Der Vampyr
Marschner, Heinrich
SIR HUMPHREY, Lord von Davenaut (Bass)
MALWINA, seine Tochter (Sopran)
EDGAR AUBRY, ein Anverwandter des Hauses Davenaut (Tenor)
auch als Graf Marsden auftretend
Bariton
RUTHWENSIR BERKLEY (Bass)
RUTHWENJANTHE, seine Tochter (Sopran)
RUTHWENGEORGE DIBDIN, in Davenauts Diensten (Tenor)
RUTHWENJOHN PERTH, Verwalter auf dem Gute des Grafen von Marsden (Sprechrolle)
RUTHWENEMMY, seine Tochter, George Dibdins Braut (Sopran)
RUTHWENJAMES GADSHILL (Tenor)
RUTHWENRICHARD SCROP (Tenor)
RUTHWENROBERT GREEN (Bariton)
RUTHWENTOM BLUNT (Bass)
RUTHWENSUSE, Blunts Frau (Alt)
RUTHWENDer VAMPYRMEISTER (Sprechrolle)
RUTHWENEin HAUSHOFMEISTER Davenauts (Bariton)
RUTHWENEin ALTER DIENER Berkleys (Sprechrolle)
RUTHWENEin DIENER Berkleys (Bass)
CHOREdelherren und Damen - Jäger und Diener Davenauts und Berkleys - Landleute von Davenaut und Marsden
CHORBrautjungfern - Blumenmädchen - Guirlandenmädchen - Musikanten - Aufwärter - Schenkmädchen
CHORGeister - Kobolde - Gnomen - Hexen - Teufelsfratzen - Frösche - Fledermäuse
SYSTEMERSTER AUFZUG
SYSTEMOuverture
SYSTEMNr. 1 - Introduktion
Der Vorhang hebt sich im vierten Takte.
Starre Wildnis, Felsengruppen. In der Mitte vorn ein Felsblock auf einer Versenkung. Rechts vorn ein Felsenlager. Im Hintergrunde der Eingang in eine Höhle. Über der Höhle ein Steinruhelager, welches mit einer Maschinerie zum Erheben eines Menschen versehen ist; auf der linken Seite führt ein Aufgang zu diesem Steinruhelager.
Es ist Nacht, der Mond leuchtet im Hintergrunde halbhell. Kleine Irrlichter flackern hin und her. Die Hexen und Geister erscheinen in einem blauen und grünen Schimmer.
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Geister. Hexen. Gnomen. Kobolde. Teufelsfratzen. Frösche. Fledermäuse. Dann der Vampyrmeister und Lord Ruthwen
im wirren Durcheinander
GEISTERCHORIhr Hexen und Geister,
GEISTERCHORSchlingt fröhlich den Reihn,
GEISTERCHORIhr Hexen und Geister,
GEISTERCHORBald wird unser Meister
GEISTERCHORHier unter uns sein!
Sie bilden in tanzender Bewegung einen Halbkreis
GEISTERCHORWegen grauser Freveltaten
GEISTERCHORWard der Boden hier verflucht,
GEISTERCHORDrum wird er von uns gesucht,
GEISTERCHORDass wir uns auf ihm beraten.
GEISTERCHORLichtscheu in der Mitternacht,
GEISTERCHORWenn nur Angst und Bosheit wacht,
GEISTERCHORSchleichen wir beim Mondenschein
GEISTERCHORIn die finstre Kluft hinein.
GEISTERCHORSchlange, Natter hör' ich zischen,
GEISTERCHORIrrlicht flackert froh dazwischen,
GEISTERCHORMolche, Kröten, schwarze Katzen,
GEISTERCHORKobold, Hexen, Teufelsfratzen
GEISTERCHORKommt und schlingt den muntern Reihn!
GEISTERCHOREul' und Uhu, ihr sollt schrein,
GEISTERCHORKommt und schliesst den muntern Reihn!
GEISTERCHOREul' und Uhu, ihr sollt schrein,
GEISTERCHORJo, hoho! hoho! joho! hoho! hoho!
Die Höhle im Hintergrunde öffnet sich. Der Vampyrmeister und Lord Ruthwen erscheinen aus der Tiefe des Höhlenganges auf einem Wagen in Form einer grossen Fledermaus, beim Näherkommen immer stärker grün und gelb beleuchtet
GEISTERCHORLichtscheu in der Mitternacht,
GEISTERCHORWenn nur Angst und Bosheit wacht,
GEISTERCHORSchleichen wir beim Mondenschein
GEISTERCHORIn die finstre Kluft hinein.
GEISTERCHORIhr Hexen und Geister,
GEISTERCHORSchlingt fröhlich den Reihn,
GEISTERCHORBald wird unser Meister
GEISTERCHORHier bei uns sein, hier bei uns sein!
Kommt und schliesst den muntern Reihn,
GEISTERCHOREul' und Uhu, ihr sollt schrein,
GEISTERCHORJoho, joho, joho! - Joho, joho, joho! -
GEISTERCHORHeissa, heissa, heissa, joho!
Sie stehen plötzlich still
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Vampyrmeister
GEISTERCHORDort nahet der Meister
GEISTERCHORIm falben Feuerschein!
Es beginnt starker Donner und Blitz. Der Wagen hat den Höhleneingang erreicht und kommt nach vorn bis zu dem Felsblock in der Mitte, bei welchem er mit einem starken Tamtamschlage hält. Der Mond verfinstert sich und wird blutrot, ein gelber Schein überflutet die Felsgegend, die blaugrüne Beleuchtung verschwindet.
Der Vampyrmeister wird vom Souffleur aus fahlgrün beleuchtet. Ruthwen und der Vampyrmeister steigen, wenn der Wagen am Felsblock in der Mitte vorn angelangt ist, auf den Felsblock. Gnomen schieben den leeren Wagen langsam in die Höhle zurück. Ruthwen steigt nach rechts Hinunter in den Vordergrund.
SYSTEMMelodram
spricht und zeigt auf Ruthwen
VAMPYRMEISTERDieser hier, der schon verfallen
VAMPYRMEISTERUnserm Dienste ist,
VAMPYRMEISTERWünscht noch eine kurze Frist
VAMPYRMEISTERUnter den freien Menschen zu wallen.
VAMPYRMEISTERSein Begehren sei bewillet,
VAMPYRMEISTERWenn er seinen Schwur erfüllet,
VAMPYRMEISTERWenn bis künft'ge Mitternacht
VAMPYRMEISTEREr drei Opfer uns gebracht:
VAMPYRMEISTERFür drei Bräute, zart und rein,
VAMPYRMEISTERSoll dem Vampyr ein Jahr bewilligt sein!
beschwört den Vampyrmeister, singt
RUTHWENBei der Urkraft alles Bösen
RUTHWENSchwör' ich Euch, mein Wort zu lösen;
RUTHWENDoch fliehet diesen Aufenthalt,
RUTHWENDenn eins der Opfer naht sich bald!
Vampyrmeister versinkt mit dem Felsblock unter Donner, Blitz und aufsteigendem Dampf Das fahle Licht verlischt. Der Mond leuchtet wieder halbhell, ebenso erscheint der blau-grüne Schimmer wieder.
Ruthwen tritt einen Schritt vor und steht bei dem Geisterchor regungslos in der Mitte.
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne den Vampyrmeister
im wirren Durcheinander um Ruthwen
GEISTERCHORLeise, leis', beim Mondenschein
GEISTERCHORHusch, in die Erde, husch, hinein!
GEISTERCHORHusch, tausend Spalten, tausend Ritzen,
GEISTERCHORTausend Spalten, tausend Ritzen
GEISTERCHORDienen uns zum Aufenthalt.
GEISTERCHORLasst uns brütend unten sitzen,
GEISTERCHORBis die Mitternacht erschallt.
GEISTERCHORLeise, leis', beim Mondenschein
GEISTERCHORHusch, husch, in die Erde, husch, hinein!
Sie verschwinden eilig in den Versenkungen, in den Höhlen, hinter den Felsen. Mit dem letzen Akkord schlägt es auf einer fernen Turmuhr Eins und geht es ohne Pause weiter. Lautlose Stille.
Der Mond und die Beleuchtung der Soffitten werden allmählich ganz hell.
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Ruthwen allein
SYSTEMNr. 2 - Rezitativ und Arie
SYSTEMRezitativ
RUTHWENHa! noch einen ganzen Tag!
RUTHWENÜberlang ist diese Zeit! -
RUTHWENZwei Opfer sind mir schon geweiht
RUTHWENUnd das dritte - das dritte ist leicht gefunden.
SYSTEMArie
RUTHWENHa! ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
RUTHWENHa! welche Lust, aus schönen Augen
RUTHWENAn blühender Brust
RUTHWENNeues Leben
RUTHWENIn wonnigem Beben,
RUTHWENHa, neues Leben
RUTHWENIn wonnigem Beben,
RUTHWENMit einem Kusse in sich zu saugen! -
RUTHWENHa! welche Lust,
RUTHWENIn liebendem Kosen,
RUTHWENMit lüsternem Mut
RUTHWENDas süsseste Blut
RUTHWENWie Saft der Rosen,
RUTHWENVon purpurnen Lippen
RUTHWENSchmeichelnd zu nippen! -
RUTHWENUnd wenn der brennende Durst sich stillt,
RUTHWENUnd wenn das Blut dem Herzen entquillt,
RUTHWENUnd wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
teuflisch lachend
RUTHWENhaha!
RUTHWENHaha! Welch Ergötzen! Welch Ergötzen!
RUTHWENWelche Lust! Ha, welche Lust! -
RUTHWENMit neuem Mut, mit neuem Mut
RUTHWENDurchglüht mich ihr Blut;
RUTHWENIhr Todesbeben ist frisches Leben! -
Weich, rührend, mit der Erinnerung an verlorenes Glück
RUTHWENArmes Liebchen, bleich wie Schnee,
RUTHWENTat dir wohl im Herzen weh! -
RUTHWENAch, einst fühlt' ich selbst die Schmerzen
RUTHWENIhrer Angst im warmen Herzen,
RUTHWENDas der Himmel fühlend schuf.
Anklänge des Hexenchors.
RUTHWENEr erschrickt bei den Tönen.
RUTHWENMahnt mich nicht in diesen Tönen,
RUTHWENDie den Himmel frech verhöhnen,
RUTHWENIch verstehe euren Ruf!
wilder stürmend
RUTHWENHa! Ha! welche Lust! Ha, welche Lust!
RUTHWENHa, welche Lust, aus schönen Augen,
RUTHWENAn blühender Brust neues Leben
RUTHWENIn wonnigem Beben,
RUTHWENHa, neues Leben
RUTHWENIn wonnigem Beben
RUTHWENMit einem Kusse in sich zu saugen. -
RUTHWENHa, welche Lust, in liebendem Kosen,
RUTHWENMit lüsternem Mut
RUTHWENDas süsseste Blut
RUTHWENWie Saft der Rosen,
RUTHWENVon purpurnen Lippen
RUTHWENSchmeichelnd zu nippen,
RUTHWENSchmeichelnd, schmeichelnd zu nippen! -
RUTHWENUnd wenn der brennende Durst sich stillt,
RUTHWENWenn dann das Blut dem Herzen entquillt,
RUTHWENUnd wenn sie stöhnen voll Entsetzen, haha!
RUTHWENHaha! Ha! Welch Ergötzen!
RUTHWENHa, welche Lust! Ha, welch Ergötzen!
RUTHWENHa, welche Lust! Ha, welche Lust! Haha!
RUTHWENUnd wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
RUTHWENHa, welch Ergötzen, welche Lust!
RUTHWENUnd wenn der brennende Durst sich stillt,
RUTHWENWenn das Blut dem Herzen entquillt,
RUTHWENUnd wenn sie stöhnen voll Entsetzen,
RUTHWENHaha, haha, welche Lust!
RUTHWENWenn sie stöhnen voll Entsetzen,
RUTHWENWelch Ergötzen, welch Ergötzen, welche Lust!
Er geht zurück, sieht nach links, macht eine Bewegung der Freude; spricht:
RUTHWENHorch, Geräusch, sie ist es! In der Abwesenheit ihrer Eltern wusste ich schlau unter fremdem Namen ihre Liebe zu gewinnen; nun kehrten sie zurück und kündigten ihr an, dass ihre Hand versprochen sei. Ich bewog sie, ihrem Herzen zu folgen und mit mir zu fliehen. Haha, armes Mädchen, dein Herz hat dich garstig betrogen!
Er geht ab nach links und kehrt mit Janthe zurück
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Ruthwen, Janthe zu seiner Linken
RUTHWENSeh ich dich endlich, meine süsse Janthe! Ach, verzeihe, wenn ich schon an deiner Liebe zweifelte.
JANTHEAch, die Angst hat mich entkräftet. Sie sinkt in seine Arme. Erst nach Mitternacht konnte ich das Haus verlassen. Die Zubereitungen zum festlichen Empfang des Lord Mersey, der morgen mit dem Frühesten erwartet wird, beschäftigten Vater, Mutter und das ganze Haus bis spät in die Nacht.
RUTHWENO so war es die höchste Zeit! Morgen schon wärst du auf ewig für mich verloren gewesen. Du, die Braut eines andern! Du, die mein Herz so zärtlich, so unsäglich liebt, du, die Frau eines andern! Ha, der Gedanke könnte mich zum Wahnsinn führen.
JANTHEAch, hätte ich meinem Vater deine Liebe geschildert, ihm gesagt, wie gut du bist, wie sehr mein Herz an dir hängt; ach, auch er ist ja so gut, er hätte mir gewiss verziehen und meine Liebe zu dir gebilligt. Warum hattest du mir auch verboten, gleich bei der Zurückkunft meiner Eltern der freudigen Regung meines kindlichen Herzens zu fol gen.
RUTHWENKannst du mir die Besorgnis meiner Liebe zum Vorwurf machen? Er, der geschworene Feind meines Hauses, nie hätte er in den Bund unsrer Herzen gewilligt, und seine Weigerung wäre mein Todesurteil gewesen.
Du kennst ihn nicht; kein Hass steht so fest in seinem Herzen, dass ihn die Liebe zu seiner einzigen Tochter nicht entwurzelt hätte. Ach, und heimlich konnte ich ihn verlassen, mit Tränen wird er am Morgen sein Kind suchen und nicht finden. Sie wendet sich weinend von ihm.
SYSTEMNr. 3 - Duett
JANTHETeurer Eltern einz'ge Freude,
JANTHELohn' ich sie mit herbem Leide,
JANTHEDie zu ehren süsse Pflicht.
JANTHEAch! Ich muss sie ja betrüben,
JANTHEDenn es zwingt mich, dich zu lieben,
JANTHEWas Vernunft dagegen spricht.
tritt zu Janthe und umarmt sie
RUTHWENFühl' an meines Herzens Schlagen,
RUTHWENMehr als ich vermag zu sagen,
RUTHWENDass ich dein auf ewig bin;
RUTHWENNimmer werd' ich dich betrüben,
RUTHWENEwig, ewig dich zu lieben,
RUTHWENSchwör' ich dir mit treuem Sinn.
sinkt an seine Brust
JANTHEAch, ich muss sie ja betrüben,
JANTHEDenn es zwingt mich, dich zu lieben,
JANTHEWas Vernunft dagegen spricht.
JANTHESo bist du, Teurer, mein auf ewig,
JANTHEUnd ewig, Teurer, bin ich dein!
JANTHEAch, Liebe, Liebe nur macht selig,
JANTHEMein Leben weih ich dir allein!
RUTHWENNimmer werd' ich dich betrüben,
RUTHWENEwig dich zu lieben,
RUTHWENSchwöre ich mit treuem Sinn!
RUTHWENJa, Teure, dein bin ich auf ewig,
RUTHWENUnd ewig, Teure, bist du mein!
RUTHWENAch, Liebe, Liebe nur macht selig,
RUTHWENMein Leben weih ich dir allein!
JANTHESo bist du, Teurer, mein auf ewig!
RUTHWENJa, Teure, dein bin ich auf ewig!
JANTHEUnd ewig, Teurer, bin ich dein!
RUTHWENUnd ewig, Teure, bist du mein!
JANTHEAch, Liebe, Liebe nur macht selig,
JANTHEMein Leben weih ich ihr allein!
JANTHESo bist du, Teurer, mein auf ewig,
JANTHEAuf ewig, Teurer, bin ich dein! -
RUTHWENAch, Liebe, Liebe nur macht selig,
RUTHWENMein Leben weih ich ihr allein!
RUTHWENJa, Teure, dein bin ich auf ewig,
RUTHWENUnd ewig, Teure, bist du mein! -
JANTHEAls du dich zuerst mir nahtest,
JANTHEBebte ich entsetzt zurück.
RUTHWENWeiss wohl, Liebchen, dass du's tatest,
RUTHWENDoch jetzt lächelt mir dein Blick.
Der Mond dunkelt allmählich und steigt dabei langsam höher, bis er am Ende des Duetts ganz hinter den Felsen links oben verschwunden ist
JANTHEAls du dich zuerst mir nahtest,
JANTHEBebte ich entsetzt zurück!
JANTHEAber wie mit Zaubersbanden
JANTHEZog es später mich zu dir. -
JANTHEJa, ich folg' dem innern Drange,
JANTHEMeinem Herzen folge ich.
beiseite
JANTHEEwig, ewig ist er mein!
Liebe lacht aus seinen Augen;
JANTHEO wie glücklich werd' ich sein!
RUTHWENWeiss wohl, Liebchen, dass du's thatest,
RUTHWENDoch jetzt lächelt mir dein Blick!
beiseite
RUTHWENHa, ihr ist im Herzen bange,
RUTHWENArmes Mädchen, dauerst mich.
laut
RUTHWENUnsre Herzen, die sich fanden,
RUTHWENSind der Zauber, glaube mir. -
beiseite
RUTHWENHa, ihr ist im Herzen bange,
RUTHWENArmes Mädchen, dauerst mich.
beiseite
RUTHWENDoch Triumph! jetzt ist sie mein;
RUTHWENUnd ihr süsses Blut zu sangen,
RUTHWENWelche Wollust wird das sein!
Sie umarmen sich. Der Mond ist verschwunden. Ruthwen und Janthe fliehen beim ersten Hornruf nach hinten in die Höhle. Jäger mit Hörnern, Diener und Landleute mit Fackeln kommen, nach allen Seiten hin suchend, von links.
