVENIhr wißt, der Wahnsinn spricht aus ihm.

SYSTEMCHOR

RUTHVENJa, feßelt seinen Ungestum, u.s.w.

RUTHVENHinweg mit ihm, er ist von Sinnen.

AUBRYMalwina, hore mich,

AUBRYIn Todesangst beschwor'ich dich.

AUBRYVerderben droht dir heute Nacht,

AUBRYOh, zogre nur, bis der Tag erwacht.

RUTHVENDie Zeit vergeht, es wird zu spat.

MALWINAMut und Vertrauen verließen mich,

MALWINAVater im Himmel, erbarme dich.

RUTHVENDie Zeit vergeht, es wird zu spat.

RUTHVENLaßt uns rasch zum Werke schreiten.

DAVENAUTIhr Freunde, auf, mit heiterm Sang

DAVENAUTBegleitet unsern Hochzeitsgang.

MALWINAVater, ach Vater,

MALWINALaß mit Zahren dich beschworen.

MALWINAHab' Erbarmen mit mir Armen.

MALWINAMeine Krafte fuhl'ich schwinden,

MALWINAOh, laß die Tochter Mitleid finden!

MALWINAOh, gonnt mir Zeit,

MALWINADer Tag ist nicht mehr weit.

SYSTEMCHOR

MALWINAOh, gonnt ihr Zeit

MALWINADer Tag ist nicht mehr weit,

MALWINAWarum so hastig eilen?

MALWI NAAch, laß uns bis morgen verweilen.

RUTHVENMich drangt die Zeit.

DAVENAUT(

zu Ruthven

DAVENAUTSprecht, kann es sein?

DAVENAUTIch willige gern ein,

DAVENAUTSir, laßt uns bis morgen weilen.

RUTHVENIhr wißt, was Pflicht gebeut

RUTHVENIch darf nicht langer weilen.

RUTHVENNimmermehr, es kann nicht sein,

RUTHVENIch habt mir euer Wort gegeben.

RUTHVENWollt ihr es elend brechen?

DAVENAUTHa, wer wagt es, so mit mir zu sprechen?

DAVENAUTAuf denn, zur Trauung fort!

MALWINANein nimmermehr! Ich will'ge niemals ein.

MALWINANicht Liebe, nur Entsetzen

MALWINAFuhl'ich fur diesen Mann.

DAVENAUTHa, du wagst dich zu wiedersetzen?

DAVENAUTHa, Verraterin, wohlan,

DAVENAUTSo treffe dich des Vaters Fluch!

SYSTEMCHOR

DAVENAUTWeh, was ist gescheben?

DAVENAUT(

mit Widerstreben

DAVENAUTAuf, beginnt den Hochzeitszug!

SYSTEMCHOR

DAVENAUTWie nach verderblichem Wettergetose

DAVENAUTLachelt die Freude mit heiterem Blick.

DAVENAUTBlume des Hochlands, du

DAVENAUTDavenaut's Rose winden wir dir

DAVENAUTZum heutigen Fest, usw.

AUBRY(

hinter der Scene

AUBRYVergebens hemmt ihr

AUBRYMeines Wahnsinns Starke!

AUBRYIch muß hinein!

AUBRYZertrummern will ich

AUBRYDieses Damons Werke.

RUTHVENMan muß den Eingang ihm verwehren!

AUBRYHaltet ein!

RUTHVENIch bin verloren, weha mir.

AUBRYWißt, dieses Scheusal der Natur...

RUTHVENAubry, Gedenk an deinen Schwur.

RUTHVENVerderben drohet dir!

AUBRYNicht zag'ich vor des Ew'gen Grimme,

AUBRYLaut ruf'ich es mit Donnerstimme,

AUBRYDies Scheusal hier...

RUTHVENZermalmung bebt durch meine Glieder

Gottes Donner wirft mich nieder

RUTHVENWehe mir!

RUTHVEN(

Es schlangt Eins.

AUBRY(

mit hochster Kraft

AUBRYDies Scheusal hier

AUBRYIst ein Vampyr!

SYSTEMALLE

AUBRYWeh!

AUBRY(

Der Blitz zerschmettert Ruthven, aus der

Erde schlagen Flammen, er versinkt in die

Erde. Alle sturzen betaubt nieder.

SYSTEMCHOR

AUBRYHa, was war das, was ist geschehen hier?

DAVENAUTGott! Mein Kind, welch' Unglück drohte dir!

MALWINAWer Gottesfurcht im frommen Herzen tragt,

MALWINAIm treuen Busen reine Liebe hegt...

AUBRYWer Gottesfurcht...

SYSTEMCHOR

AUBRYWer Gottesfurcht...

DAVENAUTIch hab' verloren meine Vaterrechte,

DAVENAUTGeliebte Tochter, kannst du mir verzeih’ n?

DAVENAUTAuf daß ich sie zurückgewinnen möchte,

DAVENAUTWill ich mit heißem Vatersegen

DAVENAUTJetzt diese Hand in deine legen.

DAVENAUT(

zu Aubnj

DAVENAUTDu sollst mein Sohn und meines Namens

DAVENAUTErbe sein.

MALWINATief im innersten Gemute

MALWINAFuhl ich dankbar deine Gute

MALWINAVater, Worte hab'ich nicht.

AUBRYDarf ich's glauben,

AUBRYDarf ich's hoffen?

AUBRYAch, den Himmel seh'ich offen.

AUBRYDiese Wonne trag'ich nicht.

SYSTEMCHOR

AUBRYPrangend aus des Verderbens Schoß

AUBRYErbluhe euch das schonste Loos.

AUBRYEs steiget aus der finstern Nacht

AUBRYDer Tag empor mit Strahlenpracht.

AUBRYDem Ewigen sei Preis und Dank

AUBRYIhm schalle unser Lobgesang.