Hochzeitlich Lied

Strauss, Richard

Laß Akaziendüfte schaukeln,

Rosen durch die Fenster gaukeln,

Blütenfee, das bist nun du!

Deine buchenroten Locken

läuten mir wie Märchenglocken,

und die weiten Täler locken. . .

Komm, mein Kind, wir gehn zur Ruh!

In das Land der blassen Farben

ziehn wir ein, und Purpurgarben

fächeln stille Flammen zu.

Horch, schon zittern weiche Lieder,

Mond enthüllt sein Schneegefieder,

fieberheiß die reifen Glieder,

ziehn wir, Hand in Hand, zur Ruh.

Leise Scham, so schüchtern gleitend,

lichte Rosenflügel spreitend,

deckt die Äuglein, deckt dich zu.

Klingt's im Park von Zymbeln, Zinken,

will durchs Fenster Venus winken,

müssen Band und Seide sinken,

komm, mein Kind, wir ziehn zur Ruh.