Waldlied

O. Schoeck

Die Vögel fliehn geschwind

Zum Nest im Wetterhauche,

Doch schleudert sie der Wind

Weitab von ihrem Strauche.

Das Wild mit banger Hast

Ist ins Gebüsch verkrochen;

Manch grüner frischer Ast

Stürzt nieder, sturmgebrochen.

Das Heer der Wolken schweift

Mit roten Blitzesfahnen,

Aufspielend wirbelt, pfeift

Die Bande von Orkanen.

Das Bächlein, sonst so milde,

Ist ausser sich geraten,

Springt auf an Bäumen wild,

Verwüstend in die Saaten.

Der Donner bricht herein,

Es kracht die Welt in Wettern,

Als wollt' am Felsgestein

Der Himmel sich zerschmettern.

Der Regen braust; nun schwand

Das Tal in seiner Dichte;

Verpfählt hat er das Land

Vor meinem Augenlichte.

Doch mir im Herzensgrund

Ist Heiterkeit und Stille;

Mir wächst in solcher Stund

Und härtet sich der Wille.