La Betulia liberata

Mozart, Wolfgang Amadeus

Das befreite Bethulien

OZIA (Tenor)

GIUDITTA (Alt)

AMITAL (Sopran)

ACHIOR (Bass)

CABRI (Sopran)

CARNI (Sopran)

CHORassyrische und hebräische Krieger, Volk von Bethulien

SYSTEMOuvertüre

SYSTEMERSTER TEIL

Ozia, Amital, Cabri und Chor

SYSTEMRezitativ

OZIAVolk von Betulia, ach welch schändliche

OZIAOhnmacht befängt euch! Bleich und traurig

OZIAsteht ihr alle um mich her! Es ist wahr,

OZIAhartnäckig belagern uns die Assyrer;

OZIAdoch wir sind noch nicht besiegt. Gebt so rasch

OZIAihr euch dem Unglück preis? Eure Angst

OZIAfürchte ich mehr als jene. Von all unseren

OZIAÜbeln ist dies das schlimmste: es lähmt in uns

OZIAden Widerstand. Jeder Sturm,

OZIAso schwach er auch sei,

OZIAbringt Unglück dem Steuermann, der verzagt.

OZIAVon all unseren Vergehen ist

OZIAgottlose Furcht das grösste; sie gleicht

OZIAeinem Angriff auf des Ewigen Mitleid.

OZIAWer verzweifelt, liebt nicht, glaubt nicht,

OZIAdenn Glauben, Liebe und Hoffnung

OZIAsind drei Fackeln, die gemeinsam scheinen,

OZIAund keine gibt Licht ohne die andere.

SYSTEMRezitativ

CABRIUnd woran können wir unsere Hoffnung klammern?

AMITALEtwa an den Schutz

AMITALdurch unsere Truppen, geschwächt und reduziert

AMITALdurch dauernde Erschöpfung, mangelnde Ernährung,

AMITALund demoralisiert durch die allgemeine Klage?

AMITALKönnen wir unsere Hoffnung setzen

AMITALauf bereits besiegte Nachbarn,

AMITALohnmächtige Freunde, einen gekränkten Gott?

CABRIDurchstreife die elende Stadt

CABRIvon allen Seiten; nichts als Schrecken überall.

CABRIVernachlässigt und verwirrt

CABRIdie Ordnung. Die einen zürnen

CABRIdem Himmel oder dir;

CABRIandere bekunden weinend ihre Sünden,

CABRIalte und neue;

CABRIeinige laufen umher ohne Ziel;

CABRIandere stöhnen wortlos, und Furcht,

CABRIwie eine Flamme im trockenen Wald,

CABRIgreift am sich. Jedermann wähnt sich

CABRIdem Tode nahe. Schon umarmen sich

CABRIVerwandte und Freunde, nehmen Abschied

CABRIauf immer. Und diejenigen, die noch stets

CABRIStandhaftigkeit beweisen, werden verhöhnt.

CABRIDoch inmitten so vieler Anblicke,

CABRIwelche Stärke erweichte nicht,

CABRIum das wütendste Herz

CABRIzu entmutigen,

CABRIwenn es, unwillig,

CABRIum Tränen anderer weint,

CABRIwenn die Blässe anderer

CABRIes selbst erblassen lässt?

SYSTEMRezitativ

OZIASind denn die alten Erinnerungen bereits

OZIAvergessen? Wie undankbar ist diese

OZIAVergesslichkeit, meine Kinder! Ach, lasst uns

OZIAdaran denken, wer wir sind, dass Gott uns hilft

OZIAund wieviele Wunder er an uns vollbracht hat.

OZIAKönnen wir fürchten, dass er, der die Fluten

OZIAdes Roten Meeres teilte, der bitteres Wasser

OZIAversüsste, der Quellen mit sprudelndem Wasser

OZIAin trockenem Felsgebiet öffnete,

OZIAder uns führte und ernährte

OZIAin unbekannten, unfruchtbaren Wüsten,

OZIAuns nun verlassen sollte? Ach nein!

OZIADer stolze Holofernes

OZIAbedroht Betulia seit langem, und doch

OZIAwagt er nicht den Angriff. Dies ist ein Zeichen

OZIAder göttlichen Gunst.

CABRIJa, doch inzwischen belagert uns

CABRIder wilde General noch grausamer. Der Tyrann

CABRIbemächtigte sich der Quellen, aus denen

CABRIdie einst glückliche Stadt ihren reichen

CABRIWasservorrat schöpfte. Das verbleibende Wasser

CABRIwird durch Rationen

CABRIsparsam eingeteilt, es erzeugt Durst,

CABRIverringert ihn nicht,

CABRIverschlimmert ihn, anstatt zu löschen.

AMITALAch, mit welchen Waffen

AMITALwiderstehen wir einem Feinde,

AMITALder von unseren Quellen lebt?

AMITALSieh uns an; erkenne,

AMITALwohin wir es gebracht haben.

AMITALUnsere Brüste, ermüdet vom Keuchen,

AMITALunsere geschwollenen Zungen, ausgedörrte Kehlen

AMITALkönnen nicht einmal mehr klagen.

AMITALUnseren Augen fehlt die Feuchtigkeit für Tränen,

AMITALund doch gibt es ständig mehr Grund zum Weinen.