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Jäger. Diener. Landleute
SYSTEMNr. 4 - Chor mit Soli
ausserhalb
CHORWo kann sie sein? -
auftretend
CHORWo kann sie sein?
CHORBeim Fackelschein
CHORDurchsucht den Wald,
CHORRuft Echo wach,
CHORDass tausendfach
CHORMit Hörnerschall
CHORAllüberall
CHORDie Stimme widerhall'.
CHORJanthe! Janthe! - Janthe! -
Alle horchen gespannt, bis das Echo geantwortet hat. Sir Berkley kommt mit einem alten Diener und mit vier Fackelträgern von links vorn. Starker Mondschein beleuchtet die Felsen auf der rechten Seite.
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Berkley in der Mitte. Die Andern zurückstehend. Dann die Stimmen von Janthe und Ruthwen.
SYSTEMRezitativ
BERKLEYWeh, mein Kind! In welcher Wildnis mag es irren?
BERKLEYWeh, mein Kind, mein Kind! weh, mein Kind!
BERKLEYIn später Mitternacht vermiss' ich es im Hause.
BERKLEYSicher haben Räuber sie entführt.
zu seiner Umgebung
BERKLEYWer ihre Spur entdeckt, ich schwör' es euch,
BERKLEYIhm wird des Vaters heisser Dank und grosser Lohn.
um sich blickend
BERKLEYDoch wehe! welchen Ort betraten wir?
Er zeigt nach hinten auf die Höhle
BERKLEYHier hausen böse Geister seit Jahrhunderten,
leise
BERKLEYDie Vampyrhöhle nennt ihn das Volk.
sieht sich entsetzt und ängstlich um, unruhig hin und her eilend
CHORWeh! die Vampyrhöhle!
CHORSchnell hinweg mit leisem Tritt!
sich mit Teilnahme Berkley nähernd
CHORArmer Vater! Armer Vater!
Sie beginnen, sich nach links zurückzuziehen
CHORNur schnell hinweg! Nur schnell hinweg!
CHORNur schnell hinweg mit leisem Tritt!
CHORWo mag sie sein? Hier ist sie nicht!
CHORJa, hier verlor sich ihre Spur!
CHORAch, armer Vater, armer Vater, armer Vater,
CHORNimmer siehst du Janthen wieder,
CHORHier verlor sich ihre Spur.
CHORDrum schnell hinweg mit leisem Tritt,
CHORNur fort von hier, nur fort von hier!
CHORDrum schnell hinweg mit leisem Tritt!
CHORNur fort von hier, nur fort von hier,
CHORFort mit leisem Tritt!
Berkley vermag sich kaum noch aufrecht zu erhalten. Der alte Diener reicht ihm den Arm zur Stütze. Alle wenden sich nach links zum Abgang
in grellem Aufschrei in der Höhle
JANTHEWeh' mir!
ebenso, mit triumphierendem Hohngelächter
RUTHWENHaha!
wie oben
JANTHEWeh' mir!
ebenso
RUTHWENHaha!
Alle kehren entsetzt um und eilen zurück
CHORWelch' Geschrei!
auf die Höhle hinten zeigend
CHORDort kam es her!
wie oben
JANTHEWeh!
BERKLEYDas war meines Kindes Stimme,
BERKLEYRettet mir ihr teures Leben!
Die Jäger und die Diener mit den Fackeln eilen in die Höhle hinein
BERKLEYWeh' mir! Meine Kräfte schwinden!
Er wankt. Der alte Diener stützt ihn
BERKLEYAngst und Freude macht mich beben;
BERKLEYWie werd' ich sie wiederfinden!
Er ermannt sich und will zur Höhle. Einige Diener kommen mit Lord Ruthwen, den sie fest gepackt halten und der sich mit aller Macht dagegen sträubt, von dort zurück. Einige Jäger folgen. Die sonstigen Abgegangenen bleiben in der Höhle bei Janthe zurück. Der Vordergrund wird allmählich von blauem Licht überflutet, dann verbreitet sich schwacher Mondschein über die obersten Felsenspitzen.
SYSTEMACHTER AUFTRITT
Ruthwen, Berkley zu seiner Linken. Die Andern zurückstehend
zieht ergrimmt beim Anblick Ruthwens seinen Degen
BERKLEYFrecher Räuber meines Kindes,
BERKLEYHier nimm deiner Taten Lohn.
Er dringt auf Ruthwen ein und verwundet ihn tödlich. Ruthwen sinkt auf dem Felsenlager rechts vorn zusammen
in der Höhle
DIE ZURÜCKGEBLIEBENENSie ist tot!
BERKLEYWie? Mein Kind ermordet?
BERKLEYMein Kind ermordet!
Er will zur Höhle. Jäger und Diener kommen ihm entgegen
EIN DIENERArmer Vater! Weh! Entsetzen!
EIN DIENERBrust und Nacken deiner Tochter
EIN DIENERSind voll Blut. Gift'ger Zähne Spuren
EIN DIENERVerraten das Entsetzliche!
EIN DIENERSie ward zum Opfer dem Vampyr!
aufs höchste erschreckt
ALLEEin Vampyr! Ein Vampyr! Weh, ein Vampyr!
Sie stürzen nach links davon. Berkley ebenso, geführt von seinem alten Diener. Ruthwen bleibt allein zurück. Der Mondschein beleuchtet nur noch die oberen Felsenspitzen im Hintergrunde
SYSTEMNEUNTER AUFTRITT
Ruthwen allein
SYSTEMRezitativ
sich mühsam aufrichtend
RUTHWENWeh mir! Meine Kräfte weichen!
RUTHWENMüssig wird die Zeit verstreichen,
RUTHWENKann ich nicht die Höh' erreichen,
RUTHWENUm dort sterbend mit den Augen
RUTHWENMondesstrahlen einzusaugen,
RUTHWENDie mir neue Kräfte geben zum Leben. Schrecklich!
RUTHWENSchrecklich! Allgerechter! Alles, alles öd und leer,
RUTHWENGrause Stille ringsumher! -
RUTHWENNur der Hölle Hohngelächter
RUTHWENMuss ich hören!
Er sinkt zurück. Edgar Aubry kommt mit dem Hörnereinsatz von links
SYSTEMZEHNTER AUFTRITT
RUTHWENRuthwen auf dem Felsenlager rechts vorn, Aubry zu seiner Linken.
toch nicht sichtbar, spricht:
AUBRYIst denn nirgends ein Ausweg zu finden? Er kommt von links. Ein freier Platz ist hier, aber nach welcher Seite wende ich mich nun?
Ruthwen macht eine Bewegung
AUBRYStill, dort regt sich etwas.
Er tritt näher. Die Musik endet
mit der Stimme eines tödlich Verwundeten
RUTHWENWohl mir! Ich höre eines Menschen Stimme! Wer du auch sein magst -
AUBRYHa, ein Verwundeter liegt hier am Boden.
RUTHWENWer du auch sein magst, habe Mitleid -
AUBRYWelche Stimme?
Er steht nun Ruthwen ganz nahe
AUBRYWas seh' ich! Täuscht des Mondes matter Schimmer mein Auge nicht, so bist du Ruthwen!
RUTHWENAubry, du bist's? Mein Engel sendet dich; ich ward hier von Räubern überfallen.
AUBRYGott! Teurer Freund, was kann ich für dich tun? Ist deine Wunde tödlich? Ist dir zu helfen?
der mit Aubrys Hilfe sich ein wenig erhoben hat
RUTHWENNein, menschliche Hilfe kommt zu spät - und doch - Aubry - wenn ich je dein Freund war - leiste mir einen wichtigen Dienst.
AUBRYO rede, was kann ich für dich tun? Du warst einst der Retter meines Lebens, o dass ich dir vergelten, dass ich mein Leben für das deine opfern könnte.
RUTHWENNein, für mein Leben ist nichts mehr zu tun, aber - Aubry - ich bitte dich -
AUBRYZögere nicht, es auszusprechen! Was ist's? Soll ich deinen Tod rächen? Hast du jene Räuber erkannt?
RUTHWENNein, das ist es nicht, was ich von dir begehre! Schmerzhaft zusammenzuckend und niedersinkend. O!
AUBRYSo rede denn, was ist's! Was kann ich für dich tun? Welch seltsame Unruhe in deinem ganzen Wesen - lebt irgend jemand, um den du besorgt bist? Drückt irgend eine schwere Schuld dein Gewissen? - Rede, was ist's?
erhebt sich ein wenig
RUTHWENNichts von allem - ich bitte dich nur - Aubry - leite mich hinauf auf jene Felsen
Er zeigt nach dem Steinlager über der Höhle
RUTHWENund lege mein Gesicht so - dass die Strahlen des Mondes - mir in die Augen dringen.
AUBRYSeltsam - und was soll?
von einem Gedanken erfasst
AUBRYHa, welche Ahnung! Man sagt, dass jene fürchterlichen Geschöpfe -
RUTHWENStill! Vollziehe meine Bitte!
AUBRYSo wär es wahr, was man in London mir gesagt? Entsetzlicher! Du wärst ein V -
rafft sich gewaltsam halb in die Höhe
RUTHWENHalt ein, Unglückseliger, vollende nicht! In jener Stunde, da ich dein Leben rettete, gelobtest du, für mich zu tun, was ich von dir verlangte. Wohl, so erfülle jetzt, um was ich dich bat, und schwöre mir zuvor, alles, was du von mir weisst, oder noch erfahren, oder auch nur ahnen magst, zu verschweigen.
Aubry zögert
RUTHWENNur vierundzwanzig Stunden!
AUBRYRuthwen!
heftig
RUTHWENSchwöre! Schwöre bei allem, was dir heilig ist, bei deiner Seele Seligkeit!
AUBRYDu warst der Retter meines Lebens - wohlan, ich schwöre!
Er erhebt die Hand zum Schwur
RUTHWENUnd verflucht seist du in den Abgrund der Hölle, alle Strafe des Meineids laste zehnfach auf deiner Seele, wenn du den Schwur brichst! Verflucht seist du, und wer dir angehört! Verflucht sei, was du liebst, und was dich liebt! Schwöre mir!
wie oben
AUBRYIch schwöre!
durchschauert
AUBRYEntsetzlich!
SYSTEMNr. 5 - Melodram. Begleitendes Musikstück
RUTHWENAh! - So - nun will ich ruhig mein Schicksal erwarten. - Leite mich hinauf.
Er erhebt sich mühsam unter Aubrys Beihilfe. Der von links hereinfallende Mondschein wird heller.
Aubry leitet Ruthwen langsam, indem er die linke Hand auf seinen Nacken legt, über den Aufgang links zu dem Steinlager über der Höhle, ist ihm beim Niederlegen auf die Maschine behilflich, und zwar so, dass von links her die Strahlen des Mondes auf Ruthwens Gesicht fallen; dann entflieht er entsetzt nach links.
Grellheller Mondschein, grosser und voller Beleuchtungseffekt. Der Vordergrund bleibt dunkel.
RUTHWENRUTHWEN's
Züge beginnen sich zu regen, er richtet sich durch die Maschine neubelebt unter dem Einfluss der Mondstrahlen auf, erhebt malerisch den Mantel gegen den Mond, so dass die Maschine ungesehen sich wieder senkt und atmet tief auf.
RUTHWENAh!
SYSTEMZWEITER AUFZUG
SYSTEMNr. 6 - Szene und Arie
Der Vorhang öffnet sich im sechzehnten Ein Saal im Schlosse des Lord von Davenaut.
Mitteltür. Eine Seitentür rechts. Ein Fenster links, durch welches eine Berglandschaft sichtbar ist. Rechts und links Tische und Sessel mit hohen Lehnen; die Tische mit schweren. Es ist Tag.
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Malwina allein
Malwina kommt frohbewegt von rechts, geht an das Fenster links und öffnet es. Es zeigt sich die Berglandschaft in Morgenröte, die bald in hellen Tag übergeht.
SYSTEMRezitativ
Heiter lacht die goldne Frühlingssonne
MALWINAAuf die buntgeschmückte neubelebte Flur.
MALWINAAch, alles, was ich sehe, ist der Abglanz nur
MALWINAVon meines Herzens nie geahnter Wonne!
voll freudigen Gefühls, aber ohne Leidenschaft
MALWINADie Flur im bunten Festgeschmeide,
MALWINADer Baum im duft'gen Blütenkleide,
MALWINADer Vögel Chor, der mich umklingt
MALWINAUnd jubelnd auf zum Himmel dringt,
MALWINAAch, alles jauchzt und teilt mein Glück!
MALWINAHeute wogt es in mir auf und nieder,
MALWINAJa, „heute“ schallt's von aussen wieder!
MALWINAJa, heut'! heut'! heut'! ja, heut'! ja, heut'!
MALWINAa, heut' kehrt der Teure dir zurück! -
Hochbeglückt kniet sie nieder und betet mit gefalteten Händen
MALWINAO schwing' auch du, mein liebend Herz,
MALWINADich dankerglühend himmelwärts
MALWINAUnd in dem Lust- und Freudendrang
MALWINALall' deines Schöpfers Lobgesang.
MALWINAVater, du im Himmel droben,
MALWINADu, den alle Welten loben,
MALWINAVater, du im Himmel droben,
MALWINAHör' auch deines Kindes Stimme! -
Sie steht auf und horcht
MALWINAStill! wer naht sich dort der Pforte?
Sie tritt ans Fenster links
MALWINAEr sieht herauf, es ist sein Blick!
Sie zieht ein Tuch hervor und winkt
MALWINAEr ist's, er ist es! Edgar! Edgar! Er ist's! -
MALWINAAch, verzeihe mir die Sünde,
MALWINAWenn aus freudetrunkner Brust
MALWINAIch zum Dank nicht Worte finde
MALWINAIn dem Übermass der Lust.
MALWINANichts kann ich fühlen als dies Glück,
MALWINAEs kehrt der Teure mir zurück! -
Sie wendet sich mit nach oben gerichteten Blicken nach der Mitte
MALWINAO Gott, verzeihe mir die Sünde
MALWINAWenn aus freudetrunkner Brust
MALWINAIch zum Dank nicht Worte finde
MALWINAIn dem Übermass der Lust.
Sie eilt ab durch die Mitte, Aubry entgegen. Edgar Aubry und Malwina kommen zwei Takte vor dem Einsatz in freudiger Hast durch die Mitte
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Aubry, Malwina zu seiner Linken
SYSTEMNr. 7 - Duett
Beide treten in Umarmung nach vorn
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
BEIDEDu bist's, es ist kein Traum!
AUBRYDu bist's!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
BEIDEAch, dieses Glück, ich fass' es kaum!
AUBRYBist du es wirklich?
MALWINABist du es wirklich?
AUBRYSeh ich dich wieder!
MALWINASeh ich dich wieder!
AUBRYFreude des Himmels strömt auf mich nieder!
MALWINAFreude des Himmels strömt auf mich nieder!
BEIDEBist du es wirklich, seh ich dich wieder!
MALWINAFreude des Himmels strömt auf mich nieder!
BEIDEFreude des Himmels strömt auf mich nieder!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
BEIDEDu bist's, es ist kein Traum!
AUBRYDu bist's!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
MALWINADu bist's!
AUBRYDu bist's!
BEIDEAch, dieses Glück, ich fass' es kaum!
MALWINAAch, dieses Glück, ich fass' es kaum!
MALWINADu bist es wirklich? Ist's kein Traum?
MALWINAAch, dieses Glück, ich fass' es kaum!
AUBRYBist du es wirklich, ist's kein Traum?
AUBRYAch, dieses Glück, ich fass' es kaum! -
AUBRYAch, entfernt vom Heimatlande,
AUBRYStand ich klagend oft und sandte
AUBRYSeufzend sehnsuchtsvolle Blicke
AUBRYNach des Hochlands Bergen hin.
MALWINAWenn im Hause nichts mehr wachte,
MALWINANur der Mond durchs Fenster lachte,
MALWINAräumt' ich mich zu dem Geliebten
MALWINAVon des Hochlands Bergen hin.
BEIDEWenn in trüben Dämmerstunden
BEIDESüsse Wehmut ich empfunden,
BEIDETräumt' ich mich zu der (dem) Geliebten
BEIDENach (von) des Hochlands Bergen hin.
AUBRYDoch die Zeit ist nun verschwunden,
AUBRYHeiter glänzt der Liebe Glück!
BEIDEDenn es führten mich die Stunden
BEIDEZu der (dem) Teuren ja zurück!
MALWINADoch die Zeit ist nun verschwunden,
MALWINAHeiter glänzt der Liebe Glück!
AUBRYDenn es führten mich die Stunden
AUBRYZu der Teuren ja zurück!
BEIDEDenn es führten mich die Stunden
BEIDEZu der (dem) Teuren ja zurück!
MALWINAZu dir!
AUBRYZu dir!
MALWINAZu dir!
AUBRYJa, zu dir!
MALWINAZu dir! -
BEIDEDu bist's, du bist's!
BEIDEDu bist's, du bist's, es ist kein Traum,
BEIDEAch, dieses Glück, ich fass' es kaum!
spricht
MALWINAUnd schon am frühen Morgen bist du hier?
AUBRYAbends spät kam ich in Schellborn an, mein Pferd war so entkräftet, dass es die drei Meilen bis hierher nicht mehr machen konnte, da entschloss ich mich, die Nacht durch zu gehen, um heute der erste zu sein, der dir seinen herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtsfeste mit dem frühesten Morgen darbringt.
MALWINAO Edgar, ich bin so froh! Mein Vater spricht seit einiger Zeit mit so viel Achtung von dir. Seit du das für ihn so wichtige Geschäft in London über alle Erwartung glücklich beendet, sieht er in dir nicht mehr den unbedeutenden Jüngling, für den er dich hier immer hielt. Noch vor einigen Tagen sagte er: „Schade, dass mir nicht ein solcher Sohn geworden, er würde den Glanz des alten Hauses Davenaut erhalten!“
AUBRYAch, Malwina, ich sehe darin nur die Sorge um den Glanz seines alten Hauses; nur dass ich mit diesem weitläufig verwandt bin, gibt mir in seinen Augen einigen Wert. Glaube mir, nie wird er mir, dem unbedeutenden Jüngling, die Hand seiner einzigen Tochter geben.
