Das Kinderspiel

Mozart, Wolfgang Amadeus

Wir Kinder, wir schmecken

Der Freuden recht viel,

Wir schäkern und necken,

Versteht sich im Spiel;

Wir lärmen und singen

Und rennen rundum,

Und hüpfen und springen

Im Grase herum.

Warum nicht? - Zum Murren

Ist's Zeit noch genug!

Wer wollte wohl knurren,

Der wär' ja nicht klug.

Wie lustig steh'n dorten

Die Saat und das Gras!

Beschreiben mit Worten

Kann keiner wohl das.

Ha, Brüderchen, rennet

Und wälzt euch im Gras!

Noch ist's uns vergönnet,

Noch kleidet uns das!

Ach, werden wir älter,

So schickt's sich nicht mehr,

Dann treten wir kälter

Und steifer einher.

Ei, seht doch, ihr Brüder,

Den Schmetterling da!

Wer wirft ihn uns nieder?

Doch schonet ihn ja!

Dort flattert noch einer,

Der ist wohl sein Freund,

O schlag' ihn ja keiner,

Weil jener sonst weint.

Wird dort nicht gesungen?

Wie herrlich das klingt!

Vortrefflich, ihr Jungen,

die Nachtigall singt.

Dort sitzt sie, dort oben

Im Apfelbaum, dort;

Wir wollen sie loben,

So fährt sie wohl fort.

Komm Liebchen hernieder

Und lass' dich beseh'n!

Wer lehrt dich die Lieder?

Du machst es recht schön!

O lass' dich nicht stören,

Du Vögelchen du!

Wir alle, wir hören

So gerne dir zu.

Wo ist sie geblieben?

Wir seh'n sie nicht mehr.

Da flattert sie drüben.

Komm wieder hier her!

Vergeblich, die Freude

Ist diesmal vorbei:

Ihr tat wer zu Leide,

Sei, was es auch sei.

Laßt Kränzchen uns winden,

Viel Blumen sind hier.

Wer Veilchen wird finden,

Empfängt was dafür.

Ein Mäulchen zur Gabe

Gibt Mutter, wohl zwei.

Juchheisa! Ich habe,

Ich hab' eins, juchhei!

Ach, geht sie schon unter,

Die Sonne, so früh?

Wir sind ja noch munter,

Ach, Sonne verzieh'!

Nun morgen, ihr Brüder,

Schlaft wohl, gute Nacht!

Ja, morgen wird wieder

Gespielt und gelacht.