AMITALMein eigenes Elend ist für mich, die Mutter,

AMITALnicht die grösste Trübsal: zu sehen,

AMITALwie meine Kinder (o Himmel!) abgezehrt sind,

AMITALohne dass ich ihnen

AMITALneuen Lebensmut geben kann -

AMITALdas ist ein Elend ohnegleichen,

AMITALnur Mütter können dies verstehen. Höre mich an,

AMITALOzia: du, der du uns regierst,

AMITALdu bist der Hauptgrund unseres Übels. Gott sei

AMITALder Richtet zwischen dir und uns:

AMITALdu willst mit den Assyrern nicht

AMITALüber Frieden sprechen; du siehst uns sterben

AMITALinmitten ungekannten Schmerzes;

AMITALund du schläfst, sitzt unschlüssig und tatenlos?

AMITALDu hast kein Herz,

AMITALwenn diese Elendsklagen

AMITALdich nicht bewegen, dich nicht aufrütteln,

AMITALwenn du kein Mitleid empfindest.

AMITALWenn die Feinde wüssten,

AMITALwie elend (o Himmel!) wir sind,

AMITALselbst ihre Augen

AMITALfüllten sich mit Tränen.

SYSTEMRezitativ

OZIAUnd weichen Frieden erwartest du

OZIAvon diesen gesetz- und treulosen Menschen,

OZIAdie unserem Gott feindlich gesinnt sind?

AMITALUnd doch ist es besser,

AMITALzu leben und sie zu segnen,

AMITALals eines schändlichen Todes zu sterben,

AMITALzu sehen, wie unsere Männer und Kinder

AMITALvor unseren Augen sterben.

OZIAWas aber,

OZIAwenn der verräterische Feind

OZIAdein Leben nicht schont?

AMITALDann wollen wir lieber

AMITALschnell durch das Schwert sterben,

AMITALals qualvoll an Durst dahinscheiden. Ach Ozia,

AMITALbei allem, was heilig und wert ist, auf Erden

AMITALund im Himmel, bei ihm, der uns nun bestraft,

AMITALdem grossen Gott unserer Väter,

AMITALübergib die Stadt dem assyrischen Heer.

OZIAMeine Kinder, was sagt ihr!

AMITALJa, ja, ganz Betulia

AMITALspricht durch mich. Lass die Tore öffnen

AMITALund beuge dich der Gewalt: Lasst uns zusammen

AMITALfrei zum Lager des Holofernes eilen.

AMITALDies ist die einzige Lösung,

AMITALdie Forderung aller.

CHORZum Lager, zum Lager!

OZIAHaltet ein! Hört! (Ewiger Gott, hilf mir,

OZIAsteh mir bei!) Meine Kinder, ich will nicht

OZIAgegen euren Willen handeln: nur bitte ich euch,

OZIAmir Aufschub zu gewähren, ich erbitte nicht mehr

OZIAals fünf Tage. Fasst guten Mut.

OZIAVielleicht hat Gott bis dahin Erbarmen, zum Ruhm

OZIAseines Namens. Wenn der fünfte Morgen

OZIAohne Hoffnung für uns anbricht, so werde

OZIAdie Stadt geöffnet und dem Feinde ausgeliefert.

AMITALWir werden diese Entscheidung abwarten.

OZIAUnd nun stimmt ein

OZIAin das glühende Gebet, das ich

OZIAgen Himmel richte, treuer Vermittler

OZIAzwischen den Sterblichen und Gott.

OZIAHab' Erbarmen, Herr, mit uns,

OZIAErbarmen, in deinem Zorn:

OZIAMögen die Schuldigen bestraft werden,

OZIAbestraft durch dich.

CHORMögen die Schuldigen bestraft werden,

CHORbestraft durch dich.

OZIAWenn du zulässt, dass wir, die dich anbeten,

OZIAunterdrückt werden durch andere, die dich

OZIAnicht kennen, so werden die Heiden sagen:

OZIA»Wo ist dann ihr Gott?«

CHORSo werden die Heiden sagen:

CHOR»Wo ist dann ihr Gott?«

SYSTEMRezitativ

CABRIWer ist es, der sich uns nähert wie

CABRIdie aufgehende Sonne, schrecklich dem Anblick

CABRIwie eine befohlene Kohorte, und doch so schön,

CABRIvergleichbar der Sonne und dem Mond?

AMITALNach ihrer vernachlässigten Haartracht,

AMITALdem groben Gewand und dem traurigen Blick

AMITAList sie die Tochter Meraris.

OZIAGiuditta!

CABRIJa, die treue

CABRIWitwe des Manasses.

OZIAAus welchem Grund mag sie ihr geheimes

OZIAVersteck verlassen haben, in dem sie sich

OZIAnun schon seit fast vier Jahren verborgen hält?

AMITALIch weiss, dass sie

AMITALdie Nächte durchwacht und betet,

AMITALam Tage fastet: Der Himmel

AMITALverlieh ihr Reichtum und Schönheit,

AMITALdoch sie verschmäht beides;

AMITALso kann kein Neid, ob echt oder geheuchelt,

AMITALirgendeinen Makel an ihr finden.

AMITALUnd doch weiss ich nicht ...

Giuditta tritt auf.

GIUDITTAWas höre ich, Ozia?

GIUDITTAWeh, Betulia, was vernehme ich? Sollen wir

GIUDITTAdie Tore dem assyrischen Heer öffnen, wenn

GIUDITTAbinnen fünf Tagen keine Hilfe kommt? Armselige!

GIUDITTAIst dies eine Lösung? Ach, euch alle trifft

GIUDITTAdie gleiche Schuld. Das Volk verfällt

GIUDITTAdem einen Extrem, sein Herrscher dem anderen.