MALWINANein, ich fürchte nun nichts mehr; ich glaube, er ahnt unsere Liebe und billigt sie. Bedeutungsvoll haftet oft sein Blick auf mir, und er scheint mein Geständnis zu erwarten. Als du ihm die Nachricht sandtest, dass die grossen Besitzungen der Grafschaft Schellborn nun unangefochten sein Eigentum blieben, küsste der sonst so strenge Vater meine Stirn, und gerührt und voll Liebe sprach er zu mir: „Dich glücklich zu sehen, meine Tochter, sei jetzt meine einzige Sorge“.
AUBRYAch, nur Rang und Reichtum ist sein Glück, und ich selbst habe die Hindernisse vermehrt, die mich nun auf ewig von dir trennen.
MALWINAO trübe nicht durch deinen Zweifel meine frohe Hoffnung. Noch heute, an meinem Geburtstage, wenn mein Vater wie gewöhnlich mir die Gewährung jeder Bitte verspricht, will ich ihm zu Füssen sinken und das Geheimnis unsrer Liebe entdecken. - Still, er kommt!
Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt durch die Mitte
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Aubry rechts. Davenaut in der Mitte. Malwina links
eilt Davenaut entgegen
MALWINAVater! Vater! Edgar ist zurück!
DAVENAUTSir Aubry, seid mir herzlich willkommen!
Er reicht Aubry die Hand
DAVENAUTEinen wichtigen Dienst habt Ihr dem Hause Davenaut geleistet. Doch was Ihr tatet, fällt auf Euch selbst zurück.
für sich
MALWINAWas hör' ich!
fortfahrend
DAVENAUTDenn auch Ihr seid ein Sprosse dieses erlauchten Hauses, und je grösser Glanz und Reichtum des Lords, je mehr Ruhm und Ehre für alle Glieder des Stammes. Doch fühl' ich mich Euch sehr verpflichtet, nehmt meinen Dank und Euer Glück sei künftig Eures Vaters Sorge.
AUBRYSir, diese Güte -!
Er küsst seine Hand
MALWINAO mein Vater!
DAVENAUTMeine Tochter!
Er umarmt sie feierlich und führt sie etwas nach links hinüber
DAVENAUTWohl habe ich oft gemurrt, dass mir kein Sohn geboren, dass der Name Davenaut, seit Jahrhunderten einer der edelsten in Schottland, mit mir aussterben soll. Komm an mein Herz, geliebte Tochter! Der Tag, der dich mir heut' vor achtzehn Jahren gab, er wird auch heut' durch dich mir einen Sohn geben, wert meines Hauses, deiner Liebe wert.
MALWINAMein Vater!
DAVENAUTIch habe längst bemerkt, was mir dein Mund verschwiegen; besorglich schien dein scheuer Blick mich oft zu fragen, soll ich allein dastehn, wenn mich mein Vater einst verlässt? Erraten hab' ich deinen Wunsch, und deiner Bitte komme ich zuvor, ich grüsse dich als Braut.
MALWINAO mein Vater, diese Güte
Sie wirft sich in seine Arme
nach einer Pause
DAVENAUTIhr steht so fern, Sir Aubry? Nehmt Ihr nicht teil an unserer Freude?
eilt freudig zu Davenaut
AUBRYO Gott! Wär's möglich? Dürft' ich hoffen?
DAUVENAUTGlaubt Ihr, ich wolle Euer Schuldner bleiben? Zwar seit Ihr meinem Hause nur fern anverwandt, doch Ihr seid ihm verwandt, dieses genügt mir, und ich versprach, für Euer Glück zu sorgen. Edelmut ist die angeerbte Tugend jedes hochländischen Edelmanns und der Name meines Schwiegersohns, er sei Euch Bürge, dass er stets in meinem Geiste handeln wird: Es ist der Graf von Marsden!
Aubry und Malwina treten entsetzt von Davenaut zurück
SYSTEMNr. 8 - Terzett
ausser sich
MALWINAWie? Mein Vater!
beiseite
AUBRYWeh, verloren!
DAVENAUTJa, es ist der Graf von Marsden.
MALWINAWie? Mein Vater!
beiseite
AUBRYWeh, verloren!
DAVENAUTJa, ja, es ist der Graf von Marsden,
DAVENAUTDen ich mir zum Sohn, zum Sohn erkoren.
MALWINAWie, wer ist's?
AUBRYWie, wer ist's?
MALWINADer Graf von Marsden?
AUBRYDer Graf von Marsden?
MALWINADer Graf von Marsden?
DAVENAUTJa, ja, es ist der Graf von Marsden,
DAVENAUTDen ich mir zum Sohn erkoren!
für sich
DAVENAUTHa, die Wahl scheint sie zu freuen!
MALWINAWie, mein Vater! Wie, wer ist's?
AUBRYWeh, verloren! Weh, verloren! Weh, verloren!
beiseite
MALWINAAch, mein Glück war nur ein Traum,
MALWINAMusst' er mich so schnell verlassen?
MALWINAWeh, dies Unglück ganz zu fassen,
MALWINAHat mein armes Herz nicht Raum!
für sich
DAVENAUTHa, die Wahl scheint sie zu freun!
laut
DAVENAUTJa, er ist an Rang und Adel,
DAVENAUTWie durch Sitten ohne Tadel,
DAVENAUTWert ein Davenaut zu sein! -
knieend
MALWINASieh mich hier zu deinen Füssen;
MALWINAVater, kannst du mir verzeihn?
MALWINAVater, ach, dem Grafen Marsden
MALWINAKann ich nimmer Gattin sein!
DAVENAUTWie, was hör' ich? Ha, ist's möglich!
MALWINADieses Herz -
DAVENAUTWie?
MALWINAHat schon gewählt.
DAVENAUTHa! Ist's möglich!
MALWINAAch, ich fühl's, ich hab' gefehlt,
MALWINADass ich's dir bis jetzt verschwiegen.
DAVENAUTWer ist der Verwegne? Sprich!
knieend
AUBRYSieh ihn hier im Staube liegen!
DAVENAUTHa, vor Zorn kaum halt' ich mich!
DAVENAUTWie, Verworfner! dürft Ihrs wagen,
DAVENAUTDies ins Antlitz mir zu sagen?
flehend
AUBRYAch, seit meiner Kindheit Tagen
AUBRYHat dies Herz für sie geschlagen,
AUBRYEure Tochter zu beglücken
AUBRYSoll mein einzig Streben sein!
DAVENAUTFort, ihr fleht vergebens, fort! -
DAVENAUTMir ins Antlitz dies zu sagen! -
DAVENAUTHa, Verwegner, dürft Ihr's wagen? -
DAVENAUTHa, vor Zorn kaum halt' ich mich!
DAVENAUTWie, Verwegne, dürft ihr's wagen,
DAVENAUTDies ins Antlitz mir zu sagen! Fort!
flehend
MALWINAAch, seit meiner Kindheit Tagen
MALWINAHat dies Herz für ihn geschlagen,
MALWINAHabe Mitleid, deine Tochter
MALWINAKann mit ihm nur glücklich sein!
DAVENAUTIhr fleht vergebens!
MALWINAVater!
DAVENAUTFort, ihr fleht vergebens -
DAVENAUTDenn der Graf, er hat mein Wort!
AUBRYHabt Mitleid!
MALWINAO Vater!
DAVENAUTUnd noch niemals ward gebrochen,
DAVENAUTWas ein Davenaut versprochen!
MALWINAO mein Vater - habe Mitleid!
MALWINAHabe Mitleid, deine Tochter
MALWINAKann mit ihm nur glücklich sein!
Aubry und Malwina erheben sich
für sich
MALWINAAch! Sein Zorn raubt mir für immer
MALWINAJeden leisen Hoffnungsschimmer.
MALWINAWehe mir, sein stolzer Sinn
MALWINAGibt mich der Verzweiflung hin.
für sich
AUBRYNimmer wird es mir gelingen,
AUBRYSeinen Hochmut zu bezwingen -
AUBRYWehe mir! Sein stolzer Sinn
AUBRYGibt mich dem Verderben hin.
für sich
DAVENAUTNein, des Vaterherzens Schwächen
DAVENAUTDürfen meinen Stolz nicht brechen;
DAVENAUTDieses Herz erfülle ganz
DAVENAUTMeines Hauses Ruhm und Glanz!
für sich
AUBRYNimmer wird es mir gelingen,
AUBRYSeinen Hochmut zu bezwingen!
AUBRYWehe mir, sein stolzer Sinn
AUBRYGibt mich dem Verderben hin!
AUBRYAch, sein Stolz raubt mir für immer
AUBRYJeden leisen Hoffnungsschimmer.
AUBRYWehe mir, sein stolzer Sinn
AUBRYGibt mich dem Verderben hin!
Er steht abgewendet rechts
für sich
DAVENAUTNein, des Vaterherzens Schwächen
DAVENAUTDürfen meinen Stolz nicht brechen;
DAVENAUTDieses Herz erfülle ganz
DAVENAUTMeines Hauses Ruhm und Glanz!
für sich
MALWINAAch, sein Zorn raubt mir für immer
MALWINAJeden leisen Hoffnungsschimmer.
MALWINAWehe mir, sein stolzer Sinn
MALWINAGibt mich der Verzweiflung hin!
Sie wankt zu einem Sessel links und nimmt dort Platz. Trompetenruf ausserhalb. Der Diener George Dibdin kommt durch die Mitte
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. George zwischen Aubry und Davenaut
meldend
GEORGEGnäd'ger Herr, der Graf von Marsden
GEORGERitt soeben durch das Tor,
GEORGEUnd des Dorfes muntre Jugend
GEORGENaht vereint im heitern Chor,
GEORGEEure Tochter zu begrüssen
GEORGEHeut' an ihrem Wiegenfeste.
DAVENAUTFühre denn die muntern Gäste
DAVENAUTIn den Saal zu meiner Tochter.
Er geht ab nach rechts. George öffnet die Mitteltür, winkt hinaus und geht dann durch die Mitte ab
SYSTEMNr. 9 - Finale
Der Chor der Landleute tritt paarweise mit dem Beginn des Allegretto giocoso rasch durch die Mitte ein und stellt sich rechts auf. Das Ballett folgt und nimmt vor den Landleuten Aufstellung.
Alle sind mit Blumen geschmückt und tragen Kränze und Sträusse in den Händen. Zwölf Jäger kommen während des Chores mit Fahnen und grünen Zweigen an den Armbrüsten, George an ihrer Spitze, und nehmen vor der Mitteltür Aufstellung.
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Aubry rechts. Malwina auf dem Sessel links. Die Landleute und das Ballett auf der rechten Seite. George mit den zwölf Jägern vor der Mitteltür
SYSTEMChor und Ballett
zu Malwina gewendet
ALLE LANDLEUTEBlumen und Blüten im Zephirgekose,
ALLE LANDLEUTELieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
ALLE LANDLEUTEBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
ALLE LANDLEUTEWinden wir dir zu dem heutigen Fest.
ALLE LANDLEUTEBlumen und Blüten im Zephirgekose,
ALLE LANDLEUTEWinden wir dir zu dem heutigen Fest!
treten vor und ziehen an Malwina vorbei, in die alte Stellung zurück
VIER PAAR LANDLEUTEMöchte die Zukunft die heitersten Lose,
VIER PAAR LANDLEUTERosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
VIER PAAR LANDLEUTEBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
VIER PAAR LANDLEUTEWie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn.
Das Ballett nimmt die Kränze und Sträusse ab und legt sie auf den Tisch links neben Malwina
ALLEMöchte die Zukunft die heitersten Lose,
ALLERosen gleich dir auf den Lebenspfad streun,
ALLEBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
ALLEWie wir heut' Blumen und Blüten dir weihn!
VIER PAAR LANDLEUTEWie nach verderblichem Wettergetose
VIER PAAR LANDLEUTELächelt die Rose mit freundlichem Blick,
VIER PAAR LANDLEUTEBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
VIER PAAR LANDLEUTEWende sich jede Gefahr dir zum Glück.
VIER PAAR LANDLEUTEBlumen und Blüten im Zephirgekose,
VIER PAAR LANDLEUTELieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
VIER PAAR LANDLEUTEBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
VIER PAAR LANDLEUTEWinden wir dir zu dem heutigen Fest.
VIER PAAR LANDLEUTEBlumen und Blüten im Zephirgekose
VIER PAAR LANDLEUTEWinden wir dir zu dem heutigen Fest!
Die Seitentür rechts öffnet sich
nach rechts weisend
GEORGESeht, dort naht der Schwiegersohn
GEORGEAn der Hand des alten Herrn,
dringender zu den Landleuten
GEORGEStimmt an das Lied, ihr wisst ja schon,
GEORGEDas der Alte hört so gern!
ärgerlich
GEORGEStimmt an das Lied, ihr wisst ja schon.
GEORGEDas der Alte hört so gern!
GEORGENun stimmt an das Lied!
GEORGENun, ihr wisst ja schon!
frisch und munter
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTESinget laut und jubelt froh,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEDass es tönt durchs ganze Land,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil dem Hause Davenaut,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil jedem, der mit ihm verwandt;
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEWas fest wie unsre Berge steht,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEWas mit der Welt nur untergeht,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEWas an Glanze der Krone nicht weichet,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEWas der Sonne gleich pranget und leuchtet,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTESinget laut und jubelt froh,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEDass es tönt durchs ganze Land,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil dem Hause Davenaut,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil jedem, der mit ihm verwandt,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil, Heil, Heil, Heil dem Hause Davenaut,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil, Heil, Heil jedem, der mit ihm verwandt. -
Sir Humphrey, Lord von Davenaut kommt bei dem Trompeteneinsatz mit Lord Ruthwen von rechts. Zwei Diener folgen und bleiben am Eingang stehen. Das Ballett ist bis zum Eingang zurückgetreten
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Aubry abgewendet rechts. Ruthwen und Davenaut in der Mitte. Malwina am Tisch links. Die Landleute rechts zurückstehend. Die Jäger mit George vor der Mitteltür. Das Ballett vor den Jägern. Die beiden Diener an der Tür rechts
Malwina erhebt sich
schwenkt die Fahnen und Hüte
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil! - Heil! - Heil! - Heil,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil jedem, der mit ihm verwandt!
Sie bilden einen grossen Halbkreis
DAVENAUTHier, Malwina, ist der Mann,
DAVENAUTDen ich deiner wert erachte,
DAVENAUTWert des Hauses Davenaut.
geht an Davenaut vorüber zu Malwina
RUTHWENEure Wahl zwar macht mich froh,
RUTHWENDoch beglückt wär ich nur dann,
RUTHWENWenn Myladys Aug' mir freundlich lachte.
schüchtern, ohne ihn anzusehen
MALWINAWerter Sir!
sie sieht ihn an
MALWINAHa! - Wehe mir!
Sie wankt und sinkt wie tödlich getroffen zusammen. Die nahestehenden Mädchen stützen sie und beschäftigen sich um sie
sich wendend und jetzt erst Ruthwen ansehend, für sich
AUBRYGott, wen seh ich!
Ruthwen tritt an Davenaut vorüber, zu ihm
für sich, zu Malwina gewendet
DAVENAUTUnbegreiflich!
AUBRYSeh ich recht - du bist - Lord Ruthwen!
ruhig
RUTHWENNein, Sir! Ruthwen ist mein Bruder,
RUTHWENDer auf Reisen schon seit Jahren
RUTHWENAuf dem festen Lande ist.
RUTHWENLieb ist mir es, zu erfahren,
RUTHWENWas Ihr etwa von ihm wisst.
verwirrt
AUBRYWas ich weiss? - Er war ja heut' -
ihn durch seinen Blick beeinflussend
RUTHWENNun?
noch verwirrter
AUBRYWehe! - Nein, Sir - ich weiss nichts -
AUBRYTäuschend ist die Ähnlichkeit
AUBRYSeines - Euren Angesichts.
für sich
AUBRYSchneidend, wie ein gift'ger Pfeil
AUBRYZuckt sein Blick mir durch die Seele,
AUBRYDiese Ähnlichkeit des Bruders,
AUBRYDas bedeutet nimmer Heil.
für sich
RUTHWENSchneidend, wie ein gift'ger Pfeil
RUTHWENZuckt sein Blick mir durch die Seele,
RUTHWENHa, den Träumer hier zu finden,
RUTHWENDas bedeutet nimmer Heil.
für sich
DAVENAUTSchneidend, wie ein gift'ger Pfeil
DAVENAUTZuckt sein Blick mir durch die Seele,
DAVENAUTSeinen Stolz so zu beleid'gen,
DAVENAUTDas bedeutet nimmer Heil.
für sich
MALWINASchneidend, wie ein gift'ger Pfeil
MALWINAZuckt sein Blick mir durch die Seele,
MALWINADass mein Innres vor ihm bebet,
MALWINADas bedeutet nimmer Heil.
Sie steht regungslos
unter sich
CHORSchneidend, wie ein gift'ger Pfeil
CHORZuckt sein Blick ihr durch die Seele,
CHORDass ihr Innres vor ihm bebet,
CHORDas bedeutet nimmer Heil.
DAVENAUTNun, Malwina, ist das Sitte?
DAVENAUTWeisst du deinen Bräutigam
DAVENAUTFreundlicher nicht zu empfangen?
Er geht nach hinten, spricht, Befehle gebend, mit George und den Dienern und unterhält sich mit den Landleuten. Malwina erhebt sich mühsam und wendet sich zu Ruthwen
zu Davenaut
RUTHWENLasst sie, werter Sir, ich bitte.
zu Ruthwen, beklommen
MALWINASir, ich weiss nicht, wie es kam,
MALWINADass ein grausend seltsam Bangen -
unterbrechend
RUTHWENSchöne Lady, o verzeiht!
Wie die junge Rose lacht,
RUTHWENDie am Wege einsam blüht,
RUTHWENHat im innersten Gemüt
RUTHWENEuer Anblick mich erfreut;
RUTHWENHoffen will ich, dass die Zeit
RUTHWENEuch mein armes Angesicht
RUTHWENWenigstens erträglich macht.
Er spricht leise mit Malwina
der Ruthwen nicht aus den Augen gelassen hat, für sich
AUBRYNein, mein Auge täuscht mich nicht,
Wie er lacht und wie er spricht,
Alles zeigt es deutlich mir,
AUBRYRuthwen ist es, der Vampyr!
Er tritt zu Ruthwen und berührt ihn leicht; laut
AUBRYSir, zwei Worte nur, ich bitte!
