Gebet

S. Ebel

Ich bete wieder, du Erlauchter,

du hörst mich wieder durch den Wind,

weil meine Tiefen nie gebrauchter

rauschender Worte mächtig sind.

Ich war zerstreut; an Widersacher

in Stücken war verteilt mein Ich.

O Gott, mich lachten alle Lacher,

und alle Trinker tranken mich.

In Höfen hab ich mich gesammelt

aus Abfall und aus altem Glas,

mit halbem Mund dich angestammelt,

dich, ewiger aus Ebenmaß.

Wie hob ich meine halben Hände

zu dir in namenlosem Flehn,

dass ich die Augen wiederfände,

mit denen ich dich angesehn.

Ich war ein Haus nach einem Brand,

darin nur Mörder manchmal schlafen,

eh ihre hungerigen Strafen

sie weiterjagen in das Land;

ich war wie eine Stadt am Meer,

wenn eine Seuche sie bedrängte,

die sich wie eine Leiche schwer

den Kindern in die Hände hängte.

Ich war mir fremd wie irgendwer

und wusste nur von ihm, dass er

einst meine junge Mutter kränkte,

als sie mich trug,

und dass ihr Herz, das eingeengte,

sehr schmerzhaft an mein Keimen schlug.

Jetzt bin ich wieder aufgebaut

aus allen Stücken meiner Schande

und sehne mich nach einem Bande,

nach einem einigen Verstande,

der mich wie ein Ding überschaut, -

nach deines Herzens großen Händen -

(o kämen sie doch auf mich zu)

ich zähle mich, mein Gott, und du,

du hast das Recht, mich zu verschwenden.