Morgenrot

Strauss, Richard

Dort, wo der Morgenstern hergeht

Und wo der Morgenwind herweht,

Dort wohnt, nach der mein Herz hinfleht.

Der Aufgang meiner Liebesnot,

Sie, meiner Hoffnung Freudenrot,

Mein süßes Leben, süßer Tod.

Es reicht dahin kein Blick von mir,

Doch an des Himmels lichter Zier

Seh' ich den Widerschein von ihr.

Das Morgenrot ist angefacht,

Weil sie vom Schlummer aufgewacht

Und hell den Himmel angelacht.

Die Luft des Aufgangs ist ihr Gruß,

Die Morgensonn' ihr Liebeskuß,

Der mir das Herz erschließen muß.

Sich dreh'n um's Haus, allwo sie wohnt,

Die Sonn' am Tag und nachts der Mond,

Und sind, so oft sie blickt, belohnt.

Die Himmel dreh'n um Liebe sich,

Die Liebe dreht sich nur um dich,

Und zu dir liebend wend' ich mich.

Du, leuchtend über Berg und Tal,

Von Haupt zu Füßen allzumal

Von Huld ein einz'ger Himmelsstrahl!

Du meiner Freuden Rosenau,

Dir schmeichle Lenz mit Lüften lau,

Der Morgen dir mit Perlenthau.

Sei ewig wie der Morgen jung,

Begrüßt, als wie der Sonne Schwung,

Von aller Augen Huldigung.

So viel im Grünen Blumen blühn,

So viel im Blauen Sterne glühn,

Sind lauter Funken, die dir sprühn.

Im Meer, so viel sind Wogen drin,

So viel sind Wünsch' in meinem Sinn,

Und jeder wogt zu dir dahin.

O Lerche, wann zum Morgenthor

Von ihren Blicken steigst empor,

Sing' ihr dies Lied von

Freimund

vor.