An Chloë
Mozart, Wolfgang Amadeus
Wenn die Lieb' aus deinen blauen,
Hellen, offnen Augen sieht,
Und vor Lust hineinzuschauen,
Mir's im Herzen klopft und glüht;
Und ich halte dich, und küsse
Deine Rosenwangen warm;
Liebes Mädchen, und ich schließe
Zitternd dich in meinem Arm!
Mädchen, Mädchen! und ich drücke
Dich an meinen Busen fest,
Der im letzten Augenblicke
Sterbend nur dich von sich läßt;
Den berauschten Blick umschattet
Eine düstre Wolke mir;
Und ich sitze dann ermattet,
Aber selig, neben dir;
Liebe, Liebe! welche Stunde!
Welch ein Jubel, o Natur!
O dann schwör' ich unserm Bunde
Meinen feyerlichen Schwur;
Wie man schwur in jenen Jahren,
Als das Mädchen, ungeübt,
Und der Jüngling unerfahren,
Sich in Einfalt noch geliebt.
Wie man schwur, sich nie zu lassen,
Nicht im Glück, und nicht in Noth;
Sich getreulich zu umfassen,
Und zu gehen in den Tod;
Ohn' einander nichts zu haben;
Alles, alles mein und dein!
Und die guten Seelen gaben
Sich ein goldnes Ringelein:
„Willst du mir getreu verbleiben,
„Bis das Herz im Grabe ruht?
„Liebchen komm! wir unterschreiben
„Es mit unserm eignen Blut.“
Und sie schrieben: Flammenzüge,
Nicht zu tilgen von der Zeit!
Furchten sich geheimer Lüge;
Lasen schaudernd ihren Eid.
Blasser war der Jüngling; schwächer
Wurde seiner Stimme Ton;
Denn es warnten ihn, als Rächer,
Winkende Gespenster schon.
Über seines Mädchens Lippe
Fuhr des Todes kalte Hand,
Dessen nackendes Gerippe
Neben ihr, als Zeuge, stand.
Keine Ruh' an keiner Stelle,
Wenn das goldne Ringlein brach:
Elend und die ganze Hölle
Folgte dem Verräther nach.