GIUDITTAHier zweifelt man an der göttlichen Gnade, dort

GIUDITTAhemmt man ihren Einfluss. Niedrig die einen,

GIUDITTAunbesonnen die anderen. Hier fehlt

GIUDITTAdie Hoffnung, dort die Ehrfurcht:

GIUDITTAWeder in dein einen noch dem anderen

GIUDITTAliegt Mässigung. Verworfenheit und

GIUDITTAUnmässigkeit gleichen einander.

GIUDITTADer Macht sind Grenzen gesetzt; und jeder,

GIUDITTAder sie in irgendeiner Weise überschreitet,

GIUDITTAselbst in entgegengesetzter Richtung,

GIUDITTAverfällt demselben Irrtum.

GIUDITTAGleich unfruchtbar

GIUDITTAist das Ufer des Flusses,

GIUDITTAsei es überschwemmt,

GIUDITTAsei es ausgedörrt.

GIUDITTAÜbermässige Hoffnung

GIUDITTAführt zu Anmassung,

GIUDITTAund der Glaube stirbt,

GIUDITTAwo die Furcht überwiegt.

SYSTEMRezitativ

OZIAO weises, göttliches, edles Weib!

OZIAAus deinen Worten spricht Gott.

CABRIWer bleibt

CABRIbei diesem Tadel taub?

OZIAO du, die du dem Herrn teuer bist,

OZIAflehe ihn um Gnade für uns an:

OZIAFühre und lenke uns.

GIUDITTAVertraue auf Gott, ertrage

GIUDITTAdie Pein. Auf diese Weise ermahnt uns Gott

GIUDITTAund unterdrückt uns nicht. So stellt er die Treue

GIUDITTAseiner Lieben auf die Probe; so wurden Abraham

GIUDITTAund Isaak, Jakob und Moses seine Wonne.

GIUDITTADoch wer wagte, seine Gerechtigkeit

GIUDITTAdurch Klagen zu beleidigen,

GIUDITTAden zerstörte er durch den Biss der Schlange

GIUDITTAoder durch Feuer. Wenn wir unsere Fehler

GIUDITTAin wahrem Massstab sehen, so ist unsere Strafe

GIUDITTAnur gering; wir sind Gott Dank schuldig,

GIUDITTAnicht Klage. Er möge uns nach seinem Willen

GIUDITTAtrösten. Ich hoffe auf grosse Beweise

GIUDITTAseiner Gnade. So ihr glaubt, dass er

GIUDITTAdurch micht spricht, fahrt fort zu glauben,

GIUDITTAdass er meine Gedanken lenkt.

GIUDITTAEin grosser Plan beflügelt mich. Trachtet nicht,

GIUDITTAihn zu erfahren. Bei Sonnenuntergang,

GIUDITTAOzia, warte auf mich am Tor bei Stadt.

GIUDITTAIch gehe, um mich vorzubereiten

GIUDITTAauf mein grosses Werk. Bis ich zurückkehre,

GIUDITTAunterstützt meine frommen Gedanken

GIUDITTAdurch inbrünstige Gebete.

OZIA, CHORHab' Erbarmen, Herr, mit uns,

usw.

OZIA, CHOR…

OZIA, CHORWenn du zulässt, dass wir, die dich anbeten,

usw.

Carmi und Achior treten auf.

SYSTEMRezitativ

CABRIMein Herr, Carmi ist gekommen, Euch zu sprechen.

AMITALSo hat er

AMITALden Schutz der Mauern verlassen,

AMITALdie ihm anvertraut wurden?

OZIAWas begehrst du, Carmi?

CARMIIch komme,

CARMIum dir einen Gefangenen zu bringen.

CARMIDas Heer der Feinde hatte ihn an einen Baum

CARMInahe der Stadt gefesselt:

CARMIAchior ist sein Name:

CARMIer ist der Fürst der Ammoniten.

OZIABehandelt Holofernes so

OZIAseine Freunde?

ACHIORDies entspricht dem Tun der Anmassenden.

ACHIOREine ungeschminkte Wahrheit empfinden sie

ACHIORals Herausforderung.

OZIAErkläre dich deutlicher.

ACHIORIch gehorche. Zürnend darüber, dass Betulia

ACHIORsich ihm zu widersetzen wagte, forderte

ACHIORder assyrische General von mir Kunde über euch.

ACHIORIch erinnerte mich vergangener Zeiten und

ACHIORerklärte ihm den Ursprung und die Geschichte

ACHIORder Kinder Israel - den angestammten Kult

ACHIORmehrerer Götter, bis eure Väter

ACHIOReinen einzigen Gott erwählten;

ACHIORdie Wanderung vom Land der Chaldäer

ACHIORnach Kanaan, von dort nach Ägypten; die rohe

ACHIORHerrschaft eines grausamen Königs. Ich berichtete

ACHIORihm von eurer wunderbaren Flucht,

ACHIORden langen Wanderungen, den unglaublichen

ACHIORVorräten an Wasser und Nahrung,

ACHIORden Schlachten und Siegen; und ich erklärte ihm,

ACHIORdass, wenn ihr eurem Gott treu wäret, er immer

ACHIORfür euch kämpfen würde. Schliesslich endete ich

ACHIORmit den Worten: »Lasst uns erforschen, ob sie

ACHIORihrem Gott untreu wurden, und wenn, dann ist

ACHIORder Sieg unser. Doch wenn sie sich nicht vor ihm

ACHIORversündigt haben, nein, dann hoffe nichts,

ACHIORoder du wirst vor aller Welt verachtet werden.«

OZIAO ewige Wahrheit, wie triumphierst du

OZIAselbst in dem Herzen der Feinde!

