Die Heimkehr
O. Körte
Im heiligen Land, im Wüstensand
Bin ich zu Feld gelegen
Und kehre sonnenbraungebrannt
Zu heimischen Gehegen:
Nun erst mein alter Heimatwald,
Weiß ich dich ganz zu schätzen,
Mich deiner dunkeln Prachtgestalt
Tagtäglich neu zu letzen.
Ich sah die Ebne Esdrelon,
Der Aquäducte Bogen,
Und sah in rauschender Fächerkron'
Den Palmenhain erwogen.
Fern sei, solch adlig schlank Gehölz
Dem Sarazen zu neiden;
Ich mußte um den Trunk des Quells
Mit sieben Heiden streiten.
Ich hab viel giftigen Schmack und Ruch
Auf Syriens Feld erlitten;
Wie anders schmeckt ein voller Zug
Der Luft in Harzwaldmitten!
Wer einmal diesen Jungbrunn fand
Der schöpft aus keinem andern;
Thüringer Wald, Thüringer Land,
Nur hier mag ich noch wandern!
Will je, der Meerfahrt Rest, an mir
Ein Wüstenpesthauch zehren,
Such' ich im Nadelholz Quartier
Ihn siegreich abzuwehren:
Denn das ist deutschen Waldes Kraft,
Daß er kein Siechthum leidet
Und Alles was gebrestenhaft,
Aus Leib und Seele scheidet.
Daß ich wieder singen und jauchzen kann,
Daß alle Lieder gerathen,
Verdank' ich nur dem Streifen im Tann,
Den stillen Hochwaldpfaden:
Aus schwarzem Buch erlernst Du's nicht,
Auch nicht mit Kopfzerdrehen:
O Tannengrün, o Sonnenlicht,
O freie Luft der Höhen!
Mein Kreuzfahrtschild hangt im Geäst,
Kriegsruhmes gern ich darbe,
Ich schließe meiner Tage Rest
Als Mann der grünen Farbe.
Noch möcht' ich pflegen manchen Baum
Den Enkeln einst zum Schatten,
Noch roden manchen wüsten Raum
Zu Wald und Wiesenmatten;
Noch auf und ab am Inselsberg
Manch waidlich Jagdlied singen,
Und so mein Forstmanntagewerk
Treu, wie sich's ziemt, vollbringen.
Klopft dann der Oberforstherr Tod
An meine Kemenaten,
Sein Klopfen wird mir nicht zu Noth
Und ewiger Pein gerathen.
Näht mich in eine Hirschhaut ein
Im grünen Sonntagkleide,
Das Jagdhorn von Weißelfenbein,
Den Spieß legt mir zur Seite:
Verschließt die Berggruft mit dem Schild,
Deckt sie mit Moos und Rasen,
Ich hoff' von dort einst Wald und Wild
Zur frohen Urstend zu blasen.