Deutsche Motette

Strauss, Richard

Die Schöpfung ist zur Ruh' gegangen, o wach' in mir!

Es will der Schlaf auch mich befangen, o wach' in mir!

Du Auge, das am Himmel wachet mit Sternenblick,

Wenn mir die Augen zugegangen, o wach' in mir!

Du Licht, im Äther höher strahlend als Sonn' und Mond,

Wenn Sonn' und Mond ist ausgegangen, o wach' in mir!

Wenn sich der Sinne Thor geschlossen der Außenwelt,

So laß die Seel' in sich nicht bangen, o wach' in mir!

Laß nicht die Macht der Finsternisse, das Grau'n der Nacht

Sieg über's innre Licht erlangen, o wach' in mir!

O laß im feuchten Hauch der Nächte, im Schattenduft,

Nicht sprossen sündiges Verlangen, o wach' in mir!

Laß aus dem Duft von Edens Zweigen in meinem Traum

Die Frucht des Lebens niederhangen o wach' in mir!

O zeige mir, mich zu erquicken, im Traum das Werk

Geendet, das ich angefangen, o wach' in mir!

In deinem Schoße will ich schlummern, bis neu mich weckt

Die Morgenröthe deiner Wangen; o wach' in mir!