ACHIORHolofernes wütete bei meinen Worten.

ACHIOREr trieb mich von sich

ACHIORund schickte mich nach Betulia;

ACHIORund der Unbarmherzige drohte mir,

ACHIORdass ich zusammen mit euch getötet würde,

OZIAIst er sich seiner Macht

OZIAso sicher?

AMITALBesitzt er

AMITALso wenig Menschlichkeit?

ACHIORUnter der Sonne lebt

ACHIORkein hochmütigerer Mensch,

ACHIORkein grausameres Herz.

ACHIORVor seinen Worten und Taten

ACHIORzittern selbst die Stärksten.

ACHIORFürchterlich anzusehen,

ACHIORgrausam in seinen Taten,

ACHIORentweder zählt er sich selbst zu den Göttern,

ACHIORoder er ist völlig gottlos.

ACHIORStolz, Zorn und Verachtung

ACHIORsprechen aus seinen Augen;

ACHIORund mit der Wut ist er so schnell

ACHIORwie mit der Gnade langsam.

SYSTEMRezitativ

OZIASei versichert, Achior, dass Gott, dessen Macht

OZIAdu voraussagtest, den Urheber dieser gottlosen

OZIADrohungen bestrafen wird. Nicht durch Zufall

OZIAhat der Himmel dich zu uns geführt.

OZIAAufdecken kannst du des Feindes ...

CABRIGiuditta kehrt zurück

OZIAVerlasst mich alle.

OZIAFürst, für jetzt keine Fragen mehr.

OZIADiener, bringt ihn zu meinem Hause:

OZIADort werde ich dich bald treffen.

OZIAGehe Achior, und glaube mir,

OZIAdass, fern deiner Heimat, du in mir

OZIAeinen Freund, Vater und Beschützer finden wirst.

ACHIORSo grosses Mitleid hatte ich nicht erwartet.

Giuditta tritt auf.

OZIABist du Giuditta, oder ist mein Blick

OZIAdurch das Licht getrübt.

GIUDITTAIch bin es.

OZIADoch warum bist du

OZIAin Trauer nicht mehr und trägst

OZIAfröhliche Gewänder? Warum feines Leinen und

OZIAGold, Purpur und Schmuck, und

OZIAdie schon vergessenen Attribute deiner Schönheit?

OZIABalsamdüfte steigen

OZIAaus deinem geflochtenen Haar! Wer hat deinen

OZIAWangen die Farbe zurückgegeben? Wer verlieh

OZIAdeinen Bewegungen so aussergewöhnliche

OZIAGrazie und Erhabenheit? Wer erzeugte

OZIAden ungewohnten Glanz in deinen Augen,

OZIAder Respekt und Bewunderung heischt?

GIUDITTAOzia, die Sonne geht unter;

GIUDITTALass die Tore öffnen: Ich muss hinausgehen.

OZIAHinausgehen!

GIUDITTAJa.

OZIADoch in der Dunkelheit, unbewaffnet

OZIAund allein ...

GIUDITTANichts mehr. Nur meine Magd

GIUDITTAsoll bei mir sein.

OZIA(Aus ihren Worten spricht etwas,

OZIAich weiss es nicht, von Entschlossenheit und Grösse,

OZIAdas mich bedrückt.) Zumindest ... Ich wünschte ...

OZIAMeine Tochter ... (Wer könnte es glauben! Ich

OZIAwage nicht einmal zu fragen, wohin sie geht und

OZIAworauf sie vertraut.) Gehe, meine Tochter:

OZIAMöge Gott dich erleuchten und leiten.

GIUDITTAIch gehe unbewaffnet und ohne Furcht;

GIUDITTAIch gehe allein, aber sicher; ich gehe durch das

GIUDITTADunkel, doch fürchte ich micht nicht.

GIUDITTADer mich antrieb zu dieser grossen Prüfung,

GIUDITTAbegleitet und beschützt mich:

GIUDITTAich trage ihn in meinem Geist und höre ihn sagen,

GIUDITTAdass ich siegreich sein werde.

von ferne

CHORO Wunder! O Erstaunen! Dass eine friedliche Frau

CHORwie sie die öffentliche Verantwortung

CHORauf sich nimmt, ohne sich mit dem Herrscher

CHORzu beraten, dass sie sich der Gefahr aussetzt,

CHORohne unklug zu wirken! Sie schmückt sich

CHORmit grosser Sorgfalt, und doch gibt es

CHORkeinen Zweifel an ihrer Tugend! Sie

CHORverspricht nichts und gibt uns doch Hoffnung!

CHORWie könnte der Urheber dieses Wunders

CHORsolch ein Wesen missachten?

Ozia und Achior

SYSTEMRezitativ

ACHIORUnsere Götter so zu verachten,

ACHIORentspricht nicht (verzeih, Ozia)

ACHIORdeinem sanften Wesen.

ACHIORWie du weisst, sprach ich

ACHIORnicht so über deinen Gott.

OZIAFürst, was du als ungeschlacht erachtest,

OZIAist in Wahrheit Eifer. In dir entdeckte ich

OZIAKeime der Wahrheit; und ich trachte danach,

OZIAsie zum Leben zu bringen.

ACHIORGenügt es dir nicht,

ACHIORdass ich deinen Gott achte?

OZIANein: Jeder

OZIAmuss seine Existenz anerkennen,

OZIAund ihn allein anbeten.

ACHIORDoch wer beweist, dass er der Eine ist?

