Trinklied
R. Maurmeier
Die strengste Busse auf der Welt
macht keinen Dummen klug,
was Leib und Seel' zusammen hält,
das birgt ein blanker Krug. Pfui!
Wasser, ist das auch ein Trank?
Was soll dem Bauch Kasteiung?
Ist wer an Leib und Seele krank,
Vexirt ihn Gall' und Höllenstank,
der Wein schafft ihm Befreiung.
Kling, klang, Brüderlein trink,
dass dir rot die Nase blink'
fällst du heut' auch unter'n Tisch
morgen trinkst du wieder frisch.
Das Käuzlein, das im Astloch greint,
ist doch ein dummes Vieh,
es schläft, wenn hell die Sonne scheint,
und Nachts singt's: Uhui! Uhui!
pfui, ist das auch ein Sang?
was soll Geheul und Klagen?
Hei, Lied und heller Becherklang
soll als Geläut' un Chorgesang
mir all' mein' Tag' behagen.
Und zerren sie am Mantel
mir und droh'n mit Acht und Bann,
wiel ich mein Lebenselixir,
den Wein nicht lassen kann: Pfui!
Heuchler die ein' Gottesgab'
mit scheelem Munde schelten,
nun grad' weil ich mein' Freud' dran hab',
soll mir der Wein als Trost und Lab'
zum letzten Stündlein gelten.