Er geht mit einigen Schritten nach rechts. Ruthwen folgt ihm nach dort. Davenaut ist inzwischen, Malwina zur Linken, nach vorn gekommen. Malwina wendet sich unter flehenden Gebärden zu ihm und bittet ihn mit leisen Worten, das Unglück von ihr abzuwenden
leise und bestimmt zu Ruthwen
AUBRYEntsetzlicher, ich habe dich erkannt!
AUBRYHier auch die Narb' an deiner Hand!
AUBRYUnglücksel'ger, darfst du es wagen,
AUBRYZu ihr die Augen aufzuschlagen,
AUBRYGrauses Scheusal der Natur!
leise und energisch
RUTHWENStill! Gedenk' an deinen Schwur!
Davenaut hat sich inzwischen wieder, Befehle erteilend, nach hinten zu George gewendet und tritt nun zwischen Ruthwen und Malwina vor. Malwina stützt sich auf die Lehne des Sessels zu ihrer Linken
DAVENAUTDer Priester ist bestellt, geladen sind die Gäste,
DAVENAUTBereitet alles nun zum frohen Hochzeitsfeste,
DAVENAUTDenn ehe noch die Mitternacht entschwunden,
DAVENAUTBist du auf ewig mit ihm verbunden.
ausser sich
MALWINAAch, mein Vater!
leise zu Ruthwen
AUBRYIch beschwöre Euch!
MALWINAAch, diese Eile, gönnt mir Frist,
MALWINAWen'ge Tage bitt' ich!
DAVENAUTSchweig'!
laut zu Davenaut
AUBRYSir, verschiebt's bis morgen nur!
DAVENAUTNein, unmöglich!
MALWINAAch, mein Vater!
Sie wankt zurück in den Sessel
entschlossen auf Davenaut zutretend
AUBRYNun, so wisst -
ihn mit einer kraftvollen Gebärde zurückhaltend, leise
RUTHWENStill! gedenk' an deinen Schwur!
DAVENAUTHeute noch, ich gab mein Wort,
DAVENAUTMorgen muss der Graf schon fort!
DAVENAUTZum Gesandten, wie bekannt,
DAVENAUTNach Madrid ist er ernannt,
DAVENAUTSeine Zeit gebeut zu eilen.
AUBRYLasst ihn nur bis morgen weilen.
AUBRYSir, seid nicht so fest gesinnt.
AUBRYAch, verschiebt's bis morgen nur,
AUBRYUnd Ihr rettet Euer Kind!
Davenaut macht, indem er sich nach Malwina wendet, eine abwehrende Bewegung. Aubry will wie vorher wieder auf ihn zu. Ruthwen hält ihn wiederholt zurück. Davenaut spricht mit Malwina
RUTHWENStill! gedenk' an deinen Schwur!
wankt nach rechts, für sich
AUBRYHa, kaum halt' ich mich vor Wut!
AUBRYDoch mein Schwur hält mich gefangen.
AUBRYWeh mir, seine blassen Wangen
AUBRYLechzen schon nach ihrem Blut.
AUBRYStimmen der Hölle, die mich umklingen,
AUBRYHöhnen mir zu: die Tat muss gelingen.
für sich
RUTHWENLachen kann ich seiner Wut,
RUTHWENDenn sein Schwur hält ihn gefangen.
RUTHWENMägdlein mit den Rosenwangen,
RUTHWENBald ist mein dein süsses Blut.
RUTHWENStimmen der Geister, die mich umklingen,
RUTHWENJubeln mir zu: die Tat muss gelingen.
erhebt sich, beiseite
MALWINAFreudig bin ich mir bewusst,
MALWINADass so lang dies Herz wird schlagen,
MALWINANimmer ich ihm werd' entsagen;
MALWINADies Gefühl hebt meine Brust!
für sich
DAVENAUTFreudig bin ich mir bewusst,
DAVENAUTDass das Band, das ich geschlungen,
DAVENAUTMeinem Hause Ruhm errungen;
DAVENAUTDies Gefühl hebt meine Brust!
für sich
RUTHWENFreudig bin ich mir bewusst,
RUTHWENEhe noch die Frist verronnen,
RUTHWENIst dies Opfer mir gewonnen;
RUTHWENDies Gefühl hebt meine Brust!
für sich
MALWINAFreudig bin ich mir bewusst,
MALWINADass so lang dies Herz wird schlagen,
MALWINANimmer ich ihm werd' entsagen;
MALWINADies Gefühl hebt meine Brust!
für sich
AUBRYFreudig bin ich mir bewusst,
AUBRYEh' nicht meine Kräfte schwinden,
AUBRYWird er nicht sein Opfer finden;
AUBRYDies Gefühl hebt meine Brust!
im Halbkreis
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEWie nach verderblichem Wettergetose
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTELächelt die Rose mit freundlichem Blick,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEWende sich jede Gefahr dir zum Glück!
zu den Jägern und Landleuten zurücktretend
DAVENAUTZum Feste lad' ich euch alle ein,
DAVENAUTJubeln soll alles und fröhlich sein!
Die Jäger und Landleute danken jubelnd durch Verbeugungen
sehr wichtig vortretend
DAVENAUTDenn heute noch, ich schwör' es laut,
DAVENAUTFührt Marsden zum Altar die Braut.
DAVENAUTDer ganzen Herrschaft mögt ihr verkünden,
DAVENAUTDass Marsden sich und Davenaut verbinden.
freudig etwas vortretend
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTESinget laut und jubelt froh,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEDass es tönt durchs ganze Land,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil dem Hause Davenaut,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil jedem, der mit ihm verwandt!
jedes für sich
MALWINAFurchtbar eilend drängt die Zeit
MALWINAUnd vom Ziel bin ich noch weit,
MALWINADoch ich will nicht zittern.
freudig
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTESinget laut und jubelt froh,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEDass es tönt durchs ganze Land!
jedes für sich
MALWINAWer der eignen Kraft vertraut,
MALWINAUnd auf Gottes Hilfe baut,
MALWINADen kann nichts erschüttern!
für sich
RUTHWENWer der eignen Kraft vertraut,
RUTHWENWer der Hölle Macht geschaut,
RUTHWENNichts kann ihn erschüttern!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil dem Hause Davenaut,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEJedem, der mit ihm verwandt!
jedes für sich
MALWINAMögen sich die Wolken türmen,
MALWINAMag es brausen, mag es stürmen,
MALWINANichts soll mich erschüttern!
MALWINAFurchtbar eilend drängt die Zeit,
MALWINAUnd vom Ziel bin ich noch weit,
MALWINADoch ich will nicht zittern!
MALWINAWer der eignen Kraft vertraut,
MALWINAUnd auf Gottes Hilfe baut,
MALWINADen kann nichts erschüttern!
für sich
RUTHWENMögen sich die Wolken türmen,
RUTHWENMag es brausen, mag es stürmen,
RUTHWENFinstre Nacht die Zukunft decken,
RUTHWENHöhnend uns das Schicksal necken,
RUTHWENWer der Hölle Macht geschaut,
RUTHWENIst mit Grausen schon vertraut,
RUTHWENIhn kann nichts erschüttern!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil! Heil! - Heil! Heil dem Hause Davenaut!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil jedem, der mit ihm verwandt!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEAuf, singet laut, singet laut, jubelt froh!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTESinget laut und jubelt froh,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEDass es tönt durchs ganze Land!
jedes für sich
MALWINAWer auf Gottes Hilfe baut,
MALWINADen kann nichts erschüttern,
MALWINAWenn es blitzet, wenn es kracht,
MALWINASieht er nur des Himmels Macht,
MALWINALachet bei Gewittern.
MALWINAWer auf Gottes Hilfe baut,
MALWINADen kann nichts erschüttern!
MALWINABei des Unglücks grauser Nähe
MALWINASchwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
MALWINAIn der Elemente Toben
MALWINAHebt er seinen Blick nach oben,
MALWINAWenn es blitzet, wenn es kracht,
MALWINASieht er nur des Himmels Macht!
für sich
RUTHWENBei des Unheils grauser Nähe
RUTHWENSchwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
RUTHWENGrinsend blicket er nach oben!
RUTHWENWenn es blitzet, wenn es kracht,
RUTHWENFreut er sich des Bösen Macht!
RUTHWENBei des Unglücks grauser Nähe
RUTHWENSchwillt sein Mut zu Riesenhöhe,
RUTHWENGrinsend blicket er nach oben
RUTHWENIn der Elemente Toben!
RUTHWENWenn es blitzet, wenn es kracht,
RUTHWENFreut er sich des Bösen Macht!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil dem Hause Davenaut,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil jedem, der mit ihm verwandt!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil! Heil! Heil! Heil! - Heil! - Heil! -
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTESinget laut und jubelt froh,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEDass es tönt durchs ganze Land!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil dem Hause Davenaut!
jedes für sich
MALWINAAch, vom Ziel bin ich noch weit,
MALWINADoch ich will nicht zittern!
MALWINAWer der eignen Kraft vertraut,
MALWINAUnd auf Gottes Hilfe baut,
MALWINADen kann nichts erschüttern!
für sich
RUTHWENWer der Hölle Macht geschaut,
RUTHWENIst mit Grausen schon vertraut,
RUTHWENNichts kann ihn erschüttern!
die Fahnen und Hüte schwenkend
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil! Heil! - jedem, der mit ihm verwandt!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTESinget laut und jubelt froh,
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEDass es tönt durchs ganze Land!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil dem Hause Davenaut!
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil, Heil! - Heil, Heil! -
CHOR DER JÄGER UND LANDLEUTEHeil dem Hause Davenaut!
Das Ballett bildet Spalier bis zur Mitteltür. Die Dienerschaft geht voraus. Davenaut reicht Malwina die Hand zum Abgehen. Ruthwen bannt Aubry durch seinen Blick, ihn dadurch von weiteren Schritten abhaltend. Malwina sinkt ohnmächtig nieder. Allgemeine Bestürzung
SYSTEMDRITTER AUFZUG
SYSTEMNr. 10 - Introduktion
Der Vorhang hebt sich im dreizehnten Takt. Garten und Schloss
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Die Landleute Robert Green und Toms Blunt sitzen unter Bauern am Tische rechts vorn; die Landleute Richard Scrop und James Gadshill ebenso am Tische links vorn. Bauern auf Stühlen und auf den Bänken an allen Tischen vorn und hinten. John Perth geht von einem Tisch zum andern, die Gäste zum Trinken nötigend. Einige Aufwärter und Schenkmädchen bedienen. Frau Suse Blunt bewegt sich unter den Gästen. Vier spielende Musikanten auf dem kleinen Orchester im Hintergrunde. Junges Volk tanzt und singt im Vordergrunde und hinten auf der Terrasse. Fröhliches munteres Durcheinander.
Männer allein
CHORMunter, edle Zecher, munter,
CHORKöstlich ist der Wein!
CHORSeht, die Sonne geht schon unter,
CHORLasst uns fleissig, fleissig sein!
CHORAch, der Tag find't bald sein Ziel
CHORUnd des Weins ist noch so viel,
CHORDarum frisch getrunken, frisch, frisch!
CHORMunter, edle Zecher, munter,
CHORKöstlich ist der Wein!
CHORSeht, die Sonne geht schon unter,
CHORLasst uns fleissig, fleissig sein!
CHORAch, der Tag find't bald sein Ziel,
CHORUnd des Weins ist noch so viel!
CHORDarum frisch getrunken, frisch!
CHORGetrunken frisch! -
CHORDer Tanz oben auf der Terrasse endet.
CHORDie Tänzer gehen nach unten.
CHOREs wird unten getanzt.
alle
CHORHört ihr die Geigen,
CHORSeht ihr den Reigen
CHORFröhlich ertönen und munter ergehn?
CHOREilet zum Tanze
CHORFroh in dem Kranze
CHORMunterer Jugend euch rascher zu drehn!
CHORBannet die Sorgen!
CHORHeute und morgen
CHORLächelt die Freude und droht nicht Gefahr.
CHORNützet die Stunden,
CHOREh' sie entschwunden,
CHORDass eure Jugend nicht freudenlos war.
Der Tanz unten endet
CHORSeid ihr erst älter,
CHORSteifer und kälter,
CHORDrücket das Leben euch sorgvoll und schwer:
CHORDann, ach, ihr Leute,
CHORSchickt sich's, wie heute,
CHORLeider nicht mehr, ach nein, leider nicht mehr.
CHORImmer behende,
CHORNimmer aus Ende
CHORDrehe der Kreis sich bald hin und bald her.
CHORMunter, nur munter,
CHORKrauser und bunter,
CHORHinüber, hinüber der Kreuz und die Quer.
Die Tänzer gehen nach oben, Der Tanz oben auf der Terrasse beginnt wieder. Allmählich steckt der Tanz auch die Übrigen an, doch machen sie anfangs nur die Tanzbewegungen mit. Die Trinker werden lebhafter und stehen zum Teil auf.
Männer allein
CHORMag das junge Volk sich wiegen
CHORDort im raschen Tanz,
CHORrinken auch ist ein Vergnügen
CHORHier im Abendglanz!
CHORSind wir gleich zum Tanz zu alt,
CHORTrinket nur, so wird sich bald
CHORAlles um uns drehn!
Die Lustigkeit hat sich derart gesteigert, dass sich nun alles in grösster Ausgelassenheit zeigt.
Bunte Gruppierung und bewegtes Leben, allgemeine tolle Fröhlichkeit. Aufwärter bringen Windlichter, obwohl es noch nicht besonders dunkel ist, und stellen sie auf die Tische. Scrop und Gadshill gehen mit ihren Krügen nach rechts zu Green und Blunt
CHORJuch! - Juch! - Das ist'ne Fröhlichkeit,
CHORAlles schwimmt in Seligkeit,
CHORAlles jauchzt und alles schwärmt,
CHORAlles tobt und alles lärmt,
CHORAlles bricht in Jubel aus:
CHORSo ist's recht beim Hochzeitsschmaus! - - Juch!
Allgemeiner ungeheuerer Jubel oben und unten. Alle tanzen bunt durcheinander und gruppieren sich zum Schlusse. Es wird dunkel. Die Bauern und Bäuerinnen setzen sich und stehen fröhlich umher
spricht, nachdem es ruhig geworden ist
GADSHILLAber wo sind denn Braut und Bräutigam?
schon etwas betrunken
BLUNTJa, wo sind sie, Braut und Bräutigam?
SCROPSollen wir denn die Hochzeit feiern ohne Braut und Bräutigam?
BLUNTIch habe noch nie eine Hochzeit gefeiert ohne Braut und Bräutigam.
PERTHDer Bräutigam kam noch nicht an; er wird sich auf Davenaut verspätet haben, meine Tochter ist ihm entgegen gegangen.
sieht nach links
FRAU BLUNTDa kommt sie eben her.
ergreift ein Glas vom Tisch
BLUNTDies volle Glas will ich ihr zu Ehren
BLUNTBis auf den letzten Tropfen leeren.
Er trinkt
FRAU BLUNTNa, Tom, nimm dich in acht und trink' mir nicht wieder zu viel!
BLUNTSuse, du hast recht, zu viel hab' ich schon oft getrunken, aber noch nie genug, noch nie genug!
Perth geht Emmy entgegen. Emmy Perth kommt von links hinten vor der Terrasse
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen. Emmy tritt ihrem Vater zur Linken
ALLEEs lebe die Braut! Emmy Perth lebe hoch!
PERTHWas ist das, du siehst ja so traurig aus, Emmy? Eine Braut muss fröhlich sein.
Er spricht leise mit ihr weiter
BLUNTJa, eine Braut muss ein fröhliches Gesicht haben! Weisst du noch, Suse, wie du Braut warst -
FRAU BLUNTI, so schweig doch still!
BLUNTDamals hatt'st du ein ganz andres Gesicht, ein ganz andres Gesicht!
FRAU BLUNTMusst du denn immer reden!
BLUNTJa, wenn ich nicht reden soll, da muss ich trinken.
Er ergreift ein Glas und trinkt. Frau Blunt macht eine abwehrende Bewegung. Alle setzen sich, teils erzählen sie sich leise, teils verhalten sie sich ruhig. Ein Teil der Bauern, Bäuerinnen, Tänzer und Tänzerinnen verliert sich unauffällig nach rechts und links. Aufwärter räumen während des Liedes die Tische und Stühle hinten lautlos und wenig bemerkt weg
PERTHNun, Emmy, was fehlt dir denn?
Er tritt mit ihr vor
SYSTEMNr. 11 - Lied
EMMYDort an jenem Felsenhang
EMMYLauschte ich den Weg entlang,
EMMYGeorgen zu erspähen;
EMMYIn der Abendsonne Strahl
EMMYGlüht und zittert Berg und Tal,
EMMYEr lässt sich nicht sehen!
EMMYWenn beim frohen Hochzeitsfest
EMMYMich der Bräut'gam warten lässt:
EMMYSoll mich das nicht traurig machen?
EMMYDort im Strauch mit süssem Schall
EMMYLockt und girrt die Nachtigall,
EMMYUnd er ist noch ferne;
EMMYDurch der Bäume grünes Reis
EMMYLauscht der Vollmond; still und leis'
EMMYFlimmern schon die Sterne!
Alles zeigt, der Abend kam,
EMMYUnd noch fehlt der Bräutigam:
EMMYSoll mich das nicht traurig machen?
spricht
PERTHEi nun, er wird schon kommen! Du weisst, dass heute des Fräuleins Geburtstag war, und da konnte der arme Junge gewiss nicht so zeitig fortkommen.
EMMYSo ein vornehmes Fräulein möchte ich sein, Vater; da liess mich George gewiss nicht warten.
Sie geht mit Perth zurück und beobachtet nach links, ob George kommt
der mit Gadshill, Green und Scrop am Tisch rechts sitzt
BLUNTEr wird schon kommen, sag' ich euch. Eine Braut ist wie eine volle Flasche Wein, die vergisst man nicht.
der leise mit Scrop gesprochen hat
GREENJa, ja, wie ich Euch sage, Nachbar Scrop, in der vergangenen Nacht!
Er steht auf
ebenso, auffällig laut
SCROPDas wäre ja entsetzlich!
Alle Sitzenden stehen neugierig auf. Aufwärter räumen unauffällig auch den Tisch und die Stühle links weg; nur der Tisch und die Stühle rechts bleiben stehen
kommt vor
PERTHNun, was gibt's denn hier?
SCROPGreen erzählt eben, die Tochter des reichen Berkley, drei Stunden hinter Davenaut, sei vergangene Nacht durch einen Vampyr umgebracht worden.
