Gottheit des zertrümmerten Tempels

S. Wolpe

Gottheit des zertrümmerten Tempels!

Die zerrissenen Saiten der Vina

singen nicht mehr deinen Preis.

Die Glocken des Abends verkünden

nicht mehr deines Dienstes Stunde.

Die Luft ist still und schweigend rings um dich.

In deine zerstörte Wohnung

kommen die duftigen Frühlingslüfte.

Sie bringen die Botschaft der Blumen -

der Blumen, die man nicht mehr weihet zu deinem Dienst.

Dein Priester von einst

sehnt sich wandernd

noch immer nach dem verweigerten Opfer.

Am Abend, wenn Feuer und Schatten

sich mischen dem Dunkel des Staubes,

dann kommt er müde zurück zum zerstörten Tempel

mit Hunger im Herzen.

Manch ein Festtag kommt zu dir im Schweigen,

du Gott des zerstörten Tempels.

Manche Nacht der Anbetung geht,

und die Lampen sind nicht entzündet.

Viele neue Bilder wurden von Meisterhand

schön gebildet und hin zum heiligen Strom

des Vergessens getragen, wenn ihre Zeit kam.

Nur die Gottheit des zerstörten Tempels

bleibt immer unverehrt, unsterblich verachtet.