Knecht Robert

N. von Krufft

Von Oberon im Feenland,

Dem Könige der Geister,

Komm' ich, Knecht Robert, abgesandt,

Von meinem Herrn und Meister.

Als Kobold und Pur,

Wohlkundig des Spuks,

Durchschwärm' ich Nacht vor Nacht.

Jetzt misch' ich mich ein

Zum polternden Reihn.

Wohlauf, ihr alle, gelacht, gelacht!

Geschwinder als ein Wetterstrahl,

Durchschweif' ich Erd' und Himmel,

Und kitzle mich nach Herzenswahl

Am tollen Weltgetümmel.

Wo Nixen und Feen

Und Elfinnen gehn,

Die überrasch' ich sacht;

Und seh' ich sie nun

Wie Jüngferchen thun,

Dann höhnet Robert, und lacht und lacht.

Wenn taumelnd wo ein Wand'rer trollt

Um Mitternacht vom Schmause,

Dann neck' ich ihn als Tückebold

Mit Irrlicht weit vom Hause;

Durch Distel und Dorn,

Durch Rasen und Korn,

Geht's fort in düstrer Nacht,

Bis endlich bethaut

Der Morgen ergraut;

Dann schwindet Robert, und lacht und lacht.

Als schwarzer Mann mit schiefem Maul,

Als Brummbär nah' ich spottend,

Als Ziegenbock, als grauer Gaul,

Sanftmüthig um ihn trottend.

Doch steiget er auf,

Dann flieg' ich im Lauf,

Wie Urians wilde Jagd!

Husch! sausen wir, husch!

Durch Rusch und durch Busch;

Dann patsch in's Wasser, und ausgelacht!

Wenn Abends Bursch' und Jungfern spät

Bei'm Pfänderspiele juchen;

Dann knack' ich Nüss', und schlürfe Meth,

Und nasche Pfefferkuchen.

Doch losen sie Ring

Und Bänder; dann flink

Die Lichter ausgemacht!

Wer küßte mich, wer?

Schrein Mädchen umher;

Dann schnarcht Freund Robert, und lacht und lacht!

Oft pfleg' ich, weil die Mädchen ruhn,

Die Küh' im Stall zu futtern,

Zu fegen, Küchenwerk zu thun,

Zu hecheln und zu buttern,

Oft näh' ich die Nath,

Oft spinn' ich am Rad,

So still, daß nichts erwacht.

Wann eine mich stört,

Durch Vorwitz bethört;

Hinweg schurrt Robert, und lacht und lacht.

Doch faule Dirnen kneip' ich blau,

An Arm und Schenkel zwackend,

Und leg' in schwüler Nacht zur Schau

Sie ohne Deck' halbnackend.

Als zottiger Mahr

Oft reit' ich sie gar,

Und ängst aus aller Macht:

Sie rütteln und drehn

Mit leisem Gestöhn;

Dann trollt sich Robert, und lacht und lacht.

Am Wiesenborn bei Mondenschein,

In stiller Drudenstunde,

Da singen wir den Frühlingsreihn,

Und tanzen in die Runde.

Vor Lerchengesang'

Entfliehen wir bang'

In Strudel, Kluft und Schacht;

Doch Robert umfaßt

Ein Nixchen in Hast,

Entführt sie schmeichelnd, und lacht und lacht.

Seit Merlins grauer Zeit hab' ich

Gar manchen Kuß erobert;

Drum nennen Feen und Mädchen mich

Den lustigen Freund Robert.

Kommt, laßt euch nicht graun,

Holdselige Fraun,

So hold in jeder Tracht!

Sonst komm' ich als Alp,

Und thue nichts halb!

Wohlauf, ihr alle, gelacht, gelacht!