Green tritt in die Mitte
versammeln sich um Green
ALLEWie? Was sagt Ihr? Ein Vampyr?
GREENNicht anders; ich war heute Morgen dort. Die Tochter war Braut, heute sollte die Hochzeit sein. In der Nacht, Glock' zwölf Uhr, vermisst der Vater die Tochter, alles wird gleich aufgeboten, sie zu suchen! Endlich findet man sie tot in der Vampyrhöhle.
EMMYDas arme Mädchen!
FRAU BLUNTHat man denn den Vampyr auch gefunden?
GREENFreilich, der Vater hat ihn totgestochen.
FRAU BLUNTGott sei Dank!
GREENJa, was hilft das, so ein Geschöpf ist ja nicht umzubringen! Sticht man's heute tot, so steht es morgen wieder lebendig auf!
zu Green
SCROPHabt Ihr schon einmal einen Vampyr gesehen?
tritt an Emmy vorüber zwischen Perth und Scrop
GREENNein, Gott sei Dank! Aber ich habe mir sagen lassen, sie sollen totenblass aussehen, und ihre Opfer am liebsten im Mondenschein aufsuchen, weil dieser eine heilbringende Kraft für sie hat und sie unter seinem besonderen Schutze stehen.
EMMYMeine selige Grossmutter hat mir oft ein altes Märchen von einem Vampyr erzählt.
Die Mädchen umgeben Emmy im Halbkreis. Die Männer stellen sich hinter ihnen auf
DIE MÄDCHENAch, lasst hören, lasst hören.
EMMYAber es ist schon ganz dunkel!
SCROPDesto besser! Im Dunkeln hören sich solche Geschichten am besten an.
SYSTEMNr. 12 - Romanze
EMMYSieh, Mutter, dort den bleichen Mann
EMMYMit seelenlosem Blick.
EMMYKind, sieh den bleichen Mann nicht an,
EMMYSonst ist es bald um dich getan,
EMMYWeich' schnell von ihm zurück!
EMMYSchon manches Mägdlein, jung und schön,
EMMYTat ihm zu tief ins Auge sehn,
EMMYMusst' es mit bittern Qualen
EMMYUnd seinem Blut bezahlen!
EMMYDenn still und heimlich sag' ich's dir:
EMMYDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,
EMMYIhm jemals gleich zu werden!
CHORDenn still und heimlich sag' ich's dir:
CHORDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
CHORBewahr' uns Gott auf Erden,
CHORIhm jemals gleich zu werden!
EMMYWas, Mutter, tat der bleiche Mann?
EMMYMir graust vor seinem Blick!
EMMYKind, sieh den bleichen Mann nicht an,
EMMYViel Böses hat er schon gethan,
EMMYDrum traf ihn solch' Geschick!
EMMYUnd ob er längst gestorben nun,
EMMYKann er im Grabe doch nicht ruhn,
EMMYEr geht herum als bleiche,
EMMYLebend'ge grause Leiche!
EMMYDenn still und heimlich sag' ich's dir:
EMMYDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,
EMMYIhm jemals gleich zu werden!
CHORDenn still und heimlich sag' ich's dir:
CHORDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
CHORBewahr' uns Gott auf Erden,
CHORIhm jemals gleich zu werden!
Mondschein verbreitet sich allmählich
EMMYWie dauert mich der bleiche Mann,
EMMYWie traurig ist sein Blick!
EMMYKind, sieh den bleichen Mann nicht an,
EMMYSonst ist es bald um dich getan,
EMMYWeich' schnell von ihm zurück!
EMMYEr geht herum von Haus zu Haus,
EMMYSucht sich die schönsten Bräute aus,
Zeigt eine sich gewogen,
EMMYSo wird sie ausgesogen!
EMMYDenn still und heimlich sag' ich's dir:
EMMYDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,
EMMYIhm jemals gleich zu werden!
CHORDenn still und heimlich sag' ich's dir:
CHORDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
CHORBewahr' uns Gott auf Erden,
CHORIhm jemals gleich zu werden!
Es lacht mich an der bleiche Mann
EMMYUnd heitrer wird sein Blick.
EMMYKind, siehst du ihn noch immer an?
EMMYWeh mir, es ist um dich getan,
EMMYWeich' schnell von ihm zurück!
EMMYSein erster Blick, mit Todesschmerz
EMMYDurchzuckte er dein frommes Herz,
EMMYAch, lass dadurch dich warnen,
EMMYSonst wird er dich umgarnen!
EMMYDenn still und heimlich sag' ich's dir:
EMMYDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,
EMMYIhm jemals gleich zu werden!
CHORDenn still und heimlich sag' ich's dir:
CHORDer bleiche Mann ist ein Vampyr!
CHORBewahr' uns Gott auf Erden,
CHORIhm jemals gleich zu werden!
EMMYDas Mägdlein folgt dem bleichen Mann,
EMMYEs lockte sie sein Blick;
EMMYHört nicht der Mutter Warnen an,
EMMYUnd bald war es um sie getan,
EMMYNie kehrte sie zurück!
EMMYEin Opfer ward sie seiner Lust,
EMMYMit blut'ger Spur an Hals und Brust
EMMYFand man den Leichnam wieder;
EMMYSie fuhr zur Hölle nieder!
EMMYNun geht sie selber, glaubt es mir,
EMMYUmher als grausiger Vampyr!
EMMYBewahr' uns Gott auf Erden,
EMMYIhr jemals gleich zu werden!
CHORNun geht sie selber, glaubt es mir,
CHORUmher als grausiger Vampyr!
CHORBewahr' uns Gott auf Erden,
CHORIhr jemals gleich zu werden!
Lord Ruthwen kommt in einen grossen Mantel gehüllt, langsam und unbemerkt während der letzten Takte von links hinten vor der Terrasse und tritt unter die Leute
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Ruthwen zwischen Emmy und Perth
spricht
RUTHWENGuten Abend, ihr schönen Kinder!
fahren mit einem Ausruf des Schreckens auseinander
DIE MÄDCHENHa!
im höchsten Entsetzen, gleichzeitig
EMMYAllmächtiger!
RUTHWENIst John Perth nicht hier?
PERTHHier bin ich. Was ist zu Euren Diensten?
RUTHWENDu kennst mich wohl nicht mehr?
PERTHAch, seid Ihr es, Mylord? Freilich kenne ich Euch. Ihr seid der Bruder unsers verstorbenen Herrn, und jetzt Graf von Marsden. Seid herzlich willkommen auf Euerem Grund und Boden; wir glaubten Euch noch auf der Reise.
RUTHWENAuch kann ich nur wenige Stunden hier verweilen, ein Geschäft führte mich nach Davenaut. Ich hörte dort von deiner Tochter Hochzeit, und komme, die Feier durch meine Gegenwart zu verschönern. Die treuen Dienste, welche du meinem Hause geleistet, erfordern meine Dankbarkeit. Ich will, dass die Hochzeit auf meine Kosten gefeiert werde, und so glänzend als möglich. Betrachte den herrschaftlichen Keller heute als den deinigen.
ausrufend
BLUNTDas ist ein edler Herr! Bringt ihm ein Vivat! Hoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!
ALLEHoch lebe unser gnädiger Herr! Hoch!
zu Perth
RUTHWENLass sogleich den grossen Saal erleuchten, dort will ich selbst Zeuge der heiligen Handlung sein, und der Braut den Myrtenkranz ins Haar flechten.
Alle ausser Emmy, Ruthwen und Perth ziehen sich beobachtend und leise miteinander sprechend, nach hinten zurück
ohne Pause fortfahrend
EMMYAlso meinetwegen seid Ihr gekommen, gnädiger Herr?
RUTHWENIst das deine Tochter, John?
PERTHJa, gnäd'ger Herr, meine Tochter Emmy.
RUTHWENFreilich bin ich deinetwegen gekommen, schöne Emmy.
EMMYAch, so verzeiht, gnäd'ger Herr, dass ich vorhin bei Eurem Anblick so erschrocken bin, aber wir hatten gerade ein schauerliches Märchen erzählt, als Ihr so unvermutet zu uns kamt.
zieht einen Ring vom Finger
RUTHWENHier, schöne Braut, nimm diesen Ring zur Vergütung des Schrecks, den ich dir verursacht habe.
Er steckt ihr den Ring an
EMMYWie, gnäd'ger Herr, den kostbaren Ring, den schenkt Ihr mir?
RUTHWENAls Hochzeitsgast muss ich dir doch wohl ein Geschenk machen! Ich werde überdies für eine Ausstattung für dich Sorge tragen, und wenn du willst, deinen künftigen Mann auf meinen Gütern anstellen.
EMMYGnäd'ger Herr, soviel Güte -
RUTHWENGeht, liebe Leute, bringt den Saal in Ordnung.
Das Landvolk wendet sich zum Abgang nach rechts
RUTHWENHier, John, nimm meinen Mantel mit.
Perth nimmt den Mantel
RUTHWENIch werde mich indes mit der Braut über die künftige Versorgung beraten. Wenn alles in Ordnung ist, lass mich rufen, dass ich den Tanz mit der schönen Emmy eröffne.
Alle gehen bis auf Emmy und Lord Ruthwen ab nach rechts
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken
Es tritt heller Mondschein ein
EMMYAch, gnäd'ger Herr, wodurch habe ich soviel Güte verdient?
RUTHWENDurch deine Schönheit, liebe Emmy, die mich bei dem ersten Anblick so sehr für dich einnahm, durch deine Liebenswürdigkeit, die mich immer mehr und mehr zu dir hinzieht.
Die Fenster des Schlosses im Hintergrunde erleuchten sich
SYSTEMNr. 13 - Terzett
EMMYIhr wollt mich nur beschämen,
EMMYSo eitel bin ich nicht,
EMMYUm für Ernst es anzunehmen,
EMMYWas Euer Mund nur spricht.
RUTHWENNein, liebe süsse Kleine,
RUTHWENGlaub' mir, ich scherze nicht;
RUTHWENDeine Schönheit ist's alleine,
RUTHWENDie so mein Herz besticht.
Der Diener George Dibdin kommt unbemerkt, den Hut auf dem Kopf, Pistolen im Gürtel, von links hinten vor der Terrasse
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen. George ungesehen zurückstehend
für sich
GEORGEPotz Blitz! was muss ich schauen!
GEORGEDie sind ja sehr vertraut!
GEORGEDarf ich meinen Augen trauen,
GEORGEIst denn das nicht meine Braut?
RUTHWENWelche Wonne sondergleichen,
RUTHWENSanft die Wange dir zu streichen,
RUTHWENDir die weiche Hand zu drücken,
RUTHWENLiebend dir ins Aug' zu blicken,
RUTHWENSo den Arm um dich zu schlingen,
RUTHWENDich zu drücken an die Brust!
RUTHWENAch, welch ein Opfer wollt' ich bringen,
RUTHWENGönntest du mir diese Lust!
Er umfasst sie
ihn sanft abwehrend
EMMYIhr wollt mich nur beschämen,
EMMYSo eitel bin ich nicht,
EMMYUm für Ernst es anzunehmen,
EMMYWas Euer Mund nur spricht.
für sich
GEORGEEi, ei, was muss ich sehen,
GEORGEJetzt drückt er ihr die Hand,
GEORGEUnd sie lässt es auch geschehen,
GEORGEDas ist ja ganz charmant.
RUTHWENIch sollte dich fast schelten,
RUTHWENIch tat so viel für dich,
RUTHWENUnd du willst mir nicht vergelten,
RUTHWENIst das nicht grausam, sprich?
für sich
GEORGEJetzt drückt er ihr die Hand,
GEORGEUnd sie lässt es auch geschehen!
GEORGEDas ist ja ganz charmant!
EMMYIhr sucht mein Glück zu gründen,
EMMYDas sehe ich wohl ein!
EMMYAch, ich kann nicht Worte finden,
EMMYEuch meinen Dank zu weihn!
EMMYAch, ich kann nicht Worte finden,
EMMYEuch meinen Dank zu weihn!
RUTHWENDu kannst für mein Bestreben
RUTHWENDen schönsten Lohn mir geben!
RUTHWENEin einz'ger Kuss von dir
RUTHWENGilt mehr als Kronen mir!
erstaunt und empört
GEORGEEin Kuss!
verschämt
EMMYWie?
wie oben
GEORGEWas muss ich hören?
wie oben
EMMYEin Kuss?
wie oben
GEORGEEr will sie küssen?
EMMYWie?
GEORGEWas?
EMMYEin Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss? Ein Kuss?
Ruthwen will sie küssen
entwindet sich ihm
EMMYIhr wollt mich nur beschämen,
EMMYSo eitel bin ich nicht,
EMMYUm für Ernst es anzunehmen,
EMMYWas Euer Mund nur spricht.
RUTHWENNein, liebe süsse Kleine,
RUTHWENGlaub' mir, ich scherze nicht,
RUTHWENDeine Schönheit ist's alleine,
RUTHWENDie so mein Herz besticht. -
Er küsst Emmy. Emmy entwindet sich ihm und läuft an ihm vorüber nach links
für sich
RUTHWENSo, jetzt ist sie mir verfallen,
RUTHWENUnd das Ziel ist nicht mehr weit,
Er lacht
RUTHWENHaha!
für sich
EMMYSolchem Herrn zu gefallen,
EMMYIst doch keine Kleinigkeit!
EMMYSoll mich das nicht eitel machen?
für sich
RUTHWENJetzt ist sie mir verfallen!
RUTHWENHa, die Hölle hör' ich lachen!
RUTHWENHa, jetzt ist sie mir verfallen,
RUTHWENUnd das Ziel ist nicht mehr weit!
RUTHWENHa, die Hölle hör' ich lachen!
für sich
GEORGEWie, sie lässt sich das gefallen?
GEORGEHa, bei Gott, das geht zu weit!
GEORGESoll mich das nicht rasend machen?
GEORGEHa, bei Gott, das geht zu weit!
GEORGEHa, das geht zu weit!
Ruthwen und Emmy sprechen zusammen
für sich
GEORGESoll mich das nicht rasend machen?
Er tritt im vierten Takte vor, Emmy zur Linken
GEORGEGuten Abend -
beiseite
RUTHWENEi, sieh da, der Bräutigam!
GEORGEMeine Beste!
verlegen
EMMYKommst du endlich auch zum Feste?
GEORGEJa, Zeit war es, dass ich kam.
blickt fortwährend nach Ruthwen
EMMYUnser neuer Herr will dich
EMMYHier zum Gutsverwalter machen.
GEORGEa, das merk' ich, schöne Sachen,
GEORGEund zum Eigentümer sich.
beiseite
RUTHWENEifersucht? Das ist zum Lachen!
RUTHWENGuter Tropf, du dauerst mich!
beiseite
Eifersucht am ersten Tage! -
Nun fürwahr, nun fürwahr,
Das kommt zu früh!
GEORGE
beiseite
EMMYJa, sie hat recht, die alte Sage:
EMMYWeibern trau' und Katzen nie!
EMMYJa, ja, sie hat recht, die alte Sage:
EMMYWeibern trau' und Katzen nie!
beiseite
EMMYEifersucht am ersten Tage,
EMMYNun fürwahr, das kommt zu früh!
beiseite
GEORGEJa, sie hat recht, die alte Sage:
GEORGEWeibern trau' und Katzen nie!
zu Emmy
RUTHWENNun, ich gehe, Liebesleute
RUTHWENSind am liebsten doch allein!
RUTHWENNur vergiss nicht, dass du heute
RUTHWENMeine Tänzerin willst sein. -
George geht grollend nach hinten. Emmy folgt dem Eifersüchtigen und sucht ihn mit leisen Worten zu beruhigen
beiseite, mit einigen Schritten nach rechts
RUTHWENHa, wie mein Herz vor Freude bebet,
RUTHWENNun ist das zweite Opfer mein!
RUTHWENDie ihr mich unsichtbar umschwebet,
RUTHWENJubelt! jubelt! Bald wird sie euer sein!
Er blickt Emmy finster an, sich ihr mit einigen Schritten nähernd. George tritt Ruthwen zur Rechten vor
ebenso Ruthwen zur Linken, für sich
EMMYMein Herz schwankt zwischen Furcht und Liebe,
EMMYUnd mir wird wohl und weh zu Sinn;
EMMYMit süss geheimnisvollem Triebe
EMMYZieht es mich zu dem Fremdling hin!
für sich
GEORGEWie bei böser Geister Hausen,
GEORGESo unheimlich wird mir zu Mut!
GEORGEMich überläuft's mit kaltem Grausen,
GEORGEWeh mir! das endet nimmer gut!
für sich
RUTHWENHa! wie mein Herz vor Freude bebet!
RUTHWENNun ist das dritte Opfer mein!
RUTHWENDie ihr mich unsichtbar umschwebet,
RUTHWENJubelt, bald wird sie euer sein!
Er geht ab nach rechts vor der Terrasse. George geht ihm drohend einige Schritte nach. Emmy wendet sich nachdenklich nach links
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
George, Emmy zu seiner Linken
für sich
GEORGEEr geht! Nun ist mir wieder wohl!
verlegen, das Gespräch zu eröffnen
EMMYWeisst du wohl, George, dass es gar nicht schön von dir ist, dass du heute so spät kommst.
GEORGESo ist's recht, mach' du mir noch Vorwürfe! Aber das ist schön, dass du hier im Mondenschein mit fremden jungen gnäd'gen Herrn charmierst, dir die Hand drücken, dich um den Leib fassen und am Ende gar küssen lässt? Nicht wahr, das ist schön?
EMMYAch, das war ja unser neuer gnäd'ger Herr! Und er will uns versorgen!
Sie zeigt den Ring an ihrem Finger
EMMYSieh nur den kostbaren Ring, den er mir schenkte. Er ist so gut, so liebreich, so herablassend, so -
GEORGENun? Nur heraus damit: so schön, so liebenswürdig, dass ich nur ein Klotz gegen ihn bin.
EMMYWie du nun wieder bist. Ich bin ja bloss deinetwegen freundlich gegen ihn, damit er dich recht vorteilhaft anstellt.
ironisch
GEORGESo?
abweisend
GEORGEMeinetwegen! Glaubst du, ich habe nicht bemerkt, wie du ihn immer angesehen hast? So freundlich, so zärtlich, so wie du niemand ansehen solltest als mich. Selbst wie ich vortrat, konntest du keinen Blick von ihm verwenden.