OZIADer verehrte Einklang

OZIAjeder Generation; die zuverlässige

OZIAGlaubwürdigkeit unserer Vorfahren; derselbe

OZIAGott, dessen Wunder und Kraft

OZIAdu voraussagtest, die er

OZIAmit eigener Stimme enthüllte: Denn als er

OZIAsich selbst beschrieb, sagte er:

OZIA»Ich bin, weil ich bin«, und sagte alles.

ACHIORUmsonst ziehst du die Glaubwürdigkeit

ACHIORdeines Volkes gegen mich heran, deinen Widersacher.

OZIANun, mein Wort scheint dich nicht zu überzeugen,

OZIAmein Freund. Aber du bist ein Mann:

OZIADie Vernunft wird dir das Gegenteil beweisen.

OZIAAntworte mir mit ruhigem Geist:

OZIASuche die Wahrheit, nicht den Sieg.

ACHIORIch höre.

OZIASo sage mir:

OZIAGlaubst du, Achior,

OZIAdass irgend etwas ohne Vernunft

OZIAerreicht werden kann?

ACHIORNein.

OZIAIndem du im Geiste

OZIAeins nach dem andenm siehst,

OZIAmusst du dann nicht eine Ursache erkennen,

OZIAvon der alles andere abhängt?

ACHIORDas beweist die Existenz eines Gottes, aber

ACHIORnicht, dass Er der Eine ist. Können nicht auch

ACHIORunsere Götter die ersten Ursachen sein?

OZIAWelche Götter, teurer Fürst? Baumstämme und

OZIAMarmor, die ihr mit Inschriften versehen habt?

ACHIORDoch wenn diese Steine für die Weisen

ACHIORnur Symbole der unsterblichen schöpferischen

ACHIORWesen sind, würdest du dann weiter behaupten,

ACHIORdass meine Götter keine Götter sind?

OZIAJa, weil es mehrere sind.

ACHIORIch sehe nicht,

ACHIORwas die Anzahl zu sagen hat.

OZIAEin Grund: Ich kann mir

OZIAkeinen Gott vorstellen,

OZIAder nicht vollkommen ist.

ACHIORDie Idee als solche stimmt.

OZIAWenn ich vollkommen sage,

OZIAmeine ich auch unendlich.

ACHIORDas eine schliesst das andere ein:

ACHIORDaran gibt es keinen Zweifel.

OZIADoch du betest mehrere Wesen an, und wenn es

OZIAmehrere sind, so unterscheiden sie sich. Und wenn

OZIAsie sich unterscheiden, so gibt es Grenzen

OZIAzwischen ihnen. So ist entweder das Unendliche

OZIAbegrenzt, oder es gibt keine Götter.

ACHIORIch gebe zu, es ist schwer,

ACHIORdir zu widersprechen.

ACHIORAber ich bin nicht überzeugt.

ACHIORIch beuge mich deiner Redekunst,

ACHIORnicht jedoch deinen Argumenten. Die Gotter,

ACHIORdie ich anbete, verlasse ich nicht,

ACHIORund für mich gibt es keinen Gott,

ACHIORwenn ich ihn mir nicht vorstellen kann.

OZIAWenn wir ihn uns vorstellen könnten,

OZIAwäre er nicht Gott. Wer könnte sich

OZIAein Bild von ihm machen? Er besteht nicht

OZIAaus Teilen wie der Körper; wie unsere Seelen

OZIAist er nicht deutlich vorstellbar.

OZIAEr unterliegt keiner Form,

OZIAwie alle Schöpfung; und wenn man ihm im Geiste

OZIATeile, Umriss und Form gibt, so grenzt man ihn

OZIAein, zerstört seine Vollendung.

ACHIORDoch wenn du ihn selbst

ACHIORsowohl gut als auch gross nennst,

ACHIORbeschreibst du ihn nicht auch?

OZIANein: Für mich ist er gut, aber

OZIAohne Eigenschaft, gross, aber

OZIAohne Mass, unendlich;

OZIAallgegenwärtig, ohne Ort und Begrenzung;

OZIAund wenn ich ihn auf diese Weise

OZIAnicht erklären kann, so mache ich mir jedenfalls

OZIAkeine Vorstellung von ihm, die ihn beleidigt.

ACHIORSo besteht also

ACHIORkeine Hoffnung, ihn zu sehen?

OZIAEines Tages wirst du in der Lage sein,

OZIAbesser entscheiden zu können, doch inzwischen

OZIAkannst du ihn sehen, wo immer du willst.

ACHIORIhn sehen! Doch wie,

ACHIORwenn ich ihn mir nicht vorstellen kann?

OZIAAuch die Sonne

OZIAkannst du nicht mit den Augen erfassen,

OZIAund dennoch scheint sie immer und auf alles.

OZIAWillst du Gott erblicken,

OZIAso sieh ihn in allem:

OZIAsuchst du ihn in deinem Herzen,

OZIAwirst du ihn in dir finden.

OZIAUnd wenn du nicht weisst,

OZIAwo er wohnt,

OZIAso verwirre mich, wenn du kannst:

OZIAsage mir, wo er nicht wohnt.

SYSTEMRezitativ

ACHIORIch bin verwirrt; ich gerate in Versuchung,

ACHIORund doch kehren meine Zweifel wieder.

OZIAWenn die Gewohnheit

OZIAmit dem Verstand in Konflikt gerät,

OZIAgeschieht dies. Es ist, als ob man versuchte,

OZIAdie vernachlässigten Saiten einer

OZIAlange nicht mehr gespielten Lyra zu stimmen,

OZIAdie kaum mehr schwingen wollen,

Amital tritt auf.

