Noch eine Stunde

Richard Georg Strauss

Noch eine Stunde laßt mich hier verweilen

im Sonnenschein,

mit Blumen Lust und Gram des Lebens teilen

im Sonnenschein!

Der Frühling kam und schrieb auf Rosenblättern

ein Traumgedicht

vom Paradies, ich las die goldnen Zeilen

im Sonnenschein.

Der Sommer kam, das Ird'sche zu verzehren

mit Himmelsbrand,

ich sah die Ros' erliegen seinen Pfeilen

im Sonnenschein.

Es kam der Herbst, das Leben heimzuholen;

ich sah ihn nahn,

und mit der Ros' in seiner Hand enteilen

im Sonnenschein.

Seid mir gegrüßt, ihr Bilder all des Lebens!

Die hier ich sah

um mich verweilen, mir vorübereilen

im Sonnenschein.

Seid mir gegrüßt, ihr Wanderer des Lebens!

Die ohne mich

und die mit mir gewandert einige Weilen

im Sonnenschein.

Zurück ich blick' und seh' die Blumentäler

so leicht durchwallt,

und selbst den Berg, einst schwer erstiegen, steilen

im Sonnenschein.

Ich geh', die süße Müdigkeit des Lebens

nun auszuruhn,

die Lust, den Gram der Erde nun auszuheilen

im Sonnenschein.