Er zeigt auf seine Pistolen
GEORGESiehst du die Pistolen hier? Ich habe sie mitgenommen, weil man mir sagte, der Weg sei nicht sicher. Mit denen schiess ich mich tot, wenn du ihn noch einmal so ansiehst.
EMMYSei doch nicht so wild, lieber George, er geht ja noch heute wieder fort –
mit einem unwillkürlichen Seufzer
EMMYund wer weiss, ob ich ihn jemals wiedersehe.
Sie geht an ihm vorüber nach rechts
GEORGEJa, er muss noch heute zurück nach Davenaut, er soll unser Fräulein heiraten. Aber die ist nicht so wie du. Sie liebt den jungen Herrn Aubry und war nicht so freundlich gegen den Grafen. Mit Tränen hat sie ihren Vater gebeten, den gnäd'gen Herrn wieder wegreisen zu lassen.
EMMYAlso dein Fräulein wird er heiraten?
GEORGEJa. Dir ist's wohl nicht recht? Du könntest vielleicht selber noch eine gnäd'ge Frau werden, nicht wahr? Das ist doch dein höchster Wunsch! O ich Dummkopf! Um dir eine Freude zu machen, weil ich wusste, dass du es gern hast, wenn es recht vornehm bei unsrer Hochzeit hergeht, bitte ich den gnäd'gen Herrn, hierher zu kommen. Deine Freundlichkeit gegen ihn muss er aber schon geahnt haben; kaum sage ich ihm, dass es hier eine Hochzeit gibt, so springt er auf, lässt ein Pferd satteln, nimmt kaum Abschied von unserm alten Herrn und sprengt im Galopp hierher. Ich Esel keuche hinterdrein, um die Freude zu haben, zuzusehen, wie er meine Braut küsst.
Edgar Aubry kommt von links hinten vor der Terrasse
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Emmy rechts. George in der Mitte. Aubry links
AUBRYGuten Abend, George. Ist der Graf hier? Meinen Glückwunsch, schöne Emmy.
GEORGEJa, der gnäd'ge Herr ist im Tanzsaal.
AUBRYBitte ihn sogleich, zu mir zu kommen.
GEORGEIch gehe.
leise zu Emmy
GEORGEWillst du nicht hierbleiben? Es ist ja auch ein junger gnäd'ger Herr.
leise
EMMYPfui, George, du wirst mich böse machen. Ich gehe mit dir in den Tanzsaal.
leise
GEORGEFreilich, da ist der andere, und der ist noch freundlicher.
Beide gehen schmollend ab nach rechts vor der Terrasse
SYSTEMACHTER AUFTRITT
Aubry allein
AUBRYHimmel, verleihe meinen Worten Kraft, sein Herz zu rühren. Retten muss ich sie, und sei der Preis mein Leben! Können meine Bitten ihn nicht bewegen, von seinem Vorhaben abzustehen, mein Entschluss ist gefasst, so eile ich zum alten Lord zurück, breche den fürchterlichen Schwur, und entdecke ihm das schreckliche Geheimnis, möge daraus entstehen, was da wolle.
Lord Ruthwen kommt von rechts vor der Terrasse
SYSTEMNEUNTER AUFTRITT
Ruthwen, Aubry zu seiner Linken
RUTHWENWie, Sir Aubry, Ihr hier?
sehr energisch
AUBRYJa, überall hin werde ich dir folgen, alle deine Schritte bewachen, überall dich bitten und beschwören, den entsetzlichen Gedanken aufzugeben: überall dir drohend entgegentreten, dir mit Gewalt dein Opfer entreissen. Ruthwen, ich liebe Malwina, ich werde von ihr wieder geliebt! Wenn noch ein Gefühl von Menschlichkeit in deinem Herzen zurückblieb, so lass ab von ihr, morde nicht das Glück zweier Menschen. Er kniet. Hier auf meinen Knieen beschwöre ich dich, weiche von ihr zurück, ich will zu dem Ewigen um Erbarmen für dich flehen - und das Bewusstsein dieser einzigen guten Tat wird wie ein rettender Engel für dich sprechen in der Stunde des ewigen Gerichts!
Er steht auf
RUTHWENVerschwende nicht unnötige Worte, törichter Knabe! Mich treibt mein fürchterliches Schicksal. Zürne, tobe, rase gegen den ewigen Kreislauf der Natur! Kannst du ihn stillstehen heissen? Kannst du das Dasein der ganzen Schöpfung in ein leeres Nichts zurückwerfen? Tu's! Ha, auf meinen Knieen will ich dir danken! Ohnmächtiger, geh! Lass ab von mir.
SYSTEMNr. 14 - Grosse Szene
AUBRYWohl, du zwingst mich zum Verbrechen,
AUBRYMeinen Schwur geh ich zu brechen,
AUBRYGott im Himmel wird verzeihn!
AUBRYKann ich es dadurch erreichen,
AUBRYDass du von ihr musst entweichen,
AUBRYIst die Sünde ja nur klein.
RUTHWENStrauchle auf der Bahn des Rechten,
RUTHWENDu verfällst den finstern Mächten,
RUTHWENScheint der Fehltritt auch nicht gross;
RUTHWENBist du einmal erst gewonnen,
RUTHWENEnger stets wirst du umsponnen,
RUTHWENUnd die Hölle lässt nicht los.
AUBRYGern will ich für mein Verschulden
AUBRYMartervolle Strafe dulden;
AUBRYWas kann Ärgeres geschehn!
AUBRYGibt es grösseres Verderben,
AUBRYAls die Heissgeliebte sterben
AUBRYUnd so grässlich sterben sehn!
RUTHWENMeinst du? Ha! versuch' es nur!
RUTHWENUnd mit Schaudern wirst du sehen,
RUTHWENWas noch Ärgres kann geschehen.
RUTHWENGlaubst du, dass mich die Natur
RUTHWENZu dem schrecklichen Beruf
RUTHWENSchon bei der Geburt erschuf?
RUTHWENGeh denn hin, verrate mich!
RUTHWENSchuld des Meineids lad' auf dich,
RUTHWENUm mit süssem Triumphieren
RUTHWENDie Geliebte heimzuführen;
RUTHWENWerde Gatte, Vater dann,
RUTHWENUnd ein hochbeglückter Mann!
RUTHWENDoch es naht die Zeit heran,
RUTHWENWo bei tausend Schlangenbissen
RUTHWENDir die Seele wird entrissen;
RUTHWENVor den Richter bang und schwer
RUTHWENTritt sie, und der Strenge spricht:
RUTHWENReue sühnet Meineid nicht;
RUTHWENKehre dann zurück mit Graus
RUTHWENIn das kaum verlassne Haus.“
RUTHWENNun gehst du, ein grausiger Leichnam, einher,
RUTHWENBestimmt, dich vom Blute Derer zu nähren,
RUTHWENDie dich am meisten lieben und ehren;
RUTHWENIm Innern trägst du verzehrende Glut.
RUTHWENBei deinem Leben hatt'st du geschworen:
RUTHWENWas durch dich lebt, ist durch dich verloren;
RUTHWENDer Gattin, der Söhne, der Töchter Blut,
RUTHWENEs stillet zuerst deine scheussliche Wut,
RUTHWENUnd vor ihrem Ende erkennen sie dich
RUTHWENUnd fluchen dir - und verdammen sich!
RUTHWENDoch was dir auf Erden das Teuerste war,
RUTHWENEin liebliches Mädchen mit lockigem Haar
RUTHWENSchmiegt bittend die kleinen Händchen um dich.
RUTHWENDie Tränen ins helle Äuglein ihr treten.
RUTHWENSie lallet: Vater, verschone mich,
RUTHWENIch will auf Erden für dich beten!
RUTHWENDu siehst ihr ins unschuldig fromme Gesicht,
RUTHWENDu möchtest gern schonen und kannst es doch nicht!
wild
RUTHWENEs reizt dich der Teufel, es treibt dich die Wut.
RUTHWENDu musst es saugen, das teure Blut!
RUTHWENSo lebst du, bis du zur Hölle fährst,
RUTHWENDer du auf ewig nun angehörst;
RUTHWENSelbst dort noch weichet vor deinem Blick
RUTHWENDie Schar der Verworfnen mit Schrecken zurück:
RUTHWENDenn gegen dich sind sie engelrein,
RUTHWENUnd der Verdammte bist du allein! -
Er streckt seine linke Hand gegen Aubry aus. Aubry starrt ihn entsetzt an und tritt einen Schritt zurück
RUTHWENDu starrst? Du stehst entsetzt vor mir?
lachend
RUTHWENHaha! ich zeichnete nach der Natur,
RUTHWENMeine eigne Geschichte erzählte ich dir.
RUTHWENJetzt geh hin! - Geh hin! - Geh hin!
RUTHWENUnd brich deinen Schwur!
Er eilt ab nach rechts hinten vor der Terrasse
SYSTEMZEHNTER AUFTRITT
Aubry allein
starrt Ruthwen entsetzt nach
AUBRYHa! wie das grausenvolle Bild
AUBRYMich mit Entsetzen ganz erfüllt;
Kein Trost, kein Ausweg zeigt sich hier,
AUBRYSie ist verloren! Wehe mir!
Er sinkt auf einen Stuhl am Tisch rechts
SYSTEMNr. 15 - Arie
AUBRYWie ein schöner Frühlingsmorgen
AUBRYLag das Leben sonst vor mir,
AUBRYAll mein Wünschen, all mein Sorgen
AUBRYWar ein heitrer Blick von ihr.
Er steht auf
AUBRYFlur und Wald schien nur zu leben,
AUBRYUm ihr Bild zurückzugeben,
AUBRYUnd mit süssem Zauberklingen
AUBRYNur von ihr, von ihr zu singen.
AUBRYDenn ihr Antlitz wunderhold
Lacht aus jeder Blume mir,
AUBRYAus der Abendröte Gold,
AUBRYAus der Sterne Glanzrevier.
AUBRYAch, ihr Antlitz wunderhold,
AUBRYLacht aus jeder Blume mir!
AUBRYZephir schien mit ihr zu kosen,
AUBRYNur von ihr sang Quell und Baum,
AUBRYUnd entschlummert unter Rosen
AUBRYräumte noch von ihr der Traum. -
AUBRYDoch jetzt umgibt mich dunkle Nacht,
AUBRYIch verzweifl' an Gottes Macht;
AUBRYUnheilbringende Dämonen
AUBRYScheinen die Schöpfung nur zu bewohnen.
AUBRYGrinsend hör' ich sie triumphieren,
AUBRYZum Verderben muss es führen,
AUBRYWas ich auch beginnen wollte. -
AUBRYUnd von allem, was mir droht,
AUBRYIst das minder Schreckensvolle:
AUBRYWahnsinn! Wahnsinn, oder Tod!
George Dibdin kommt von rechts hinten vor der Terrasse
SYSTEMELFTER AUFTRITT
George, Aubry zu seiner Linken
GEORGEGut, dass ich Euch noch finde, gnäd'ger Herr! Ach, nehmt Euch meiner an!
AUBRYWas hast du, George?
GEORGEWenn Ihr doch den gnäd'gen Herrn bereden könntet, mit Euch nach Davenaut zurückzukehren. Er zerstört mir meine ganze Hochzeitsfreude, er ist immer um meine Braut, spricht und tanzt beständig mit ihr; und sie thut auch, als wenn ich gar nicht auf der Welt wäre, und ist so freundlich gegen ihn, als wäre er der Bräutigam. Die jungen Burschen foppen mich schon damit, allen Hochzeitsgästen diene ich zum Gespötte; ich ertrage es nicht länger!
AUBRYUnglücklicher! Und du verliessest sie? Kehre sogleich in den Saal zurück, verlass deine Braut nie, hörst du? Nie, auch nicht auf einen Augenblick! Es ist das einzige Mittel, dich und sie vom grössten Verderben zu retten.
GEORGEIhr macht mir Angst, gnäd'ger Herr! Ihr glaubt doch nicht, dass er sie wirklich verführen würde?
AUBRYFrage nicht, geh' schnell hinein zu ihr! Ich eile nach Davenaut zurück! Gott! Gott! wie wird das enden!
George eilt ab nach rechts vor der Terrasse. Aubry geht ab nach links vor der Terrasse. Lord Ruthwen kommt nach einer Pause mit der sich etwas sträubenden Emmy im rechten Arm von rechts vorn
SYSTEMZWÖLFTER AUFTRITT
Emmy, Ruthwen zu ihrer Linken
SYSTEMNr. 16 - Duett
zeigt nach links
RUTHWENLeise dort zur fernen Laube!
EMMYGnäd'ger Herr!
RUTHWENWo wir ungestörter sind.
sich immer angstvoll nach rechts umsehend
EMMYGnäd'ger Herr, man kommt, ich glaube -
RUTHWENNicht doch, liebes süsses Kind!
EMMYJa, ja, man kommt!
RUTHWENFolge mir nur wen'ge Schritte -
EMMYGnäd'ger Herr! ach nein, ich bitte -
EMMYGeorge wird mich im Saal vermissen!
RUTHWENFurchtsam Närrchen, lass dich küssen!
Emmy will sich losreissen. Ruthwen hält sie fest umschlungen
EMMYNein, ach, lasst zurück mich gehen,
EMMYGnäd'ger Herr, ach, schonet mein!
EMMYWürde George bei Euch mich sehen,
EMMYNimmer könnt' er mir verzeihen.
RUTHWENSoll ich, ach, noch länger klagen?
Emmy wendet sich einige Schritte nach rechts
RUTHWENWird mir nie dein Auge sagen,
RUTHWENDass für mich dein Herzchen spricht?
für sich
EMMYAch, ich fühl's, mit tausend Banden
EMMYHängt mein ganzes Herz an ihm. - Ach!
für sich
RUTHWENLange hat sie widerstanden,
RUTHWENDoch sie weicht dem Ungestüm.
für sich
EMMYAch, ich fühl's, mit tausend Banden -
RUTHWENSo komm doch -
wie oben
EMMYHängt mein ganzes Herz an ihm!
RUTHWENO komm doch, komm, mein süsses Leben!
RUTHWENMeiner Augen holdes Licht!
für sich
EMMYSeinen Bitten widerstreben,
EMMYIch vermag es länger nicht.
nähert sich ihr erst jetzt wieder
RUTHWENNun, so komm, noch wen'ge Schritte -
Er umfasst sie
EMMYNein, ach, gnäd'ger Herr, ich bitte -
RUTHWENSüsses Mädchen, folge mir!
EMMYGnäd'ger Herr!
RUTHWENO folge mir!
EMMYAch, ich zittre!
RUTHWENFolge mir!
EMMYAch, ich zittre!
RUTHWENFolge mir!
Er lässt sie wieder los
RUTHWENKannst du länger grausam sein?
einen Schritt von ihm
EMMYGrausam, gegen Euch? Ach, nein!
RUTHWENFolge mir!
EMMYWohl, es sei! - Ich folge dir!
Sie sinkt an seine Brust
BEIDELeise, leis' im Mondenschimmer,
BEIDEStill und heimlich ziehn wir fort
BEIDENach dem süss verschwiegnen Ort;
BEIDEDu bist mein, ich dein auf immer!
BEIDEMond und Sterne mögen lauschen,
BEIDEWie wir Seel' um Seele tauschen,
BEIDEUnd in Liebe uns berauschen.
Sie eilen links vorn ab
James Gadshill, Richard Scrop, Robert Green, Toms Blunt alle etwas angetrunken, am meisten Blunt, kommen, jeder mit einer Weinflasche in der Tasche, von rechts vor der Terrasse
SYSTEMDREIZEHNTER AUFTRITT
Gadshill und Scrop rechts, Green und Blunt links
BLUNTKommt hierher, hier sind wir ungestört.
SCROPIm Saal ist's so heiss.
GREENUnd solch ein Lärm, dass man nicht einmal in Ruhe trinken kann.
Alle Vier setzen sich an den Tisch rechts
GADSHILLHier ist's angenehm kühl, und der klare Mondenschein -
BLUNTAch, Bruder, die Welt ist so schön!
BLUNTHast du auch eine Flasche bei dir?
zieht eine Flasche aus der Tasche
GADSHILLDas versteht sich!
ebenso
SCROPIch auch!
ebenso
GREENIch auch!
ebenso
BLUNTSiehst du, ich habe auch eine bei mir - und zwei hab' ich noch in der Tasche; denn Trinken, Bruder, siehst du, Trinken, das ist: Trinken! Es gibt viel Annehmlichkeiten in der Welt, aber doch nur drei Hauptvergnügungen.
GADSHILLAh, ich weiss schon, du meinst: Wein, Weiber und Gesang.
BLUNTDu bist ein guter Christ, aber du hast's nicht getroffen. Siehst du, Bruder, das erste ist: Trinken! und das Zweite ist: Trinken! und das dritte ist: Trinken!
Alle lachen
BLUNTHahaha! Nicht wahr, ich habe recht? Denn seht: Singen? Singen ist gut, ich singe auch, aber man kann doch nicht immer singen, man kriegt's satt. Und Weiber? O ja! o ja! - Aber - na, davon wollen wir nicht reden, das weiss ich und meine Suse am besten. Aber Trinken? Seht ihr, Trinken, das ist: Trinken!
ALLEJa, Bruder, du hast recht, Bruder!
ALLESie trinken, stehen auf und treten vor.
SYSTEMNr. 17 - Trinklied und Quintett mit Chor
BLUNTIm Herbst, da muss man trinken!
ALLEIm Herbst, da muss man trinken!
ALLEDas ist die rechte Zeit;
ALLEDa reift uns ja der Traube Blut
ALLEUnd dabei schmeckt der Wein so gut;
ALLEIm Herbst, da muss man trinken!
BLUNTIm Winter muss man trinken!
ALLEIm Winter muss man trinken!
ALLEIm Winter ist es kalt;
ALLEDa wärmet uns der Traube Blut
ALLEUnd dabei schmeckt der Wein so gut;
ALLEIm Winter, ja, da muss man trinken!
BLUNTIm Sommer muss man trinken!
ALLEIm Sommer muss man trinken!
ALLEIm Sommer ist es heiss;
ALLEDa kühlet uns der Traube Blut
ALLEUnd dabei schmeckt der Wein so gut;
ALLEIm Sommer muss man trinken, trinken!
BLUNTIm Frühling muss man trinken!
ALLEIm Frühling muss man trinken!
ALLEDa ist's nicht heiss, noch kalt!
