Die Göttin im Putzzimmer

Richard Georg Strauss

Welche chaotische

Haushälterei!

Welches erotische

Tausenderlei!

Alle die Nisch'chen,

Alle die Zellchen,

Alle die Tischchen,

All' die Gestellchen!

Fächelchen, Schreinchen,

Alle voll Quästchen;

Perlchen und Steinchen

All' in den Kästchen!

Blinkende Ringelchen,

Schimmernde Kettchen,

Goldene Dingelchen!

Silberne Blättchen!

Nadel und Nädelchen,

Hacken und Häckchen,

Faden und Fädelchen,

Flecke und Fleckchen!

Allerlei Wickelchen,

Allerlei Schleifchen,

Allerlei Zwickelchen,

Allerlei Streifchen!

In der Verwirrung

Buntem Verstrick,

Vor der Verirrung

Banget der Blick.

Welche gewaltige

Zaubrin muß sein,

Die das zwiespaltige

Zwingt zum Verein?

Dort aus der Thüre

Kommt sie gegangen. --

Seht nur die Schnüre!

Seht nur die Spangen!

Alle die Sächelchen,

Wie sie sich regen,

Ihr aus den Fächelchen

Hüpfen entgegen!

Alle die Dingerchen,

Bänderchen, Miederchen,

Ihr um die Fingerchen,

Ihr um die Gliederchen!

Plötzlich von unten

Steht sie bis oben

All' mit dem bunten

Flitter umwoben.

Alles, wie fügt sich's

Still und einträchtiglich,

Legt sich's, begnügt sich's,

Wie sie's will mächtiglich.

Die Elemente

Hat sie verbunden,

Hat in's Getrennte

Ganzes empfunden.

Und aus dem lebenden

Inneren Hauch

Wird dem Umgebenden

Leben erst auch.

Schöpfrin, Entfalterin

Himmlischer Zier,

Stehst du, Gestalterin

Muse, vor mir?

Oder Du, Liebe,

Einigerin,

Ird'scher Getriebe

Reinigerin?

Denn nur ihr Beide

Ordnet zum Eins

Buntes Geschmeide

Menschlichen Seins.

Denn nur ihr Beide

Wandelt das Nichts,

Chaos, zum Kleide

Himmlischen Lichts.