Lind weht der Abendfriede in die stille Stadt

R. Maux

Lind weht der Abendfriede in die stille Stadt,

Der Sonne goldnes Blut verströmt in den Kanälen,

Und eine Sehnsucht, die nicht Weg und Worte hat,

Beginnt nun von den grauen Türmen zu erzählen.

Die alten Glocken singen dumpf und wunderbar

Von Tagen, da ihr Jubelruf das Land umspannte,

Des Lebens Glanz tief unten in den Straßen war

Und fackelfroh das Wimpelspiel des Hafens brannte,

Von reichen Tagen wundersam und längst verglüht

Und die wie erster Kindertraum so fern geworden.

Das Ave schweigt... Und langsam stirbt der Glocken Lied

Und zittert aus in leise bebenden Akkorden.

Die letzten Töne nimmt ein lauer Abendwind,

Und einsam irrt der Nachhall in die toten Gassen,

Die alle schweigsam und ganz schmerzverschüchtert sind,

Ein blindes Kind, das jäh die Führerhand verlassen. –

Durchs stille Wasser streift ein wildes Schwanenpaar,

Und leise raunt die Flut, die schwingensacht erschauert,

Von einer schönen Frau, die Königin einst war

Und nun im dunklen Nonnenkleide einsam trauert...