ALLEDa labt uns erst der Traube Blut,
ALLEDa schmeckt der Wein erst doppelt gut;
ALLEIm Frühling muss man trinken, trinken! - -
ALLEJuch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
ALLEAlles schwimmt in Seligkeit!
ALLEAlles bricht in Jubel aus,
ALLESo ist's recht beim Hochzeitsschmaus!
ALLEJuch! Das ist 'ne Fröhlichkeit,
ALLEAlles schwimmt in Seligkeit!
in grösster Ausgelassenheit
ALLEJuch!
Sie setzen sich wieder. Frau Suse Blunt kommt eilig von rechts vor der Terasse
SYSTEMVIERZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen am Tisch rechts sitzend, Frau Blunt auf der linken Seite
schlägt Blunt auf die Schulter
FRAU BLUNTEndlich, Alter, find' ich dich!
Sie reisst Blunt empor
seelenvergnügt
BLUNTSuse, ja, der hier bin ich.
FRAU BLUNTLange, lang' schon hab' ich dich gesucht,
FRAU BLUNTNirgends konnte ich dich finden.
FRAU BLUNTHab' gewettert, hab' geflucht,
FRAU BLUNTGott verzeih' mir meine Sünden!
keifend
FRAU BLUNTHier bei deinen Saufkumpanen
FRAU BLUNTTreffe ich dich endlich an!
Alle stehen auf und taumeln vor
FRAU BLUNTO du ehrvergessner Mann,
FRAU BLUNTGleich gehst du mit mir von dannen!
BLUNTLiebes Weibchen, sieh nicht scheel,
BLUNTAch, ich bin so kreuzfidel.
GADSHILLFrau, was schilt sie uns denn aus,
GADSHILLHeute ist ja Hochzeitsschmaus.
FRAU BLUNTSchweigt! - Schweigt, eh' mir die Galle schwillt!
FRAU BLUNTWollt ihr noch zu mucksen wagen,
FRAU BLUNTWill ich jedem von euch sagen,
FRAU BLUNTWas er ist und was er gilt.
heimlich
BLUNTO weh!
nimmt Green mit der linken Hand und stellt ihn vor sich
FRAU BLUNTRobert Green! Ihr seid bekannt
FRAU BLUNTÜberall im ganzen Land
FRAU BLUNTAls ein schlechter Ehemann,
FRAU BLUNTDer zu gern nur dann und wann
FRAU BLUNTMag nach andern Weibern sehen,
FRAU BLUNTUnd zum Spiel und Weine gehen.
Green kratzt sich hinter dem Ohr und geht zurück
dreht Blunt zu sich
FRAU BLUNTDu, Tom, bist ein alter Narr!
FRAU BLUNTDer nichts ist und der nichts war,
FRAU BLUNTAls ein liederlicher Säufer,
FRAU BLUNTSpieler, Schlemmer, Wirtshausläufer!
Sie wendet sich nach links, stösst auf Scrop, nimmt ihn beim Kragen
FRAU BLUNTScrop, Scrop hier ist im gleichen Falle!
Sie schubst ihn beiseite, geht zu Gadshill, schlägt ihn vor die Stirn
FRAU BLUNTEuch, James Gadshill, Euch gebricht es
FRAU BLUNTAn Verstand, und kurz alle,
In der Mitte stehend, erst nach rechts, dann nach links weisend
FRAU BLUNTAlle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!
BLUNTLiebe Suse, keinen Streit,
BLUNTSieh, ich bin voll Seligkeit!
BLUNTLiebe Suse, keinen Streit,
BLUNTSieh, ich bin voll Seligkeit!
FRAU BLUNTJa, ich sag' euch, alle, alle,
FRAU BLUNTAlle, alle taugt ihr nichts!
GADSHILLStill! Nein, bei Gott, das ist zu toll!
zu Blunt
GADSHILLSagt ihr, dass sie schweigen soll.
BLUNTSuse, lass uns doch in Ruh!
ihr seine Flasche hinhaltend
BLUNTTrink' einmal!
zu Blunt
GADSHILLSagt ihr, dass sie schweigen soll!
BLUNTIch bring' dir's zu!
sehr heftig
FRAU BLUNTWie?
FRAU BLUNTWas war das? Ich soll schweigen?
GADSHILLJa, wir wollen nichts mehr hören.
BLUNTTrink' einmal!
FRAU BLUNTIch soll schweigen!
GADSHILLJa, wir wollen nichts mehr hören!
BLUNTIch bring' dir's zu!
FRAU BLUNTWer will mir den Mund verwehren!
GADSHILLAch, wir wollen nichts mehr hören!
schreiend
FRAU BLUNTNein, nein, nein, nein!
FRAU BLUNTJetzt will ich noch ärger schrein!
BLUNTLiebe Suse, lass uns doch in Ruh!
BLUNTSuse, lass uns doch in Ruh!
schlägt mit der geballten Faust auf den Tisch rechts
FRAU BLUNTNein, nein, nein, nein, nein, nein,
FRAU BLUNTNein, nein, nein, nein, nein, nein!
GADSHILLStill jetzt, still jetzt, still!
GADSHILLStille soll sie sein!
GADSHILLStill jetzt! Stille soll sie sein!
schreiend
FRAU BLUNTIch will nicht schweigen!
FRAU BLUNTWartet nur, ich will euch zeigen,
FRAU BLUNTDass ich reden will und kann!
Höhnisch, in der Mitte stehend, mit dem Rücken gegen das Publikum, mit dem Gesicht nach dem Hintergrunde, den vier Zechern zugewendet, kann sie vor Erschöpfung nicht weiter und macht eine Pause; dann noch heftiger
FRAU BLUNTHat euch, was ich sprach, verdrossen?
FRAU BLUNTNun, wohlan denn, euch zum Possen
FRAU BLUNTFange ich von vorne an!
BLUNTSuse, lass uns doch in Ruh!
BLUNTTrink einmal!
FRAU BLUNTNun, wohlan denn, euch zum Possen
FRAU BLUNTFange ich von vorne an!
BLUNTIch bring' dir's zu!
GADSHILLO schweiget still!
zu Green
FRAU BLUNTRobert Green, Ihr seid bekannt
FRAU BLUNTÜberall im ganzen Land
FRAU BLUNTAls ein schlechter Ehemann!
GADSHILLIst das Weib denn ganz von Sinnen!
FRAU BLUNTDer zu gern nur dann und wann
FRAU BLUNTMag nach andern Weibern sehen
FRAU BLUNTUnd zum Spiel und Weine gehen.
zu Blunt
GADSHILLNachbar, sprecht, was nun beginnen?
Blunt steht abgewendet und trinkt
dreht ihn zu sich herum
FRAU BLUNTDu, Tom, bist ein alter Narr,
FRAU BLUNTDer nichts ist und der nichts war,
FRAU BLUNTAls ein liederlicher Säufer,
FRAU BLUNTSpieler, Schlemmer, Wirtshausläufer,
FRAU BLUNTDer nichts ist und der nichts war,
FRAU BLUNTAls ein liederlicher Säufer!
GADSHILLIst das Weib denn ganz von Sinnen?
Blunt steht wieder abgewendet und trinkt
FRAU BLUNTScrop hier ist in gleichem Falle;
FRAU BLUNTEuch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!
GADSHILLNachbar, sagt, was nun beginnen?
BLUNTMacht's wie ich, und bleibt in Ruh,
BLUNTWird's zu arg, so lacht dazu!
BLUNT's ist ein liebes Weibchen doch,
BLUNTStosset an, sie lebe hoch!
FRAU BLUNTUnd kurz, alle, alle taugt ihr nichts!
GADSHILLHahahahahahahahahahahaha!
BLUNTStosset an, sie lebe hoch!
John Perth, George Dibdin, sämtliche Bauern kommen von rechts
SYSTEMFÜNFZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Perth nimmt die rechte Ecke. Bauern zurückstehend. George. Dann Aufwärter
George entfernt sich, Emmy suchend, nach links vorn, wo Ruthwen zuletzt mit ihr abgegangen ist
BLUNTSie lebe hoch! sie lebe hoch!
GADSHILLHahaha, hahahahahahahaha!
CHORWelcher Lärm! was ist geschehen?
CHORSaget, was bedeutet das?
BLUNTSie lebe hoch!
CHORMan kann ja kein Wort verstehen,
CHORIst es Ernst denn oder Spass?
wie vorher
FRAU BLUNTRobert Green, ihr seid bekannt
FRAU BLUNTÜberall im ganzen Land
FRAU BLUNTAls ein schlechter Ehemann,
FRAU BLUNTDer zu gern nur dann und wann
FRAU BLUNTMag nach andern Weibern sehen
FRAU BLUNTUnd zum Spiel und Weine gehen.
FRAU BLUNTDu, Tom, bist ein alter Narr,
FRAU BLUNTDer nichts ist und der nichts war,
FRAU BLUNTAls ein liederlicher Säufer,
FRAU BLUNTSpieler, Schlemmer, Wirtshausläufer.
FRAU BLUNTScrop hier ist in gleichem Falle.
FRAU BLUNTEuch, James Gadshill, Euch gebricht's am Verstande!
Sie hört gleichsam vor Erschöpfung auf
FRAU BLUNTUnd kurz, alle, alle, alle, alle, alle taugt ihr nichts!
BLUNTSuse! Suse! - Lass uns doch in Ruh!
BLUNTLiebes Weibchen, sieh nicht scheel,
BLUNTAch, ich bin so kreuzfidel!
BLUNTTrink einmal, ich bring' dir's zu!
BLUNTSie lebe hoch! sie lebe hoch! sie lebe hoch!
GADSHILLHahahahahahahahahaha!
CHORDieses Schelten, dieses Lachen,
CHORDas verwirrt uns alle noch!
CHORWollt ihr uns denn rasend machen?
CHORFrau, so schweig sie endlich still!
Einige Bauern tragen Frau Blunt jubelnd nach rechts vor der Terrasse ab. Blunt folgt ihnen.
Aufwärter räumen unauffällig den Tisch und die Stühle rechts vorn weg. Es fällt links vorn ein Schuss
SYSTEMSECHZEHNTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Blunt und seine Frau
nimmt die Mitte, spricht
PERTHHorch - was war das?
Er beobachtet nach links vorn
spricht
GREENEs fiel ein Schuss!
durcheinandersprechend
ALLEJa, ja, ein Schuss, ein Schuss!
Sie wenden sich nach der rechten Seite, so dass die linke Seite frei bleibt.
Pause.
Es fällt links vorn ein zweiter Schuss
wie oben
PERTHUnd noch einmal! Was kann das sein?
nach links vorn zeigend
ALLEAuf, eilet schnell nach jener Seite,
ALLEIm nahen Wäldchen fiel der Schuss!
PERTHDoch sehet, dort nahet diesem Platze
PERTHGeorge Dibdin sich in voller Hast!
George Dibdin kommt eilig und atemlos von links vorn
SYSTEMSIEBZEHNTER AUFTRITT
Alle auf der rechten Seite. John Perth rechts vorn. George zu seiner Linken. Dann Emmy als Leiche
angstvoll
GEORGEAch, Freunde, eilt, ach, eilet, rettet, Freunde!
PERTHSprich, George, was ist geschehn? Was ist geschehn?
GEORGEAch, Eure Emmy, Vater, ist ermordet,
GEORGEUnd ich, weh mir, erschoss den gnäd'gen Herrn!
PERTHGerechter Gott! welch grässliches Verbrechen!
PERTHSprich, Unglückseliger, wie ging das zu?
Grösste Teilnahme während der Erzählung
GEORGEVoll Eifersucht sucht' ich den gnäd'gen Herrn,
GEORGEDer meine Emmy aus dem Saal entführte.
GEORGEVergebens spähte ich den Garten durch,
GEORGEUnd kam zur Pforte bei dem nahen Wäldchen.
GEORGEDa höre ich die Stimme meiner Braut,
GEORGESie schreit um Hilfe, teuflisches Gelächter
GEORGEDes gnäd'gen Herrn dringt gleich drauf mir ins Ohr,
GEORGEIch eile hin, erblicke sie am Boden,
GEORGEIch ziehe die Pistole wutentflammt,
GEORGEIch ziele nach dem gnäd'gen Herrn, ich schiesse!
GEORGEEr stürzt zu Boden, rafft sich wieder auf,
GEORGEUnd eilt davon, ich hin zu Eurer Tochter!
GEORGEWeh mir! voll Blut und leblos liegt sie da!
Vier Bauern eilen ab nach links vorn
GEORGEBesinnungslos, nur meiner Rache folgend,
GEORGEStürz' ich ihm nach, dem Grafen! Ein zweiter Schuss
GEORGEEreilt ihn bei dem Erdfall nah am Garten,
GEORGEEr stürzt hinab! Erstarrt steh' ich am Rande.
GEORGEGekühlt war meine Rache; mit Entsetzen
GEORGEErkenn' ich meine schaudervolle Tat!
GEORGEAch, grässlich war es anzusehen, wie
GEORGEDer Mond das blasse Antlitz hell beschien,
GEORGEDer hoch herab vom Himmel in die Kluft sah.
GEORGENicht Ruhe hab' ich mehr auf dieser Erde.
GEORGEEilt, seht, ob Eure Tochter noch zu retten,
GEORGEMich treibt die Untat in die weite Welt!
Er stürzt ab nach links hinten vor der Terrasse.
Die vier Bauern bringen von links vorn auf einer Trage die Leiche Emmys und stellen sie in der Mitte nieder
ruft aus
PERTHMein Kind, mein armes Kind!
Er bricht an der Trage zusammen. Alle nähern sich und knieen nieder
SYSTEMNr. 18 - Chor
CHORFreuden und Leiden im irdischen Leben
CHORWechseln so rasch, wie die Stunden entschweben!
CHORWir zogen so fröhlich und munter daher,
CHORZu vereinen die Braut mit dem Gatten.
CHORAch, und jetzt gehen wir bange und schwer,
CHORIhre Leiche zur Gruft zu bestatten!
SYSTEMVIERTER AUFZUG
Festlich geschmückter Säulensaal im Schlosse des Lord von Davenaut
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Edgar Aubry allein, kommt von links über die Estrade
AUBRYVergebens sinne ich hin und her, kein Mittel zeigt sich mir, die schreckliche Tat zu verhüten! Malwina muss ich sprechen, sie beschwören, Aufschub zu gewinnen, nur wenige Stunden, nur so lange, bis die Zeit verflossen, in welcher jener fürchterliche Eid meine Zunge fesselt. Ach, wird sie es können? Ich muss sie warnen, warnen, auch nicht der leisesten Hingebung zu jenem schrecklichen Wesen Raum zu geben, sei es aus Wohlwollen, sei es aus Mitleid. Einmal ihm verfallen, vermag nichts mehr, sie zu retten.
Malwina kommt hochzeitlich gekleidet von rechts über die Estrade
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Malwina, Aubry zu ihrer Linken
in heftiger Bewegung in seine Arme sinkend
MALWINAEdgar!
Pause
AUBRYMalwina! - Du hast geweint!
Pause
MALWINAAch, umsonst habe ich meinen Vater mit Tränen gebeten, den Gedanken an jene verhasste Verbindung aufzugeben; vergebens ihn beschworen, mir nur Aufschub zu gewähren; fest beharrt er auf seinem Sinn, fühllos gegen meine Leiden. Die Gäste sind versammelt, die Kapelle geschmückt, nur die Rückkunft des Grafen wird erwartet, um mein Unglück durch Priestersegen zu heiligen.
Sie wendet sich ab und weint bitterlich
MALWINAVor der Kapelle steht der Wagen des Grafen, um sogleich nach der Trauung -
SYSTEMNr. 19 - Duett
AUBRYHalt ein, ich kann es nicht ertragen,
AUBRYDu bist verloren! Wehe dir!
AUBRYUnd wehe mir, ich muss verzagen,
AUBRYNur Wahnsinn bleibt, Verzweiflung mir!
AUBRYO dürft' ich rasch mit eignen Händen
AUBRYDies martervolle Dasein enden!
MALWINAO lass, Geliebter, dich beschwören,
MALWINAErsticke nicht den frohen Mut!
MALWINANoch lebt ein Gott, er kann uns hören,
MALWINAWill er, so endet alles gut!
MALWINALass uns mit kindlichem Vertrauen
MALWINAAuf seine Vaterhilfe bauen.
für sich
MALWINAAch, ich darf ihm ja nicht sagen,
MALWINADass auch ich nicht Trost noch Rettung finde,
MALWINAMuss allein den schweren Kummer tragen,
MALWINADass ihm nicht die letzte Hoffnung schwinde!
für sich
AUBRYAch, ich muss ihr ja verschweigen,
AUBRYWelch Verderben ihr genüber steht;
AUBRYDarf ihr nicht den finstern Abgrund zeigen,
AUBRYDem sie rettungslos entgegengeht!
laut zu Malwina
AUBRYEs drängt die Zeit, Malwina, lass dich warnen,
AUBRYO zögre nur, bis der Tag erwacht;
AUBRYArglistig ist und gross der Hölle Macht,
AUBRYMit bösem Zauber weiss sie zu umgarnen.
MALWINAWas redest du? Was hätt' ich zu befahren?
MALWINAIch fürchte nur des Vaters streng' Gebot!
MALWINAVor allem, was mir sonst Verderben droht,
MALWINAWird mich mein Herz, mein reiner Sinn bewahren!
in frommer Begeisterung
MALWINAWer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
MALWINAIm treuen Busen reine Liebe hegt,
MALWINADem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
MALWINAKein böser Zauber kann ihn je erreichen!
entzückt
AUBRYSei mir gegrüsst, du schönes Himmelslicht,
AUBRYDas prangend durch die Nacht des Zweifels bricht!
AUBRYMit lautem Jubel, wie aus lichten Sphären,
AUBRYJauchzt es mir zu mit tausend Engelchören!
gesteigert
BEIDEWer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
BEIDEIm treuen Busen reine Liebe hegt,
BEIDEDem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
BEIDEKein böser Zauber kann ihn je erreichen!
Aubry geht mit dem Einsatz der Trompeten, welcher die Hochzeitsgäste ankündigt, nach rechts.