AMITALAch sag mir, Ozia, was geschieht,

AMITALwas ist deine Absicht? Ich verstehe nicht

AMITALden Sinn dieses äussersten Schweigens,

AMITALin das Betulia gehüllt ist

AMITALnach dem grossen Aufruhr. Unser Los hat sich

AMITALnicht im geringsten gebessert. Unsere Mühsal

AMITALwächst, doch die Klagen werden minder. Gestern

AMITALbat jeder um Hilfe und Gnade; heute läuft jeder

AMITALdüster umher, ohne zu sprechen. Ach, dieses

AMITALscheint ein zu unheilvolles Omen zu sein.

AMITALDer Lotse, der beim grössten Sturm

AMITALkeine Angst empfindet und nicht spricht,

AMITAList dem Schiffbruch nahe.

AMITALDer Kranke, der nicht stöhnt,

AMITALwenn Grund zum Seufzen besteht,

AMITAList seiner letzten Stunde nahe.

SYSTEMRezitativ

OZIAÜbermässige Trauer währt nicht lange.

OZIAEntweder gibt man den Übeln nach,

OZIAoder man gewöhnt sich an sie, Und dennoch

OZIAist unsere Lage nicht ohne Hoffnung.

AMITALIch verstehe:

AMITALdu verlässt dich auf Giuditta. Ach, ich halte dies

AMITALfür eine zu gewagte Hoffnung.

von fern

CHORAn die Waffen, an die Waffen!

OZIAWas bedeuten diese Rufe?

tritt auf

CABRIBeeile dich, Ozia. Hörst du

CABRIden Lärm unserer Krieger

CABRIan den Toren?

OZIAWas ist der Grund Inerfür?

CABRIWer weiss?

AMITALGnade!

AMITALDer Feind ist gekommen.

OZIALasst uns eilen und sehen.

Giuditta tritt auf.

GIUDITTAHaltet ein, Freunde.

OZIAGiuditta!

AMITALEwiger Gott!

GIUDITTALobt, meine Freunde, lobt unseren Herrn.

GIUDITTASehet, seine Versprechen hat er erfüllt:

GIUDITTAer triumphiert durch meine Hand:

GIUDITTAunseren Glauben hat er belohnt.

OZIAAber dieser

OZIAplötzliche Aufruhr.

GIUDITTAich verursachte ihn:

GIUDITTAberuhigt euch. In wenigen Augenblicken

GIUDITTAwerdet ihr die Wirkung spüren.

AMITALDoch wenn

AMITALHolofernes inzwischen ...

GIUDITTAHolofernes

GIUDITTAwurde getötet.

AMITALWas sagst du?

ACHIORWer erschlug Holofernes?

GIUDITTAIch tat es.

OZIADu!

ACHIORDoch wann?

AMITALUnd wie?

GIUDITTAHört. Kaum hatte ich Betulia verlassen,

GIUDITTAals ich von feindlichen Wachen ergriffen wurde.

GIUDITTASie brachten mich zu Holofernes: Er fragte mich,

GIUDITTAwer ich sei und warum ich gekommen war.

GIUDITTAEinen Teil der Wahrheit enthüllte ich ihm,

GIUDITTAden anderen behielt ich für mich. Er

GIUDITTAverstand mich nicht, doch gefiel ihm,

GIUDITTAwas ich sagte. Er hörte irtich an und empfing mich

GIUDITTAhöflich und gutwillig (obwohl Güte nicht zu ihm

GIUDITTAzu passen schien), er stimmte mir bei und

GIUDITTAtröstete mich. Er lud mich zu einem fröhlichen

GIUDITTABankett ein. Auf besonderen Tischen stieg

GIUDITTAbereits Rauch aus goldenen Gefässen; schon leerte

GIUDITTAder Wahnsinnige zwischen den Gängen zahlreiche

GIUDITTABecher mit starkem Wein; und nach und nach

GIUDITTAbegann er zu schwanken. Viele Diener standen

GIUDITTAum uns herum, doch einer nach dem anderen

GIUDITTAverschwand. Als der letzte, und schlimmste,

GIUDITTAvon denen, die noch geblieben waren,

GIUDITTAverschwand, schloss er die Tür hinter sich

GIUDITTAund liess mich allein mit Holofernes.

AMITALFurchtbare Gefahr!

GIUDITTAFür ein bereites Herz ist jede Gefahr gering.

GIUDITTASchon war der längste Teil der Nacht verronnen.

GIUDITTADas Lager rings umher war still, gehüllt in Schlaf.

GIUDITTAAuch Holofernes, übermannt vom Wein, dem er

GIUDITTAübermässig zugesprochen hatte, schlief auf dem

GIUDITTABett, das ihm zum Verhängnis werden sollte.

GIUDITTAIch erhob mich und begab mich

GIUDITTAleise zu ihm hin, sein Gesicht schaute nach unten.

GIUDITTAIndem ich mich zum Himmel wandte, sprach ich,

GIUDITTAmehr mit dem Herzen als mit dem Mund: »Dies ist

GIUDITTAder Augenblick, o Gott Israels, wo

GIUDITTAein einziger Streich dein Volk befreien kann. Du

GIUDITTAgabst dies Versprechen; indem ich dir vertraute,

GIUDITTAübernahm ich diese Aufgabe; ich erflehe

GIUDITTAdeine Hilfe.« Nachdem ich dies gesagt hatte,

GIUDITTAlöste ich das Schwert von einer Säule seines

GIUDITTALagers, entblösste es, hielt sein Haar mit meiner

GIUDITTAlinken Hand, erhob die andere zur vollen Länge

GIUDITTAmeines Armes, erneuerte meinen Schwur zu Gott

GIUDITTAin diesem bedeutenden Augenblick, und lenkte

GIUDITTAdas Schwert auf sein verruchtes Genick.

