Hymne

Strauss, Richard

Jakob! dein verlorner Sohn

Kehret wieder,

O gräme dich nicht.

Die Erhörung von Gottes Thron

Steigt hernieder,

O gräme dich nicht!

Dieses traurige Herz wird einst

Ruh' genießen,

O sei nicht betrübt.

Jede Thräne, welche du weinst,

Wird zerfließen,

O gräme dich nicht!

Wann zur harrenden Erdenbraut

Mit Liebkosen

Der Frühling kehrt,

Wird der Nachtigall Nest gebaut

Unter Rosen,

O gräme dich nicht!

Wenn des Himmels kreisendes Rad

Dir zu Zeiten

nicht geht nach Lust,

Denk, nothwendig ein Kreislauf hat

Ungleichheiten,

o gräme dich nicht.

Daß du der Sterne heimliches Thun

Siehst nicht freier,

O hadre nicht:

Weltgeheimnisse wollen ruhn

Unterm Schleier,

O gräme dich nicht!

Wenn der Strom des Verderbens braust

Über's Gemäuer

Irdischer Lust:

Du, von der Arche des Herrn behaust,

Trau dem Steuer,

O gräme dich nicht!

Zwar bedenklich ist unser Gang,

Wo wir uns wenden,

Kein Ziel zu sehn;

Aber ein jeder Weg, wie lang,

Muß einst enden,

O gräme dich nicht!

Wer die Wuste durchpilgern will,

anzubeten

im Heiligthum:

Schweigt, wenn Disteln ihn stechen, still;

Dom zu treten,

o gräme dich nicht.

Meine Armuth, mein Wehgeschick,

was mich kränket,

und was mich drängt:

Alles schaut mit einem Blick

Gott, der's lenket,

o gräme dich nicht.

Und so lang in finsterer Nacht

in Derwischen-

Zellen Hafis

Liest den Koran und Gottes Macht

preist dazwischen,

o gräme dich nicht.