Ode auf St. Caecilia

Mozart, Wolfgang Amadeus

Durch Harmonie, durch Himmels Harmonie

entstand das ganze Weltgebäu.

Natur lag unter einer Last

uneiniger Atom,

ihr Haupt gesenkt hinab.

Die Silberstimm' erklang von fern:

ersteh! Ersteh! Ersteh! du mehr als tot.

Und kalt, und warm, und feucht, und trocken nahm

jedes seinen eig'nen Platz,

gehorsam der Musik.

Durch Harmonie, durch Himmels Harmonie

entstand das ganze Weltgebäu.

Durch Harmonie, durch Himmels Harmonie entstand das ganze Weltgebäu.

Durch den Bezirk der Noten irrte sie, und die Oktave

schloß zuletzt der Mensch.

Leidenschaften stillt und weckt Musik.

Als Jubal einst die Saiten schlug, da stand und

lauschte der Brüder Schar,

und wundernd fiel sie

auf 's Gesicht zu ehren diesen Himmelston.

O nur ein Gott, so dachten sie, wohnet drin in dem

Gewölb' des Saiten spiels,

das tönt so süß, das tönt so schön.

Leidenschaften stillt und weckt Musik.

Trompete, dein Schmettern

erweckt uns zum Streit

mit hellerem Zorn laut

und tödlichem Lärm.

Der Trommel Doppelschlag rollt

wie Donner hohl,

schreit: horch! Der Feind kommt!

Greift an! Denn zur Flucht ist's zu spät.

Der Flöte Klageton besetzt

in Trauernoten, die Qual

trostloser Liebe,

zu Grabe wispert sie, die sanfte Laute.

Scharf klingt der Geigenton

von Eifersucht und von Verzweiflung,

Wut und Rasen und Erbitt'rung tiefer

Qual und höchster Liebe

für die stolze Siegerin.

Doch o! Wer preiset ganz

und wer erhebt genung

der heil'gen Orgel Lob?

Sang, der Gottheits Liebe weckt.

Sang, des auf zum Himmel fleugt

und zum Engelchore stimmt.

Orpheus gewann ein wildes Volk

und Baum entwurzelt folgten ihm,

sie zog der Ton seiner Leier.

Doch Du, Caecilia, tat'st der Wunder mehr,

wenn zu der Orgel Deine Stimm'er klang,

denn Seraphim erschienen schnell, im Wahn,

hier sei der Himmel.

Wie durch die Macht des heil'gen Sang's,

der Sphären Tanz begann,

und Seligen des Schöpfers Preis

durch's All des Welt ertönt.

So, wenn der letzte Schreckenstag zerstückte

Schöpfung dich verzehrt.

schallt die Posaune von der Höh'.

Was tot ist lebt, was lebet stirbt,

und Musik tönt die Welt zu Grab.