OZIAWelch ein Mut!

AMITALWelch ein Wagnis!

GIUDITTADer Barbar öffnete die Augen und, unsicher

GIUDITTAzwischen Schlaf und Tod, fühlte er das Schwert

GIUDITTAan seinem Hals. Er versuchte, sich zu erheben

GIUDITTAund sich zur Wehr zu setzen, doch

GIUDITTAsein gefesseltes Haar vereitelte dieses Ansinnen.

GIUDITTAEr begann zu schreien, doch seiner Stimme

GIUDITTAwar der Weg zu den Lippen versperrt.

GIUDITTAIch schlug noch einmal zu, und siehe da,

GIUDITTAdas fürchterliche Haupt war von den Schultern

GIUDITTAgelöst. Der Rumpf zitterte

GIUDITTAauf dem blutbefleckten Boden: Ich fühlte, wie

GIUDITTAder halbtote Kopf sich unter der Hand bewegte,

GIUDITTAdie ihn hielt. Ich sah,

GIUDITTAwie das Gesicht plötzlich die Farbe verlor;

GIUDITTAdie Lippen formten stumme Worte, die Augen

GIUDITTAsuchten überall nach der Sonne:

GIUDITTAIch sah ihn sterben, drohen, und ich zitterte.

AMITALAuch ich zittere bei dieser Nachricht.

GIUDITTAEndlich atmete ich wieder und dankte dem

GIUDITTASchöpfer für das Zeichen dieses Triumphes. Ich

GIUDITTAzog den kostbaren Baldachin vom Bett herunter

GIUDITTAund wickelte schnell den Kopf darin ein. Ich gab ihn

GIUDITTAmeiner treuen Magd, die in der Nähe wartete;

GIUDITTAich stahl mich fort vom toten General

GIUDITTAzum Pavillon, gelangte ungesehen durch das Lager

GIUDITTAund kehrte zurück zu euch.

OZIAUnglaublich!

CABRIWunderbar!

ACHIORUnbewaffnet und ohne Beistand

ACHIORkonntest du dieses ausführen!

ACHIORKann ich dir glauben?

GIUDITTAGlaube, was ich deinen Augen enthülle,

GIUDITTAdas abgetrennte Haupt.

ACHIORWie furchtbar! Es ist Holofernes:

ACHIORIch erkenne ihn.

OZIAHelft ihm, Diener: die plötzliche Angst liess

OZIAsein Herz zu Eis erstatten.

AMITALSein Geist versagte,

AMITALum den Augen den Anblick zu ersparen.

GIUDITTAWir wollen besser von ihm denken,

GIUDITTAAmital. Vielleicht ist der Schleier,

GIUDITTAder seine Sinne verdunkelte,

GIUDITTAnun plötzlich gewichen. Er entflicht nicht

GIUDITTAder Wahrheit, doch ist er nicht daran gewöhnt,

GIUDITTAden Einbruch von so viel Licht zu ertragen.

GIUDITTADer Gefangene, der nach dunkler Nacht

GIUDITTAdas friedliche Tageslicht erblickt,

GIUDITTAschliesst seine Augen vor der Sonne,

GIUDITTAnach der ihn so verlangte.

GIUDITTADoch bald wird er das helle

GIUDITTALicht ertragen können,

GIUDITTAweil der Glanz, der ihn blendete,

GIUDITTAihn belebt und leitet.

SYSTEMRezitativ

ACHIORGiuditta, Ozia, Leute, Freunde: Ich gebe nach,

ACHIORich bin besiegt. Alles sieht nun anders aus. Ich

ACHIORweiss nicht, wer den Wechsel in mir verursacht hat.

ACHIORIch sehe nicht länger den alten Achior in mir.

ACHIORIch bin erfüllt, ganz erfüllt von eurem Gott. Ich

ACHIORerkenne in ihm den grossen, unendlichen, einzigen.

ACHIORIch hasse und verabscheue die falschen Götter

ACHIORund die schändliche Schmeichelei, die ich ihnen

ACHIORleichtgläubig entgegenbrachte. Ich liebe keinen

ACHIORanderen, ich erkenne keinen anderen Gott an

ACHIORdenn den Gott des Abraham.

ACHIORDich allein bete ich an,

ACHIORunendlicher Geist,

ACHIORQuelle des Lebens

ACHIORund der Wahrheit.

ACHIORAlles, was ewig ist,

ACHIORbewegt sich

ACHIORin dir,

ACHIORist abhängig von dir.

SYSTEMRezitativ

OZIAHier siehst du ein herrliches Beispiel

OZIAfür die Früchte deines Sieges, o Giuditta!

AMITALUnd nicht das einzige. Auch ich sündigte;

AMITALIch bereue. Meine Furcht beleidigte

AMITALdie göttliche Gnade. In meinen Qualen, o Gott,

AMITALvergass ich, was du vermagst, wer du bist.

AMITALMit strafbarer Niedrigkeit

AMITALbeleidigte dich meine Seele,

AMITALals sie an deiner

AMITALHilfe zweifelte.

AMITALErbarmen, Herr, Erbarmen,

AMITALdenn mein reuevolles Herz

AMITALbüsst in seinen Gewissensqualen

AMITALfür sein eigenes Vergehen.

