Anbetung

Strauss, Richard

Die Liebste steht mir vor den Gedanken, wie schön, o wie schön!

Daß mir betäubt die Sinne wanken, wie schön, o

wie schön!

Sie hat mit Mienen mich angelächelt, wie hold, o wie hold,

Daß durch das Herz mir die Strahlen schwanken, wie schön, o

wie schön!

Die hellen Fluren der Rosenwange, sie winken zur Lust,

Und dunkel flattern die Lockenranken, wie schön, o wie schön!

Des Aug's

Narzissen, wie lieblich, wann

sie erwachen im Tau,

Und wann sie trunken in Schlummer sanken, wie schön, o wie schön!

Die Palm' aus Eden, die ich in Träumen wie lange gesucht,

Hab' ich gefunden im Wuchs, dem schlanken, wie schön, o wie schön!

Der Quell des Lebens, dem ich gedurstet

, er hat mich gelabt,

Als meine Lippen aus deinen tranken, wie schön, o

wie schön!

Des Geistes Hoffen, der Seele Wähnen, dein Traum, Phantasie,

Ist hier

getreten in Körperschranken, wie schön, o

wie schön!

Des Frühlings Blumen, des Himmels Sterne, du bringst sie im Kranz

Mir dar vereinigt, wie soll ich danken? Wie schön, o wie schön!

Die höchste Schönheit halt' ich in deiner gedrückt an mein Herz;

Es muß erliegen, es muß erkranken, wie schön, o wie schön!

Du stirbst, o Freimund, und dich zu Grabe zu tragen, o sieh',

Wie sich die Rosen mit Lilien zanken, wie schön, o wie schön!