Nachtigall

O. Sonneck

Wenn ich zur Nacht aus dem Wirtshaus hinke,

Wo ich Geld und Verstand vertrinke,

Wie meine Mutter und teure Magen

Mir des öftern belieben zu sagen:

Dann hör ich wohl auch, wie Tausende schon,

Der Nachtigall lüsternen Klageton:

Das zittert so hell aus lauterer Kehle

Und dringt so hinein in die Menschenseele.

Da steh ich auf altem Paradeplatze,

hängenden Schweifes schleicht eine Katze --

Und ich denk an mein weibliches Ideal,

Das aus hundert Weibern zusammen ich stahl --

Und denk an die Esel vergangener Zeit,

An des Glückes notorische Schlüpfrigkeit

Und mir ist, als könnt ich da unten auf Erden

Noch einmal riesig glücklich werden.