Schwingen

S. Ebel

Ich komme aus meinen Schwingen heim,

mit denen ich mich verlor.

Ich war Gesang, und Gott, der Reim,

rauscht noch in meinem Ohr.

Ich werde wieder still und schlicht,

und meine Stimme steht;

es senkte sich mein Angesicht

zu besserem Gebet.

Den andern war ich wie ein Wind,

da ich sie rüttelnd rief.

Weit war ich, wo die Engel sind,

hoch, wo das Licht in nichts zerrinnt –

Gott aber dunkelt tief.

Die Engel sind das letzte Wehn

an seines Wipfels Saum;

daß sie aus seinen Ästen gehn,

ist ihnen wie ein Traum.

Sie glauben dort dem Lichte mehr

als Gottes schwarzer Kraft,

es flüchtete sich Luzifer

in ihre Nachbarschaft.

Er ist der Fürst im Land des Lichts,

und seine Stirne steht

so steil am großen Glanz des Nichts,

daß er, versengten Angesichts,

nach Finsternissen fleht.

Er ist der helle Gott der Zeit,

zu dem sie laut erwacht,

und weil er oft in Schmerzen schreit

und oft in Schmerzen lacht,

glaubt sie an seine Seligkeit

und hangt an seiner Macht.

Die Zeit ist wie ein welker Rand

an einem Buchenblatt.

Sie ist das glänzende Gewand,

das Gott verworfen hat,

als Er, der immer Tiefe war,

ermüdete des Flugs

und sich verbarg vor jedem Jahr,

bis ihm sein wurzelhaftes Haar

durch alle Dinge wuchs.