Malwina wendet sich gleichzeitig mit einigen Schritten nach links. Der Hochzeitszug kommt von rechts über die Estrade. Acht Jäger mit Fahnen eröffnen den Zug; es folgen vier Diener, acht Blumenmädchen, sechs Paar Edelherren und Damen, zwei Brautjungfern mit Kranz und Schleier, Sir Humphrey Lord von Davenaut, zwölf Guirlandenmädchen, Bauern und Bäuerinnen von Davenaut
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der Hochzeitszug
SYSTEMNr. 20 - Finale
CHOR DER GÄSTEBlumen und Blüten im Zephyrgekose,
CHOR DER GÄSTELieblich entfaltet dem schmeichelnden West,
CHOR DER GÄSTEBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
CHOR DER GÄSTEWinden wir dir zu dem heutigen Fest.
DAVENAUTIhr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier
DAVENAUTMit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
DAVENAUTMein einzig Kind, dem Vaterherzen teuer,
DAVENAUTVermähle ich dem edlen Gatten heut'!
für sich
MALWINADein Wille, Herr im Himmel, mag geschehen,
MALWINAIn gläub'ger Demut unterwerf' ich mich;
MALWINAO lass ein Zeichen deiner Huld mich sehen,
MALWINAIch bin ja dein Geschöpf, erbarme dich!
für sich
AUBRYSchon senkte sich ein Engel tröstend nieder
AUBRYMit schöner Hoffnung ros'gem Dämmerschein;
AUBRYDoch rasch durchbebt mich kaltes Grausen wieder,
AUBRYHohnlachend stürmt die Hölle auf mich ein!
AUBRYO Herr, erbarme dich!
DAVENAUTIhr Freunde, kommt, beginnt die Hochzeitsfeier!
CHORJa, Freunde, auf, beginnt die Hochzeitsfeier
CHORMit frohem Sinn und heitrer Fröhlichkeit;
CHORDas einz'ge Kind, dem Vaterherzen teuer,
CHORVermählet er dem edlen Gatten heut'!
CHORSinget laut und jubelt froh!
Der Haushofmeister kommt mit zwei Dienern von rechts über die Estrade.
Lord Ruthwen tritt wild und verstört, ohne Mantel, unmittelbar hinter den Dienern ein.
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lord Ruthwen. Der Haushofmeister. Die beiden Diener
spricht meldend
HAUSHOFMEISTERDer Graf von Marsden!
Davenaut geht Ruthwen entgegen und geleitet ihn vor. Ruthwen tritt zwischen Aubry und Davenaut.
Der Haushofmeister nimmt mit den beiden Dienern hinter den Brautjungfern Aufstellung.
Begrüssung von allen Seiten
wankt, Ruthwen erblickend, einige Schritte nach links, für sich; singt
MALWINAAllgerechter!
beiseite
AUBRYWeh, Entsetzen!
CHORHa, willkommen!
DAVENAUTHa, willkommen!
zu Davenaut
RUTHWENSir, entschuld'gen kann ich nicht,
RUTHWENDass ich säumt' in meiner Pflicht,
RUTHWENHab' ich doch mein Glück verschoben;
RUTHWENMeinen Fehler wollt' ich loben,
RUTHWENPreisen noch mein Missgeschick,
zärtlich zu Malwina
RUTHWENZürnte auch Myladys Blick
RUTHWENAuf den läss'gen Bräutigam,
RUTHWENDer so spät zur Hochzeit kam.
DAVENAUTSpart die Worte, lieber Sohn,
DAVENAUTAlles ist bereitet schon!
DAVENAUTAuf denn, fort, hin zur Kapelle,
DAVENAUTDort will ich an heil'ger Stelle
DAVENAUTBei des Priesters frommem Segen
DAVENAUTIhre Hand in Eure legen.
Aubry zieht sich beobachtend mehr und mehr zurück
stürzt verzweifelt zu ihrem Vater, ihn mit bittenden Gebärden anflehend
MALWINAAch, mein Vater, habt Erbarmen!
weist sie zurück; zu den Anwesenden
DAVENAUTAuf, Freunde, auf!
MALWINAAch, habt Erbarmen, ach, mein Vater!
wie oben
DAVENAUTMit heiterm Sang begleitet unsern Hochzeitsgang!
für sich
AUBRYStarr und leblos steh' ich da! -
AUBRYO Gott, wie wird das enden!
für sich
MALWINAWehe mir! ach, weh' mir Armen! -
laut
MALWINAMein Vater!
für sich
RUTHWENHa! Triumph! Das Ziel ist nah!
RUTHWENSie ist in meinen Händen!
RUTHWENTriumph! Das Ziel ist nah!
DAVENAUTAuf! Freunde, auf, mit heiterm Sang
DAVENAUTBegleitet unsern Hochzeitsgang,
DAVENAUTAuf, Freunde, auf!
Er führt Malwina an sich vorüber Ruthwen zu. Die Blumenmädchen streuen nach dem Ausgang hin Blumen. Die Edelherren reichen ihren Damen die Hand. Ruthwen fasst in zärtlicher Haltung Malwinas Hand, um sie zu führen.
CHORMöchte die Zukunft die heitersten Lose,
CHORRosen gleich, dir auf den Lebenspfad streun;
CHORBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
CHORWie wir heut' Blumen -
Alle machen während des Chors eine leichte Bewegung zum Abgang nach dem Hintergrunde zu
tritt heftig zwischen Malwina und Ruthwen
AUBRYHaltet ein! -
AUBRYNein, nimmermehr soll sie dein Opfer sein!
Allgemeine Bestürzung. Alle wenden sich erstaunt nach vorn. Malwina lässt Ruthwen los. Ruthwen wendet sich mit einigen Schritten nach rechts vorn
CHORHa! was ist das?
CHORWelch seltsames Beginnen!
tritt zwischen Ruthwen und Aubry
DAVENAUTTörichter Knabe!
DAVENAUTWeiche schnell von hinnen!
DAVENAUTUnsinniger, hinweg mit dir! zurück!
DAVENAUTZu weit treibt dich strafbare Leidenschaft.
AUBRYHa, nimmermehr! Es drängt der Augenblick!
Er umschlingt Malwina
AUBRYIch fühle Mut in mir und Kraft,
AUBRYIch will und muss die Heissgeliebte retten!
DAVENAUTHa, werft den Rasenden in Ketten!
Die beiden Diener beim Haushofmeister treten vor und gehen auf Aubry los. Aubry geht mit Malwina, die er fest umschlungen hält, ganz vor
CHORHa! was ist das? Welch seltsames Beginnen?
AUBRYFest will ich sie umklammern und umfassen
AUBRYUnd nur mit meinem Leben lassen!
DAVENAUTHinweg mit ihm!
CHORHa! was ist das?
DAVENAUTTrennt sie, er ist von Sinnen!
AUBRYHa, nimmermehr!
Die beiden Diener trennen Aubry und Malwina mit Gewalt
AUBRYAch, habt Erbarmen!
AUBRYBetrogner Vater, ach, Ihr wisst nicht, was Ihr thut!
AUBRYVerloren Euer Kind, noch eh' der Morgen graut,
AUBRYBestimmt Ihr sie zu dieses Scheusals Braut.
DAVENAUTWie, Rasender!
CHORWas ist das?
DAVENAUTDu wagst den Mann zu schmähen,
DAVENAUTDen sich dein Lord zum Eidam ausersehen?
DAVENAUTHa, fürchte meines Zornes Wut!
für sich
RUTHWENDie Zeit vergeht!
RUTHWENEs wird zu spät! -
RUTHWENGrausen bebt durch meine Glieder!
RUTHWENDie Zeit vergeht, es wird zu spät!
RUTHWENGrausen bebt durch meine Glieder!
für sich
MALWINAMut und Vertrauen verlassen mich,
MALWINAVater im Himmel, erbarme dich!
unter sich
CHORWie die Sache auch sich wende,
Weh, das nimmt kein gutes Ende,
CHORWas ich höre, was ich sehe,
CHORDeutet mir des Unglücks Nähe!
AUBRYHa, trauet dem Verruchten nicht!
AUBRYSeht das verworfne Angesicht!
AUBRYSein Auge flammet Höllenglut!
AUBRYEr lechzet schon nach ihrem Blut!
AUBRYIhr seht sie niemals, niemals wieder!
CHORWeh! was war das? Welch seltsames Beginnen?
RUTHWENDer hoffnungslosen Liebe Glut,
RUTHWENSie tobt in ihm mit wilder Wut!
RUTHWENHa, fesselt seinen Ungestüm,
RUTHWENIhr hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!
DAVENAUTJa, fesselt seinen Ungestüm!
DAVENAUTMan hört, der Wahnsinn spricht aus ihm!
DAVENAUTHinweg mit ihm, er ist von Sinnen!
DAVENAUTHinweg mit ihm!
RUTHWENJa, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen!
CHORHa, fesselt seinen Ungestüm! - Ja! -
CHORMan hört, der Wahnsinn - ja - spricht aus ihm!
CHORJa, hinweg mit ihm, er ist von Sinnen,
CHORHinweg mit ihm!
Die beiden Diener drängen Aubry etwas weiter zurück
ausser sich
AUBRYMalwina, höre mich!
AUBRYIn Todesangst beschwör' ich dich!
AUBRYVerderben droht dir diese Nacht!
AUBRYO zögre nur, bis der Tag erwacht,
AUBRYO zögre nur -
Die beiden Diener schleppen Aubry nach links ab
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Die Vorigen ohne Aubry Dann Aubrys Stimme
DAVENAUTHinweg!
für sich
RUTHWENDie Zeit vergeht, es wird zu spät!
RUTHWENGrausen bebt durch meine Glieder!
für sich
MALWINAMut und Vertrauen verlassen mich,
MALWINAVater im Himmel, erbarme dich!
ausserhalb
AUBRYMalwina! - Malwina! -
CHORHinweg! Wie die Sache auch sich wende,
CHORWeh! das nimmt kein gutes Ende!
CHORWas ich höre, was ich sehe,
CHORDeutet mir des Unglücks Nähe!
zu Davenaut
RUTHWENDie Zeit vergeht, es wird zu spät,
RUTHWENLasst uns rasch zum Werke schreiten.
DAVENAUTIhr Freunde, auf, mit heiterm Sang
DAVENAUTBegleitet unsern Hochzeitsgang.
MALWINAVater! ach, Vater! lass mit Zähren dich beschwören!
MALWINAVater! ach, Vater! Hab' Erbarmen mit mir Armen!
MALWINAMeine Kräfte fühl' ich schwinden,
MALWINAO lass die Tochter Mitleid finden!
MALWINAO gönn' mir Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
MALWINAAch, lass uns bis morgen weilen!
CHORO gönnt ihr Zeit, der Tag ist nicht mehr weit!
CHORWarum so hastig eilen?
RUTHWENMich drängt die Zeit!
DAVENAUTSprecht, kann es sein!
RUTHWENIhr wisst, was Pflicht gebeut!
DAVENAUTIch will'ge gerne ein!
RUTHWENIch darf nicht länger weilen!
DAVENAUTSir, lasst uns bis morgen weilen.
RUTHWENNein! nimmermehr! Es kann und darf nicht sein.
RUTHWENIhr gabt mir Euer Wort,
RUTHWENWollt Ihr es ehrlos brechen?
heftig
DAVENAUTHa! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen?
RUTHWENWollt Ihr es ehrlos brechen?
DAVENAUTHa! Wer wagt es, so mit mir zu sprechen!
DAVENAUTAuf! auf denn, zur Trauung fort!
Er will Malwinas Hand fassen, um sie Ruthwen zuzuführen. Allgemeine Bewegung zur Zugordnung
widerstrebend
MALWINANein, nimmermehr!
DAVENAUTAuf, zur Trauung fort!
Er fasst energisch Malwinas Hand
energisch
MALWINAIch will'ge niemals ein!
Sie reisst sich los und flieht einige Schritte nach links
DAVENAUTAuf, Freunde, fort!
MALWINAHa, nicht Liebe, nur Entsetzen
MALWINAFühle ich für diesen Mann.
Bewegung
DAVENAUTHa! wagst du's, dich zu widersetzen?
DAVENAUTHa! Verräterin! Wohlan!
DAVENAUTSo treffe dich - des Vaters Fluch!
MALWINAWeh!
Malwina wankt und droht zu sinken. Allgemeine grosse Bewegung. Die nahestehenden Edeldamen treten erschreckt an Malwina heran und unterstützen sie. Allgemeine Teilnahme für Malwina
CHORWas ist geschehn!
selbst ist tief ergriffen und gibt mit Widerstreben den Befehl für den Hochzeitszug
DAVENAUTAuf! beginnt den Hochzeitszug!
Die zwei Brautjungfern treten heran und schmücken Malwina mit Kranz und Schleier
CHORWie nach verderblichem Wettergetose
CHORLächelt die Freude mit heiterem Blick,
CHORBlume des Hochlands, du Davenaut-Rose,
CHORWende sich jede Gefahr dir zum Glück!
Der Zug ordnet sich. Es zieht sich ein Gewitter zusammen, der Saal verdunkelt sich ein wenig.
Die Jäger treten von den Stufen und bilden Spalier. Die Blumenmädchen paarweise in der Mitte.
Die Guirlandenmädchen rechts und links im Mittelgrund. Davenaut reicht Malwina die linke Hand und macht mit ihr eine Wendung nach hinten, so dass Malwina die Mitte gewinnt. Ruthwen tritt ihr zur Seite, sobald sie die Mitte erreicht hat und gibt ihr seine rechte Hand. Ruthwen, Malwina, Davenaut beginnen den Zug nach hinten. Die beiden Brautjungfern folgen. Die Edelpaare ebenso. Leichter Donner
links ausserhalb
AUBRYVergebens hemmt ihr meines Wahnsinns Stärke,
AUBRYIch muss hinein!
AUBRYZertrümmern will ich dieses Dämons Werke.
CHORMan muss den Eingang ihm verwehren!
Ruthwen, Malwina und Davenaut sind an den Stufen zur Estrade angelangt. Edgar Aubry gehalten von den beiden Dienern, die mit ihm abgegangen sind, stürzt von links über die Estrade bis zur Mitte vor den Vorhang zur Kapelle
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Aubry. Die beiden Diener an seiner Seite, ihn haltend. Dann der Vampyrmeister. Dann ein Priester und zwei Chorknaben
in grösster Erregung
AUBRYHaltet ein!
Mit dem letzten Worte heftiger Donnerschlag. Alle wenden sich nach vorn. Aubry reisst sich von den beiden Dienern los und stürzt vor, Ruthwen zur Linken. Malwina eilt an Davenaut vorüber nach der linken Ecke
für sich
RUTHWENIch bin verloren! Wehe mir!
auf Ruthwen weisend
AUBRYWisst, dieses Scheusal der Natur -
Das Gewitter dauert fort
RUTHWENAubry! Gedenk' an deinen Schwur -
RUTHWENVerderben drohet dir!
entsetzt
CHORWeh'!
wie oben
AUBRYNicht zag' ich vor des Ew'gen Grimme -
CHORWeh'!
AUBRYLaut ruf' ich es mit Donnerstimme:
zu Aubry
RUTHWENVerderben drohet dir!
wie oben
CHORWeh', was werd' ich hören?
Donner
wie oben
AUBRYDieses Scheusal hier -
Donner
für sich
RUTHWENZermalmung bebt durch meine Glieder!
RUTHWENGottes Donner wirft mich nieder! Wehe mir!
mit grösster Kraft
AUBRYDieses Scheusal hier,
AUBRYIst ein Vampyr!
Es schlägt mit der zweiten Silbe des letzten Wortes Eins
mit dem Ausruf des Entsetzens
ALLEWeh'!
Es wird plötzlich Nacht. Die Lichter erlöschen. Der Vampyrmeister steigt von unten herauf. Fürchterlicher Blitz, Donner und Einschlag. Ruthwen stürzt vernichtet dem Vampyrmeister zu Füssen.
Vampyrmeister packt ihn unter jubelndem Hohngelächter der Hölle und versinkt mit ihm. Flammen schlagen hinter beiden empor. Alle stehen leblos, wie versteinert, in einer Gruppe des Entsetzens. Malwina ist links vorn in die Kniee gesunken. Die Edeldamen bemühen sich um sie. Die Mädchen sind wie Malwina in die Kniee gesunken.
Grosse Pause.
Das Gewitter endet, es wird wieder hell, die Lichter brennen wieder. Alle erholen sich nach und nach und stehen, Malwina ausgenommen, auf
scheu und tonlos
CHORHa! Was war das? Was ist geschehen hier?
DAVENAUTGott, mein Kind, welch Unglück drohte dir!
erhebt sich erst jetzt, mit erhobenen Händen zum Himmel
MALWINAWer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
MALWINAIm treuen Busen reine Liebe hegt,
MALWINADem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
MALWINAKein böser Zauber kann ihn je erreichen!
in betender Stellung
MALWINAWer Gottesfurcht im frommen Herzen trägt,
MALWINAIm treuen Busen reine Liebe hegt,
MALWINADem muss der Hölle dunkle Macht entweichen,
MALWINAKein böser Zauber kann ihn je erreichen!
DAVENAUTVerloren hab' ich meine Vaterrechte!
DAVENAUTGeliebte Tochter, kannst du mir verzeihen?
DAVENAUTAuf dass ich sie zurückgewinnen möchte,
DAVENAUTWill ich mit heissem Vatersegen
DAVENAUTJetzt diese Hand in deine legen!
zu Aubry
DAVENAUTDu sollst mein Sohn und meines Namens Erbe sein!
Er vereinigt die Liebenden
beglückt
MALWINATief im innersten Gemüte
MALWINAFühl' ich dankbar deine Güte,
MALWINAVater, Worte hab ich nicht.
ebenso
AUBRYDarf ich's glauben, darf ich's hoffen?
AUBRYAch, den Himmel seh' ich offen!
AUBRYDiese Wonne trag' ich nicht.
Der Vorhang zur Kapelle hinten wird geöffnet; es zeigt sich die Schlosskapelle mit dem Altar in der Mitte.
Der Priester wendet sich mit den beiden Chorknaben nach vorn, um Segen spendend das Brautpaar zu empfangen. Abermalige Ordnung zum Zug
CHORPrangend aus des Verderbens Schoss
CHORErblühte euch das schönste Los;
CHORSo steiget aus der finstern Nacht
CHORDer Tag empor mit Strahlenpracht;
CHORDem Ewigen sei Preis und Dank!
CHORIhm schalle unser Lobgesang!
MALWINADem Ewigen sei Preis und Dank!
MALWINAIhm schalle unser Lobgesang!
Die Mädchen streuen Blumen. Aubry reicht Malwina die rechte Hand und wendet sich nach hinten zur Trauung. Die Brautjungfern, Davenaut und die Andern folgen