Das Lied der Trennung

Mozart, Wolfgang Amadeus

Die Engel Gottes weinen,

Wo liebende sich trennen!

Wie werd ich leben können,

O Mädchen, ohne dich?

Ein Fremdling allen Freuden,

Leb' ich fortan dem Leiden!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Mich fern vorüberfliegen

Wird jegliches Vergnügen,

Ach! sonst so gern um mich!

Für dieses Herz voll Trauer

Ist keine Lust von Dauer!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Im Wachen und im Traume

Werd' ich Luisa nennen!

Den Namen zu bekennen,

Sey Gottesdienst für mich!

Ihn nennen und ihn loben

Werd' ich vor Gott noch droben!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Gemalt mit Feuerflammen

Des Engels Reiz zusammen

In dieses Herz hab' ich!

Dieß Eigenthum bestreiten

Soll keine Macht der Zeiten!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Der kleinste Blick der Sonne

Gemahnt an jene Wonne

Der schönsten Augen mich!

Aus jedem Sterne leuchtet

Ein Blick, der Liebe beichtet!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Wie aus dem bessern Leben

Ein Harfenlaut, umschweben

Die schönsten Worte mich!

Ihr Lächeln, rein und bieder,

Scheint mir im Herzen wieder!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Ihr Singen, Gott! ihr Singen! - - -

Indem sie sang, vergingen

Die Welten all' um mich!

Ach! Ohr und Herz erklangen

Mit süßem, wirren Bangen!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

An allen! allen Enden

Verfolgt von ihren Händen

Ein Druck der Liebe mich;

Ich zittre, sie zu fassen,

Und - - finde mich verlassen!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Die abgeschiednen Seelen

Der Küsse, nicht zu zählen,

Umschatten alle mich!

Es weht, wie Blüthenregen

Ihr Athem mir entgegen!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Aufzählen alle Pfänder

Der frohen Liebe, Bänder

Und Lockenhaar will ich!

"Sie! Sie hat das getragen!"

Will ich mit Schluchzen, sagen!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Die Brief' aus schönern Tagen,

Sie liegen aufgeschlagen,

Wie Himmelsbuch, um mich!

Von Thränenfluth verschlissen

SYSTEMIst manches Bild von Küssen!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Dieß Herz, von ihr geschnitten,

Scheint, seufzend, mich zu bitten:

"O Freund, gedenk' an mich!"

Ach! dein will ich gedenken,

Bis sie ins Grab mich senken!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Das Tuch, das einzusaugen

Das Leid der schönsten Augen

So glücklich war, hab' ich!

Ach! bis zu meinem Grabe

Bleibts meine höchste Habe!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Das Haar zu diesem Ringe,

Das war die goldne Schlinge;

Allmächtig fing sie mich!

Ach! gegen dieß verachten

Würd' ich des Moguls Schachten!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ich kann sie nicht vergessen!

Nur immer! immer senke

Das letzte der Geschenke

Das welke Veilchen, sich!

Sie pflückt' es eigenhändig;

Drum blüht es hier beständig!

Und du? - - Vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Vergessen raubt in Stunden,

Was Liebe Jahrlang spendet!

Wie eine Hand sich wendet,

So wenden Herzen sich!

Wenn neue Huldigungen

Mein Bild bey ihr verdrungen,

O Gott! vielleicht auf ewig

Vergißt Luisa mich!

Ach! denk' an unser Scheiden!

Dieß thränenlose Schweigen,

Dieß Auf- und Niedersteigen

Des Herzens drücke dich,

Wie schweres Geisterscheinen,

Wirst du wen anders meinen,

Wirst du mich einst vergessen,

Vergessen Gott und dich!

Ach! denk' an unser Scheiden!

Dieß Denkmal unter Küssen

Auf meinen Mund gebissen,

Das richte mich und dich!

Dies Denkmal auf dem Munde,

Komm' ich, zur Geisterstunde,

Mich, warnend, anzuzeigen,

Vergißt Luisa mich.