Das Liebchen

S. Hausegger

Ich bin der Hexe gar zu gut,

Ich wollt', ich wär' es nicht;

Seh' ich sie nur, so steigt das Blut

Mir alles ins Gesicht.

Weiß selber nicht recht, wie mir ist;

Oft denk' ich so bei mir:

Hättst du nur einmal sie geküsst,

Wie wohl, woie wohl wär' dir!

Tagtäglich liegt sie mir im Sinn;

Und abends, wenn ich kaum

Halb dämmernd eingeschlummert bin,

So neckt sie mich im Traum.

Was war ich sonst ein Kerl -- und nun --

Ich bin fast wie verrückt,

Denn all ihr Wesen, all ihr Thun

Hat ganz mein Herz bestrickt.

Seh' ich sie da im Tanz so flink,

Wird mir's ums Herz so warm,

Dann denk' ich zitternd: Michel, spring!

Jetzt spring ihr in den Arm!

Und dann hab' ich das Herz doch nicht,

Und steh' und gaff' sie an:

Was doch ein lumpig schön Gesicht

Für Wirrwarr machen kann!

Spaßt dieser oder der mit ihr

Beim Abendzeitvertreib,

O weh! So ist's, als führe mir

Ein Messer durch den Leib.

Ich suche sie, und find' ich sie,

So beug' ich plötzlich aus,

Und schleiche, menschenscheu als wie

Ein Bösewicht, nach Haus.

Zur Schenke geh' ich eben so

Verdrießlich und so faul

Als wie zum Dienst; ist alles froh,

Hängt Michel doch das Maul.

Wenn alles laut juchheit und lacht,

So sitz' ich stumm und dumm,

Und wie aus einem Traum erwacht,

Seh' ich mich schüchtern um.

Ich habe tag und Nacht nicht Ruh,

Mein Aug' ist trüb' und hohl;

Oft, hör' ich, flüstert man sich zu:

Was fehlt doch Micheln wohl?

Was fehlt ihm! Wann man ist vergafft,

Ist alle Freude hin.

Schafft mir das Mädchen, oder schafft

Es mir aus meinem Sinn!