Mit dir am Abgrund

O. Sonneck

Mit dir am Abgrund irre ich vorbei.

Wann wird er endlich beide uns verschlingen?

O greisenhafte Narretei!

Wer kann der Frühling je uns wiederbringen?

Wo tausend Sonnen einst in mir geglüht,

Gähnt eisige Nacht. Verloren ist verloren.

Mein Hirn ist alt, mein Herz ist müd.

Und ach, mir träumt, ich wäre nie geboren.

Kein Brot, nur Steine mir das Schicksal bot.

Nachtwandler gleich halbwach ich fürder schreite.

Stoß an, lieber Geselle Tod!

Und weiche grinsend nie von meiner Seit!

Tod? Ja, du schöne, wenn du groß und tief

Ins Aug mir blickst und ich dein Glas berühre --

Als ob ich schon im Grabe schlief,

Des Todes Hauch aus deinem Mund ich spüre.