Was wird aus mir?

O. Kroupova

Was wird aus mir? Was fängst du wieder an,

verkohltes Holz und schweres Herz zu stören?

Laß, Liebe, einmal hören,

damit ich weiß, womit ich rechnen kann.

Die Jahre meines Laufes sind am Ziel

wie Pfeile, wenn sie stecken in der Scheibe,

nun muß das Feuer endlich auch sich legen.

Dir sei verziehn, was früher mich befiel,

weil nirgends Platz mehr ist an meinem Leibe

und um der abgestumpften Waffen wegen.

Doch willst du mir zu neuem Spiel erregen

mein Aug, mein Herz, das schlaff und furchtsam grollte,

wirds wollen, wie's einst wollte?

Ihm glückts, du weißt, daß es dir widersteh,

nur weil es heut noch schwächer ist als je.

Du hoffst vielleicht mit neuer Schönheit mich

zurückzuziehn in schlimme Abenteuer,

in die der Weiseste sich leicht verfinge:

Lang leben bringt verkürzte Not mit sich;

es könnte sein, daß ich, wie Eis am Feuer,

statt aufzubrennen schwände und zerginge.

Der Tod allein hat Macht, daß er bezwinge

in meinem Alter dieser Pfeile Strahlen,

Verschulder solcher Qualen,

bei denen nichts: das Vorrecht nicht der Stände,

nicht Zeit, nicht Ort, nicht Reichtum Gnade fände.

Die Seele, welche, mit dem Tode sprechend,

versucht, für sich sich mit ihm zu beraten,

hat immer zu Verdacht und Sorge Zeit;

sie sieht den Körper täglich fast zerbrechend,

so wandelt sie die Pfade ihrer Taten

in Hoffnung halb und halb in Ängstlichkeit.

Wie bist du, Liebe, auf den Blick bereit

bewaffnet, stark und wagend ohne Schwanken,

daß du den Todgedanken,

der doch im Recht ist, weißt mir auszujagen,

um Laub und Blühn aus dürrem Baum zu schlagen.

Was kann, was soll ich noch? War nicht die Frist

vergangnen Lebens völlig dir zu eigen

und mein in allen Jahren keine Stunde?

Vermöchte noch Betrug, Gewalt und List

so argem Herrn mich wieder zuzuneigen,

der Tod im Herzen hat bei mildem Munde?

Dumm, danklos wär im Grunde

die Seele, die vom Auferstehen ließ,

zu folgen dem, der erst in Tod sie stieß.