SYSTEMRezitativ

CABRIWie sorgst du für uns, göttliche Gnade!

Carmi tritt auf.

CARMIDeine Prophezeiungen, heilige Frau,

CARMIsind eingetroffen: Allgemeiner Tod

CARMIsuchte die Assyrer heim.

OZIAVielleicht ist dies

OZIAnur unser Wunsch.

CARMINein; ich war halb Zeuge

CARMIdes glücklichen Ereignisses; den Rest vernahm ich

CARMIvon fliehenden Überlebenden.

CARMIVon oberhalb der Mauern,

CARMIwie Giuditta es mir bei ihrer Rückkehr auferlegte,

CARMIliess ich Schreie und Waffengeklirr laut erklingen.

AMITALWir hörten es hier.

CARMIDie feindlichen Wachen fürchteten einen

CARMInächtlichen Angriff und beeilten sich, Holofernes

CARMIzu warnen. Dort fanden sie den kopflosen Rumpf

CARMIin seinem Blute; sie schraken zurück,

CARMIlaut schreiend. Die fürchterliche Nachricht

CARMIgelangte zu den Truppen, die bereits durch

CARMIunsere Rufe eingeschüchtert waren: und siehe,

CARMIes flüchten alle, sich gegenseitig behindernd

CARMIin ihrer Hast. Die Flüchtenden stolpern

CARMIund fallen über die Gefallenen; in dem Gewirr

CARMIerschlagen Freunde einander mit ihren Schwertern;

CARMIüberwältigt hebt jemand seinen Freund auf,

CARMIund wird selbst überwältigt.

CARMIRingsumher ein furchterregender Lärm

CARMIim Lager. Erschrockene Pferde

CARMIbrechen aus ihren Umzäunungen und trampeln

CARMIin der Dunkelheit über Tote und Sterbende.

CARMIDer Wind verweht ihr Wiehern, gemischt

CARMImit den Flüchen und Schwüren der Heiden.

CARMIHundert verschiedene Wege zum Tod sind die

CARMIFolge. Jeder fürchtet sich, flielit und stirbt

CARMIin gleicher Weise; und in dem Schrecken

CARMIweiss niemand, warum er sich fürchtet,

CARMIwarum er flieht, warum er stirbt.

OZIAO Himmel! Träume oder wache ich?

CARMIHörst du, o Herr, die traurigen Stimmen?

CARMIDie Stimmen, die ihr hört

CARMIim Dunkel der Nacht,

CARMIsind schmerzliche Töne,

CARMIgebrochene Schreie,

CARMIdie der unselige Schrecken

CARMIin der Ferne entfacht.

CARMIEs gibt keine Feinde mehr,

CARMIdie wir besiegen können;

CARMIdie Furcht vollendet

CARMIdas Werk des Schwertes.

SYSTEMRezitativ

OZIALass die Flüchtlinge verfolgen, Carmi;

OZIAund belohne Giuditta

OZIAmit den erbeuteten Schätzen.

AMITALO edles Weib,

AMITALmöge Gott dich schützen und segnen

AMITALvor allen anderen Frauen.

CABRIVon deiner Tapferkeit

CABRIwird man ewig sprechen.

ACHIORDu bist

ACHIORIsraels Stolz,

ACHIORder Ruhm unseres Volkes ...

GIUDITTAGenug. Soviel Lob

GIUDITTAgebührt mir nicht. Gott war dei Geist,

GIUDITTAder den grossen Streich führte, Seine Hand

GIUDITTAwar ich, weiht ihm die feierlichen Gesänge.

CHORLob sei dem grossen Gott,

CHORder seine heidnischen Feinde erschlug,

CHORder für uns kämpfte

CHORund der auf diese Weise triumphierte.

GIUDITTADer Assyrer kam,

GIUDITTAund mit den persischen Kohorten

GIUDITTAbedeckte er das Tal rings umher,

GIUDITTAdämmte die Flüsse ein.

GIUDITTADas Licht des Tages schien zu erlöschen;

GIUDITTAdas angsterfüllte Israel wähnte

GIUDITTAmit der Ankunft dieses Mannes

GIUDITTAseinen letzten Tag gekommen.

CHORLob sei dem grossen Gott

usw.

GIUDITTAMit Flammen, Ketten und Tod

GIUDITTAdrohte er wild;

GIUDITTABetulia erblasste vor

GIUDITTAseiner fürchterlichen Stimme.

GIUDITTADoch unverhofftes Glück

GIUDITTAvernichtete ihn wie mit einem Schlage,

GIUDITTAund alle Wut verflog

GIUDITTAwie Dunst im Wind.

CHORLob sei dem grossen Gott

usw.

GIUDITTAVerstreut und verlassen

GIUDITTAflüchteten die Barbaren,

GIUDITTAdie Assyrer zitterten,

GIUDITTAdie Meder verloren den Mut.

GIUDITTAAuch Riesen waren nicht nötig,

GIUDITTAum die Sterne anzugreifen.

GIUDITTAEine einzelne, friedliche Frau

GIUDITTAerfüllte sie mit Schrecken.

CHORLob sei dein grossen Gott

usw.

ALLELasst uns allein den toten Anführer

ALLEso vieler Soldaten sehen.

ALLEBetulia ist frei, die Feinde besiegt.

ALLEO Seele, die gefährlichen Feinde,

ALLEdie dich umgarnen,

ALLEsind die Laster; allen voran der Stolz.

ALLEErsticke ihn, und mit ihm

ALLEsein ganzes Gefolge. So gewinnst du

ALLEtausend Palmen mit einem einzigen Schlag.